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Wirtschaft
Aufstieg in eine neue Auflagen-Liga

Übernahme in trockenen Tüchern: Sven Nieder (rechts, Eifelbild-Verlag) hat dern Regionalia Verlag übernommen. Dessen Geschäftsführer Bruno Hof bleibt weiter mit an Bord.
Übernahme in trockenen Tüchern: Sven Nieder (rechts, Eifelbild-Verlag) hat dern Regionalia Verlag übernommen. Dessen Geschäftsführer Bruno Hof bleibt weiter mit an Bord. FOTO: TV / Sven Nieder
Daun/Rheinbach. Der Dauner Eifelbildverlag hat den deutlich größeren Regionalia-Verlag übernommen. Verleger Sven Nieder muss sich an neue Zahlen gewöhnen: Denn statt rund 40 wird das Dauner Unternehmen nun gut 300 Titel anbieten.

Als Fotograf hat sich Sven Nieder international einen Namen gemacht, aber seiner großen Leidenschaft nachzugehen wie einst, als er viele Jahre mit der Kamera in der Welt unterwegs war, dafür fehlt ihm immer häufiger die Zeit. Vor allem, weil er seit 2016 Verleger ist, damals hat er die Führung des von seinem Vater Hans Nieder gegründeten Eifelbildverlag übernommen. „Der war ursprünglich dafür gedacht, den organisatorischen Aufwand für den Vertrieb des Bildbandes ‚Himmel über der Vulkaneifel‘ zu leisten. Doch daraus ist doch weit mehr geworden“, erzählt er. Gut 40 Titel erscheinen im Eifelbildverlag, der auch für seine erfolgreichen Eifeler-Platt-Produkte wie Karten und Tassen bekannt geworden ist.

Um bei der Mundart zu bleiben: Bei Sven Nieder „deet sich jet“. Er hat den Regionalia-Verlag übernommen. Das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Rheinbach war in die Insolvenz geraten, „aber wir haben gesehen, dass das Kerngeschäft gesund ist und uns deshalb für die Übernahme entschieden.“ Der 42-Jährige verspricht sich davon, dass der Eifelbildverlag zu einer echten Marktgröße im deutschsprachigen Bereich wird. Denn Regionalia ist eine deutlich größere Hausnummer als der kleine Verlag mit Sitz in Daun: „Wir vervielfachen uns, was die Zahl der Titel und den Umsatz angeht.“

Heißt konkret: Der Rheinbacher Verlag hat gut 250 Titel im Angebot und zuletzt rund 720 000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Bestseller ist das Buch „Schwein gehabt: Redewendungen aus dem Mittelalter“, das 250 000 Mal verkauft worden ist. Eine neue Größenordnung für den aus Birresborn stammenden Nieder, der sich zuvor mit Bildbänden, aber zum Beispiel auch Autobiografischem, Lyrik, Reise- und Heimatliteratur sowie Kinderbüchern einen Namen gemacht hat. Seit 2017 sind mit der Edition Bildperlen auch Fotobände international renommierter Fotografen im Programm, bereits zwei Bücher des Verlags wurden für den deutschen Fotobuchpreis nominiert. Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst erscheinen zehn weitere Titel.

Im Mittelpunkt seiner verlegerischen Tätigkeit stehen grafisch hochwertig gestaltete Bücher, „die die Eifel in ihren unverwechselbaren, wunderbaren Seiten darstellen und nach vorn bringen.“ Nun hat der noch junge Eifelbildverlag einen großen, seit mehr als einem Jahrzehnt auf dem Buchmarkt etablierten „Kollegen“, der zum Verkauf stand und an dem laut Nieder mehrere Mitwettbewerber interessiert, gekauft.  Zu welchem Preis, das will er nicht verraten. Die Übernahme des Regionalia-Verlags ist am 1. Juli offiziell vollzogen worden.

Dessen bisheriger Geschäftsführer Bruno Hof bleibt an Bord, was Nieder freut, „denn ich kann jemanden mit Erfahrung auf einem Markt mit deutlich höheren Auflagen gut gebrauchen. Die Philosophie, unverwechselbare, liebevoll gestaltete Bücher zu bestimmten Regionen zu machen, stimmt überein. Die Preisgestaltung ist jedoch eine deutlich andere und erweitert nun unsere Absatzmöglichkeiten.“

Nun muss Nieder also mit anderen Zahlen operieren. So hat er gerade 59 000 Bücher aus dem Sortiment des Regionalia-Verlags nachbestellt, damit die Nachfrage bewältigt kann. Aber an solche Größenordnungen wird er sich gewöhnen, will er doch den Expansionskurs fortsetzen, auf den er schon den Eifelbildverlag ausgerichtet hatte.

Aber trotz deutlich mehr Masse bleibt Raum für besondere Projekte. Ein solches ist auch das 2016 veröffentlichte Kinderliederbuch „De Hohner plecke de Bloome“ mit Stücken, die aus dem gesamten Jahreskreis, von Karneval bis Weihnachten, vom Osterklappern bis zum Ringelreihen, stammen und natürlich auf Platt gesungen werden – Ehrensache bei Nieder, auch wenn er selbst den (Birresborner) Dialekt nicht richtig beherrscht.

Beim Buch allein wird es nicht bleiben: Mehrere Schulen und Kindergärten aus der Vulkaneifel haben sich bereit erklärt, die Lieder für eine CD einzusingen, die nach den Sommerferien erscheint.  Nieder: „Als wir mit dem kleinen Verlag gestartet sind, hätte ich nicht gedacht, dass das Fotografieren immer mehr in den Hintergrund rücken würde. Genau das ist aber passiert, ich bin mittlerweile eindeutig mehr Verleger. Ob ich das bedauere? Nein, es macht mir sogar richtig Spaß.“

Bekannt ist der Eifelbildverlag auch für seine Dialekt-Produkte wie Karten und Tassen.
Bekannt ist der Eifelbildverlag auch für seine Dialekt-Produkte wie Karten und Tassen. FOTO: TV / Stephan Sartoris