| 19:06 Uhr

Ehrenamt
Bäcker, Sänger, Schöffe

In der Backstube sind die Entscheidungen schnell getroffen. Als Schöffe wird die Sache komplizierter, weiß  Hermann-Josef Kalsch nur zu gut.
In der Backstube sind die Entscheidungen schnell getroffen. Als Schöffe wird die Sache komplizierter, weiß Hermann-Josef Kalsch nur zu gut. FOTO: Helmut Gassen
Gillenfeld. Der Gillenfelder Hermann-Josef Kalsch ist für sein Engagement von Justizminister Mertin geehrt worden.

In Gillenfeld und Umgebung kennt ihn praktisch jeder, zumindest in seinem Hauptberuf als Bäckermeister. Bereits in dritter Generation führt Hermann-Josef Kalsch den Betrieb seines Vaters und Großvaters in der Pulvermaargemeinde weiter. Eigentlich hatte er aber den Traumberuf vieler Kinder im Auge: „Ich wollte immer Lokführer werden. Wenn am Gillenfelder Bahnhof ein Zug einlief, war ich immer da“, erzählt er.

Doch daraus wurde nichts, er lernte zuerst Konditor in Trier  und danach Bäcker in Köln. Als jüngster Bäcker in Rheinland-Pfalz bestand er 1972 die Meisterprüfung und stieg in den elterlichen Betrieb ein. Die Bäckerei Kalsch ist ein Traditionsbetrieb und besteht schon seit 1910. Bäcker zu sein, das ist für Hermann-Josef Kalsch nicht nur Beruf, sondern Berufung. „Ich bin Bäcker mit Leib und Seele“, sagt er über sich selbst. Seine Arbeitstage beginnen früh.

Als Bäckermeister mit eigenem Betrieb und 25 Angestellten steht der 67-Jährige um vier Uhr nachts in der Backstube, um Brot, Brötchen, Gebäck und Kuchen herzustellen. Wie es allerdings mit seinemBetrieb weitergeht, weiß auch Hermann-Josef Kalsch noch nicht genau: „Mein Sohn Mario will vielleicht weitermachen, das Problem ist nur, weiterhin auch geeignete Fachkräfte zu finden.“

Doch Kalsch ist nicht nur Bäcker. Beim Männergesangverein Gillenfeld war er drei Jahrzehnte aktiv und zudem viele Jahre dessen Vorsitzender. Die Arbeit im Verein musste er allerdings aus zeitlichen Gründen aufgeben. Seit 1998 ist  Kalsch auch als singender Bäckermeister bekannt. Damals sang er im Gillenfelder Karneval, als seine Schwester Prinzessin war, zum ersten Male das Lied „Einmal Prinz zu sein in Gillenfeld“. „Seitdem singe ich das Prinzenlied sowie den 1960er-Jahre-Schlager Marianka regelmäßig“, erzählt Kalsch. 1976 war er mit seiner Frau Prinzenpaar im Gillenfelder Karneval .

Seit 14 Jahren ist Kalsch auch als Schöffe aktiv, wofür er vor Kurzem in Mainz vom rheinland-pfälzischen Justizminister Herbert Mertin mit einer Urkunde und einer Ehrennadel geehrt wurde. „Das Amt des Schöffen hat mich schon immer interessiert. Es ist vielfältig und macht Spaß“, sagt er. Um Schöffe zu werden, muss man sich bewerben. Auch Hermann-Josef Kalsch muss sich alle fünf Jahre neu bewerben.

Bis zu 20 Gerichtsterminen stehen jährlich für den ehrenamtlichen Schöffen Kalsch an. Zuerst war er für das Landgericht Trier bestellt, nun ist er am Amtsgericht Trier tätig. Das Spektrum reicht von leichteren bis zu „harten Fällen“ von Raub bis Überfall. Und es ist für den Schöffen Kalsch nicht immer einfach, zu urteilen. „Man kommt zum Termin und weiß zuerst einmal gar nichts. Dann wird man in kurzen Zügen informiert. Beim Gerichtstermin macht man sich Notizen über die Anhaltspunkte und muss am Ende ein Urteil fällen“, sagt Kalsch. Das sei nicht einfach.