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Burgherr erfüllt sich Kindheitstraum

Dreis-Brück. Dreis hat einen neuen Burgherrn gesucht - und ihn gefunden: Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz hat das Anwesen erworben und auf Vordermann gebracht. Die Gemeinde ist stolz auf ihr neues Schmuckstück. Marie-Cathérine Fromm

Dreis-Brück. Eine Burg zu besitzen, war schon sein Kindheitstraum. Dass dieser Wunsch eines Tages tatsächlich in Erfüllung gehen würde, daran hat Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz eigentlich nicht geglaubt. "Solange ich denken kann, wollte ich immer Burgen und Museen besichtigen", erzählt der 49-Jährige. Den passenden Namen für einen Burgherrn hat er in jedem Fall.
Zur Burg Dreis kam der Malermeister aus Erndtebrück in Nordrhein-Westfalen durch "einen dummen Zufall". Bei einer Spritztour durch die Eifel entdeckte er das leerstehende Anwesen an der Bundesstraße 421 und biss sich am Objekt fest. Die Burg war zu haben, Hoffmann von Guretzky-Cornitz griff zu. "Das war kurz entschlossen, aber ich habe es nie bereut."
Wappen vor der Haustür


Seit etwa zehn Jahren standen die 330 Quadratmeter Wohnraum leer, der Vorbesitzer hatte das Anwesen Anfang 2012 verkauft. Im Januar startete der neue Burgherr mit der Renovierung, die er zu einem großen Teil an Wochenenden in Eigenleistung stemmt. Auch die Außenanlage plant und gestaltet er selbst, inklusive Familienwappen vor der Haustür. Den Rest vergibt er an ortsansässige Firmen.
Auch das Mobiliar in den fünf Stockwerken der Renaissance-Burg ist handverlesen. Möbel aus den Stilepochen Biedermeier, Gründerzeit und Barock stellt Hoffmann von Guretzky-Cornitz aus Fundstücken zusammen, die er in Antiquitätenläden und auf Märkten aufspürt. "Ich bin ein nostalgisch veranlagter Mensch. Dinge haben für mich eine Geschichte." Sein Quartier hat er im zweiten Stock aufgeschlagen. Auf der dritten und vierten Etage sind Gästewohnungen eingerichtet, die man mieten kann, genauso wie einen Saal im ersten Stock.
Waffeln von den Nachbarn


Der neue Burgherr schottet sich nicht hinter seinen Mauern ab, sondern legt Wert darauf, ein Teil der Gemeinde zu sein. "Ich bin lieber im Ortskern als abgelegen auf einem Berg." Und die Nachbarschaft empfängt ihn mit offenen Armen: "Sie sind sehr nett und achten auf alles, backen mir Kuchen und Waffeln." Das bestätigt Ortsbürgermeister Michael Jax: "Wenn Städter in die Eifel kommen, ziehen sie gleich einen Zaun um ihr Anwesen - er macht das Gegenteil und geht offen mit Besuchern um. Wir sind froh, dass wieder Leben in der Burg herrscht."
Für das Ortsbild von Dreis sei die renovierte Burg, die nachts angestrahlt wird, ein echter Gewinn: "Das sieht fantastisch aus und ist ein Alleinstellungsmerkmal für uns", sagt Jax.
Nach der Renovierung der Wohnburg plant Hoffmann von Guretzky-Cornitz, das Nebengebäude auf Vordermann bringen, das zum 2200 Quadratmeter großen Grundstück gehört. Wie viel er für das Areal gezahlt hat, will er nicht verraten. Für 540 000 Euro wurde die Immobilie damals zum Verkauf angeboten. Fest steht, dass die Burg wohl so schnell nicht wieder ihren Besitzer wechseln wird: "Ich fühle mich hier pudelwohl!"
Extra

Die Dreiser Burg wird erstmals1579 erwähnt. Das Gebäude wird in einer Belehnungsurkunde als Amtshaus des Schultheißen Jacob Demeradt und seiner Frau Maria, einer unehelichen Tochter des Grafen von Manderscheid, ausgewiesen. In den folgenden Jahrhunderten sind Angehörige der Familien Fischer und Stoll die berechtigten Lehensträger. Im Verlauf weiterer Verzweigungen kommen die Familien Müller und Knorr hinzu. 1975 verkaufen die Schwestern Mathilde Eulenberg und Brigitte Leclaire (aus der Knorr-Linie) die Burg. Danach wechselt sie mehrfach den Besitzer, zuletzt 1995 an Dieter Schewe, der nach eigenen Angaben 1,4 Millionen D-Mark für Burg und umfangreiche Restaurierungen im Innen- und Außenbereich zahlt. Vor der Restaurierung besaß die Burg keine Ecktürmchen und hatte einen viel niedrigeren Treppenturm. Quelle: Dorfchronik Dreis-Brück