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Energie
Ausstieg aus Windkraftplanung ist nur noch Formsache

Die Zahl der Windräder in der Verbandsgemeinde Daun ist überschaubar: Neben diesen Anlagen zwischen Hinterweiler und Waldkönigen gibt es fünf weitere auf der Gemarkung Sarmersbach.
Die Zahl der Windräder in der Verbandsgemeinde Daun ist überschaubar: Neben diesen Anlagen zwischen Hinterweiler und Waldkönigen gibt es fünf weitere auf der Gemarkung Sarmersbach. FOTO: e_daun <e_daun@volksfreund.de>
Daun/Strotzbüsch. Einstimmige Empfehlung: Der Verbandsgemeinderat Daun soll die weitere Planung einstellen. Davon unberührt ist das Vorhaben in Strotzbüsch, wo drei Anlagen vorgesehen sind.

Noch ist es nur eine Empfehlung eines Ausschusses, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das entscheidende Gremium, der Verbandsgemeinderat, diesem Beschluss in seiner Sitzung im Juni folgen und ein gut sieben Jahre währendes Kapitel beenden: die Windkraftplanung in der VG Daun.

Anders als in anderen Regionen – beispielsweise dem Kelberger Land, wo das Thema sehr kontrovers diskutiert wurde – hat die Windkraft in der VG Daun nicht für erhitzte Gemüter gesorgt. Denn schon früh war klar, dass nur wenige Standorte in Frage kommen könnten, und beispielsweise in einem Streifen zwischen Daun und Gillenfeld, in dem das Weinfelder, das Gemündener, das Schalkenmehrener und das Immerather Maar sowie Pulver- und Holzmaar liegen, keine Windräder aufgestellt werden dürfen. Auch das Liesertal sollte rotorenfreie Zone werden. Seit Beginn der Planung 2011 hat sich so viel geändert, dass über die Jahre die Zahl der potienziellen Flächen stetig kleiner geworden. Die VG ist knapp 32 000 Hektar groß. Wenn alle Ausschlusskriterien für die Windkraftnutzung  zur Anwendung kommen, bleiben letztlich nur rund 57,6 Hektar (0,18 Prozent der VG-Fläche) übrig, auf denen Anlagen errichtet werden könnten. Diese konzentrieren sich auf eine Erweiterung der bereits bestehenden Flächen in der Gemarkung Sarmersbach und neue Flächen in der Gemarkung Strotzbüsch.

Das war die Diskussionsgrundlage in der jüngsten Sitzung des  Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses der VG Daun. Die entscheidende Frage: Soll die Flächennutzungsplanung weiter betrieben werden, mit der Folge, dass weitere Kosten für Planung und Anfertigung von Gutachten bis zu 125 000 Euro entstehen würden? Bislang hat die VG gut 55 000 Euro investiert. Und noch ein Hinweis der VG-Verwaltung zur Entscheidungsfindung: „Die weitere Planung birgt jedoch das Risiko, dass sie einer gerichtlichen Prüfung nicht standhalten könnte, weil der Anteil neu auszuweisender Flächen sehr gering ist.“

Das Risiko bei dieser Variante bestehe darin, dass zwar Anträge auf einige Flächen gestellt werden könnten. Aber innerhalb dieser Gebiete gebe es weitere Restriktionen wie etwa Landschaftsschutzgebiete oder auch Artenvorkommen wie in Dreis-Brück, die grundsätzlich sehr hohe Hürden für die Erteilung einer Genehmigung darstellten.

Vor diesem Hintergrund fiel die Beratung kurz und der Beschluss deutlich aus: Einstimmig votierten die Ausschussmitglieder dafür, der VG-Rat solle die Planung einstellen.

Die VG ist demnächst offiziell raus, dagegen bleibt Strotzbüsch weiter dabei: Der Rat der 470-Einwohner-Gemeinde sieht die Windkraft als einzige Möglichkeit, Geld in die Kasse zu bekommen. Auf eigene Faust – und als einziger Ort in der VG Daun – ist die 470-Einwohner-Gemeinde im Dreikreise-Eck Vulkaneifel/Bernkastel-Wittlich/Cochem-Zell schon Anfang 2011 auf die Suche nach einem Partner gegangen. Und mit der Firma Boreas mit Sitz in Dresden fündig geworden. Ortsbürgermeister Emil Maas, seit 2004 im Amt, hofft nun, dass der bereits vor sieben Jahren geschlossene Vertrag bald umgesetzt werden kann. Er sagt: „Die Bürger stehen hinter dem Vorhaben. Und außerdem: Wie sonst sollen wir an Einnahmen kommen? Wir brauchen sie, um in wichtige Projekte investieren zu können, damit unser Dorf lebenswert bleibt.“