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Betriebsrat und Chefs beschließen Sozialplan

Jetzt geht es um den Standort: Die Dura-Beschäftigen hoffen, dass das Werk in Daun-Rengen eine Zukunft hat. TV-Foto: Ulrike Löhnertz
Jetzt geht es um den Standort: Die Dura-Beschäftigen hoffen, dass das Werk in Daun-Rengen eine Zukunft hat. TV-Foto: Ulrike Löhnertz
Beim Dauner Automobilzulieferer Dura muss mehr als ein Viertel der Mitarbeiter gehen (der TV berichtete). Dies haben nun auch die Geschäftsführung und der Betriebsrat bestätigt. Beide Seiten haben einen Sozialplan abgeschlossen. Von unserer Redakteurin Ulrike Löhnertz

Daun. "Der Betriebsrat und die Mitarbeiter werden in Zusammenarbeit mit der IG Metall weiter für unseren Standort kämpfen": So entschlossen gibt sich der Betriebsrat des Dauner Dura-Werks. Gerade hat man sich mit der Konzernspitze in einem Interessenausgleich und Sozialplan nach "harten Verhandlungen" darauf geeinigt, dass etwa 70 - in Äußerungen der Geschäftsführung heißt es "bis zu 70" - der mehr als 300 Vollzeitarbeitsplätze im Werk des Automobilzulieferers in Daun-Rengen wegfallen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter im Montage- und Versandbereich für Autoteile. Unangetastet bleibt die Industriesparte des Unternehmens, die unter anderem Landmaschinenfirmen beliefert.

Man will das retten, was zu retten ist. Zwar sieht der Betriebsrat den Standort mittelfristig nicht in Gefahr, doch wisse man nicht, "was in zwei bis drei Jahren auf uns zukommt", sagt ein Betriebsratsmitglied. Schließlich habe die Dura keinem Standortsicherungsvertrag zugestimmt. Gleichwohl sieht die Geschäftsführung nun "die Grundlage für eine zukunftsfähige Fortführung des Werkes unter Berücksichtigung aller Interessen gegeben".

Immerhin: Der Betriebsrat hat laut eigenen Angaben zusammen mit der Gewerkschaft IG Metall verhindert, dass noch mehr Mitarbeiter gehen müssen. Denn zunächst, so der Betriebsrat, wollte sich der Konzern mit weltweit rund 10 000 Mitarbeitern und Sitz in den USA von 84 Arbeitnehmern in Daun trennen. Zudem habe man, so der Betriebsrat, bewirkt, dass die Abfindungen höher ausfallen als zunächst von Dura vorgesehen.

Der aktuelle Stellenabbau kommt für viele nicht überraschend. Laut Betriebsrat mussten seit 2008 etwa 22 Leiharbeiter das Unternehmen verlassen.

Zudem habe sich das Stammpersonal seit 2008 durch Fluktuation um etwa 25 Mitarbeiter reduziert.

Grund der Entlassungen ist laut Geschäftsleitung "der erhebliche Umsatzrückgang im Dura Werk in Daun seit 2008", deutlich geringere Umsatzerwartungen für die Jahre 2011 und danach sowie der Verlust von Aufträgen. Das Werk könne nur wirtschaftlich fortgeführt werden, wenn Mitarbeiter entlassen "und die Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden".

Das offenbarte die Geschäftsführung dem Betriebsrat und der Belegschaft schon im März 2010 und gewährte dem Betriebsrat Einsicht in Unterlagen, die den Einbruch der Aufträge belegten. Dennoch wollte sich die Mitarbeitervertretung mit den geplanten Entlassungen nicht abfinden.

Während vom Konzern aus Sicht des Werkleiters Robert Rey alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, um die Arbeitsplätze zu erhalten, sieht das Michael Cramer von der IG Metall anders. "Da gab es nichts zu retten." Auch Vorschläge zur Arbeitszeitreduzierung, um Stellen zu sichern, seien abgelehnt worden. Ein Betriebsrat formuliert es so: "Wenn Entscheidungen nicht mehr vor Ort getroffen werden, dann ist der Einfluss gering." Extra Das Dauner Dura-Werk ist mit derzeit mehr als 300 Mitarbeitern spezialisiert auf Schalt- und Wählbetätigungen für Getriebe für fast alle europäischen Automobilhersteller. Zudem werden Kunststoffteile für Autos hergestellt. Außerdem bedient das Werk in Daun Kunden aus der Industrie mit Schaltungen für Traktoren und Lastwagen, Fernbetätigungen, Seilzügen oder Bremsseilen. Die Dura Automotive Systems sind ein weltweit agierender Zulieferer und Entwicklungspartner der Automobilindustrie mit rund 10 000 Mitarbeitern in 16 Ländern und 33 Werken. (utz)