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Bernd, der Baumeister: 75 Jahre alter Dauner baut in Gillenfeld ein Strohballenhaus

Daumen hoch: Bernd Hein ist froh darüber, dass sein Strohballenhaus so gut wie fertig ist. TV-Foto: Florian Schlecht
Daumen hoch: Bernd Hein ist froh darüber, dass sein Strohballenhaus so gut wie fertig ist. TV-Foto: Florian Schlecht
Gillenfeld/Daun. Ein Hauch von Nebraska weht durch die Vulkaneifel. Wegen eines besonderen Hauses, das Bernd Hein in Gillenfeld gebaut hat. Wie beim Vorbild aus den USA ist es aus Stroh und Lehm. Ostern soll das Gebäude fertig sein, das für den 75-jährigen Baumeister eine Lebensaufgabe ist. Florian Schlecht

Gillenfeld/Daun. Über eine Energiekrise kann Bernd Hein nur lachen. Wird es in der Vulkaneifel frostig, dann verzichtet der 75-Jährige auf Gas aus Russland und auf Öl aus Saudi-Arabien. Das Strohballenhaus, das der Dauner oberhalb des Pulvermaars in Gillenfeld gebaut hat, benötigt weniger, um warm zu werden. Viel weniger, wie Hein verrät. "Der Schornsteinfeger sagte mir, dass ich hier mit einer Badehose herumlaufen könnte, wenn ich einen Ofen aufstelle. Er riet mir, einfach sechs Kerzen anzuzünden. Das reicht."
Der Rentner mit dem weißen Bart steht vor dem Gebäude - und staunt, wie es Wärme speichern kann. Die Fassade des Hauses ist rot gestrichen, innen der Fußboden mit Lärchenholz ausgelegt. Und überall erinnern Spuren aus Stroh daran, aus was das Haus besteht, das für Hein eine Herzensangelegenheit ist.
Monatelange Arbeit liegen hinter ihm und den Handwerkern. Gut 180 000 Euro flossen in den Bau, den größten Teil davon zahlte er aus eigener Tasche (siehe Extra). Oft übernachtete Hein in seinem Wohnmobil auf dem Grundstück, um alles im Blick zu behalten.
Geht es nach dem Baumeister, ziehen in den Osterferien bereits die ersten Urlaubsgäste in das Strohballenhaus ein. Und erleben so einen Hauch von Nebraska in der Vulkaneifel, wie Hein meint. Denn die Menschen im Süden der USA bauten bereits vor mehr als 100 Jahren Häuser aus Stroh. Sie waren kaum von Wald umgeben - aber von vielen Feldern. "Und die Häuser stehen immer noch", sagt der Dauner.
Das soll erst recht für das Gebäude in Gillenfeld gelten. Dort sind die Strohballen ebenfalls die Grundlage des Hauses. Sie sind 1,25 Meter breit und mit einer Hochdruckpresse so verarbeitet, dass sie fest verklebt sind und nicht auseinanderfallen. Arbeiter verputzten das Stroh mit einer dicken Lehmschicht. "Ich würde immer wieder so bauen", erzählt Hein.
Bedenken, ein Strohhaus könnte schnell einem Feuer zum Opfer fallen, schiebt er mit einer Geschichte aus Österreich beiseite. "Dort hat man mal mit einem Flammenwerfer auf ein solches Haus draufgehalten. 120 Minuten passierte gar nichts. Ein normales Haus wäre da schon längst verbrannt."
Nur einmal, gesteht Hein, habe er um seinen Traum vom Strohballenhaus wirklich zittern müssen. Nicht wegen Feuer, sondern wegen Wasser. Im Sommer sei mal ein schlimmes Wettertief über die Region gezogen. Es sollte aus Kübeln schütten, und auf dem Grundstück in Gillenfeld lag schon das Stroh. Ungeschützt. Ein Ballen zu unhandlichen 320 Kilo. "Zum Glück zogen die dunklen Wolken an uns vorbei. Sonst hätten wir ziemlich blöd ausgesehen", sagt der Baumeister, grinst und schaut gerüht auf das Lebenswerk. Eins, mit dem er in naher Zukunft noch ein ganz privates Ziel verbindet. "Ich will meinem Enkelchen irgendwann zeigen, was der Opa hier so gemacht hat."Extra

Ohne die Kosten für das Grundstück beziffert Baumeister Bernd Hein den Preis für das Strohballenhaus, das einzige im Kreis Vulkaneifel, auf gut 180 000 Euro. Den größten Teil davon übernimmt er. Unterstützung von rund 30 Prozent erhält er von der Lokalen Arbeitsgruppe Vulkaneifel (LAG), die den Kreis Vulkaneifel sowie Teile der Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell umfasst. Die LAG hat Mitglieder aus unterschiedlichsten Bereichen wie Verwaltung, Tourismus oder Naturschutz, die bewerten und entscheiden, welche Projekte als förderungswürdig für die Region angesehen werden. Die Zuschüsse kommen aus einem europäischen Fördertopf - dem sogenannten Leader-Programm, mit dem die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert wird. flor

Die Wände sind aus Stroh, das später mit Lehm verputzt wird. Foto: privat
Die Wände sind aus Stroh, das später mit Lehm verputzt wird. Foto: privat