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Bedroht, bespuckt, belästigt - Parkbank in Daun ist Treffpunkt für Unruhestifter

 Ausnahmsweise mal verwaist: die Bank in der Bahnhofstraße, wo Alkoholexzesse und Schlägereien zu vielen Polizeieinsätzen geführt haben. Das Verbotsschild steht schon länger da und hat nichts mit dem Brennpunkt zu tun, sondern gilt für den Weg, der zur Nikolauskirche führt.
Ausnahmsweise mal verwaist: die Bank in der Bahnhofstraße, wo Alkoholexzesse und Schlägereien zu vielen Polizeieinsätzen geführt haben. Das Verbotsschild steht schon länger da und hat nichts mit dem Brennpunkt zu tun, sondern gilt für den Weg, der zur Nikolauskirche führt. FOTO: (e_daun )
Daun. Kaum ein Tag, an dem die Polizei nicht zur Bank in der Dauner Bahnhofstraße ausrücken muss. Dort wird reichlich Alkohol getrunken, Passanten werden angepöbelt, es gibt Schlägereien. Eine Anwohnerin sagt nun: "Es reicht!" Stephan Sartoris

Daun "Eine schöne Wohnung in einem schönen Ort", dachte sich Franziska Koch, als sie vor einem Jahr aus beruflichen Gründen nach Daun zog. Doch ihre Freude übers neue Domizil wurde zusehends getrübt, nahm doch, wie sie es nennt, der "ganze Tumult auf der Parkbank" überhand. "Anfangs dachten wir, die Männer auf der Parkbank seien einfach nur ältere Herren, die sich mit ihren Freunden dort treffen und abends ab und an mal ein Bier zusammen trinken", sagt die 24-Jährige. "Dagegen wäre ja noch nichts einzuwenden gewesen."

Aber bei der überschaubaren Zahl derer, die sich an der Parkbank trafen, blieb es nicht. "Das hat sich durchaus im zweistelligen Bereich bewegt", wie Alfred Haas, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Daun, berichtet.

Und was bei den Treffen abging, schildert Franziska Koch sehr anschaulich: "Passanten sind angepöbelt, bedroht, bespuckt und belästigt worden. Bis weit nach 22 Uhr lief laute Musik, es gab Auseinandersetzungen und auch Schlägereien. Rund um die Bank wurde gepinkelt, es wurde sich in den Abfalleimer übergeben, der Müll einfach weggeschmissen." PI-Chef Haas bestätigt: "Je mehr Alkohol im Spiel war, um so aggressiver wurde die Stimmung. Was dazu geführt hat, dass Polizeibeamte manchmal mehrfach täglich dorthin mussten."

Franziska Koch, die gemeinsam mit ihrem Freund in der Bahnhofstraße wohnt, stellt klar, "dass es nicht darum stellt klar, den Leuten etwas Böses zu wollen. Aber uns reicht es jetzt einfach." Sie könne mittlerweile nicht mehr aus dem Haus gehen, ohne die Rolladen ganz zu schließen und alle Türen abzuschließen, nachdem "einer von den Leuten von der Bank in unserem Hausflur war und nach einem Besen gefragt hat. Auch tagsüber ist ein Schließen der Rolladen nicht zu vermeiden, da man andauernd von der Bank aus beobachtet wird."

Was sich seit geraumer Zeit in der Bahnhofstraße abspielt, ist kein neues Phänomen für die Kreisstadt. So war einst der Hotzendrees ein Treffpunkt, und über viele Jahre sorgten die Vorkommnisse in und um das Buswartehäuschen am Michel-Reineke-Platz für Gesprächsstoff in der Bevölkerung.

Reisende mussten häufig im strömendem Regen auf den Bus warten, weil sie sich nicht in die Unterstellmöglichkeiten trauten. "Schmuddelecke" oder "Alki-Treff" waren noch die schmeichelhaftesten Bezeichnungen für den Treffpunkt in der Trierer Straße. Von dort wurde die Klientel mehr und mehr verdrängt. Neues Ziel Bahnhofstraße, zwischen einem Discounter und einem Supermarkt, wo "Nachschub" kein Problem ist. Dort hat sich die Situation so entwickelt, dass auch der Dauner Polizeichef sagt: "Es muss was passieren."

Franziska Koch fühlt sich "in dieser Situation…allein gelassen und wir wissen so langsam nicht mehr, wie wir uns noch helfen sollen. Denn es ist eine Situation, in der dringender Handlungsbedarf besteht."

Das sagt die Stadt: "Die derzeitigen Zustände in der Bahnhofstrasse sind nicht nur für Anwohner und Passanten ein großes Ärgernis, sie stellen auch für Stadtrat und mich ein großes Problem dar, das dringend gelöst werden muss", sagt Stadtbürgermeister Martin Robrecht. Den Vorschlag, die Bank zu entfernen, hält er nicht für die Lösung, da "sich das Problem dann auf eine andere Bank verlagert und in letzter Konsequenz gegebenenfalls alle Bänke in der Innenstadt betroffen sein könnten."

Seine Hoffnung, durch mehr Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt den Bereich "für die betreffende Klientel unattraktiv zu machen, konnte bisher leider nicht erreicht werden. Im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, es wird, vielleicht auch durch die gute Witterung bedingt, schlimmer." Nun sei vereinbart worden, dass sich Stadt, Ordnungsamt und Polizei am Donnerstag treffen. "um nach weiteren rechtlichen Möglichkeiten zu suchen, gegebenenfalls auch die bestehenden Verordnungen so anzupassen, dass gegen den Personenkreis, der Ursache des Problems ist, effektiver als bisher vorgegangen werden kann."

Das sagt die Verbandsgemeindeverwaltung: Für Ewald Adams, Leiter des Ordnungsamts der Verbandsgemeindeverwaltung Daun, sind die Beschwerden aus der Bevölkerung "nachvollziehbar und verständlich. Wir nehmen sie sehr ernst und bleiben im Rahmen unserer rechtlichen und personellen Möglichkeiten und in Abstimmung mit Stadt und Polizei tätig."

Er weist aber auch darauf hin, dass "nicht jedes atypische Verhalten einen Rechtsverstoß darstellt und gesellschaftliche Entwicklungen nicht in jedem Fall mit Mitteln des Ordnungsrechts beeinflusst werden können. Das Polizei- und Ordnungsbehördengesetz stellt hohe Anforderungen, wenn es um Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht der Menschen geht."KommentarMeinung

Weg mit der Komfortzone
Man darf gespannt sein, was beim Treffen von Stadt, Ordnungsamt und Polizei rauskommt. Das Patentrezept, mit dem alle Probleme auf einen Schlag gelöst sind, sicher nicht. Denn die Erfahrung lehrt: Wird ein Brennpunkt beseitigt, entsteht ein neuer. Und trotzdem: Es muss alles getan werden, damit sich der Aufenthalt in der Bahnhofstraße nicht wie eine Komfortzone anfühlt. Das geht nur über kontinuierlichem Druck von Polizei und Ordnungsamt. So viel Präsenz wie möglich und wenn es geht, gemeinsam. s.sartoris@volksfreund.de

 Auch wenn der städtische Bauhof viele der Hinterlassenschaften entsorgt hat, finden sich dort immer noch beispielsweise kleine Schnapsflaschen. Auch jede Menge Zigarrettenkippen „zieren“ den Bereich rund um die Bank in der Bahnhofstraße. TV-Fotos (2): Stephan Sartoris
Auch wenn der städtische Bauhof viele der Hinterlassenschaften entsorgt hat, finden sich dort immer noch beispielsweise kleine Schnapsflaschen. Auch jede Menge Zigarrettenkippen „zieren“ den Bereich rund um die Bank in der Bahnhofstraße. TV-Fotos (2): Stephan Sartoris FOTO: (e_daun )