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"Dann haben sie wenigstens was zum Kuscheln"

"Ich hab' sowieso so viele Spielsachen": Die Uersfelder Kinder vor ihrem Spendenberg.Foto: Brigitte Bettscheider
"Ich hab' sowieso so viele Spielsachen": Die Uersfelder Kinder vor ihrem Spendenberg.Foto: Brigitte Bettscheider
UERSFELD. (bb) Die Uersfelder Kindergartenkinder haben in den vergangenen Wochen Hunderte von Spielsachen von zu Hause mitgebracht und sie unter den Tannenbaum in der Eingangshalle gelegt. Nun holten Soldaten aus Mayen die Sachen ab, um sie ihrer Einheit in Afghanistan zur direkten Weitergabe an arme Kinder zukommen zu lassen.

"Ich hab' sowieso viel zu viele Spielsachen", sagt der fünfjährige Leon Drieling aus Uersfeld. Sein Blick gleitet suchend über den Berg von Plüschtieren, Puppen, Spielen und Büchern. Dann entdeckt er seine Spenden: mehrere Stoff- und Plüschtiere, ein Memory und ein Farbkasten. Gleich werden sein Vater Thomas Drieling und ein weiterer Soldat mit einem Dienstwagen von dem in Mayen stationierten "Zentrum für operative Information" kommen und die ganzen Spielsachen aufladen. Leons Mutter Anja Drieling und Gabi Schend sind an diesem Vormittag auch im Kindergarten anzutreffen. Die beiden Frauen sind Mitglieder des Elternbeirats und hatten in einer Sitzung im Oktober die Idee zu der Hilfsaktion. Alle Eltern wurden informiert, und seit Anfang Dezember bot sich für die Kindergartenleiterin Marlene May und ihre Mitarbeiterinnen Morgen für Morgen das gleiche Bild. "Die Kinder kamen schwer bepackt hier an und legten die Spielsachen unter den Tannenbaum in der Eingangshalle", erzählt May. Plüschtiere sind offensichtlich der Renner. "Dann haben die armen Kinder wenigstens was zum Kuscheln", hätten die Kindergartenkinder immer wieder erklärt. Die fünfjährige Michelle Gerhards aus Retterath hat sich von zwei Teddybären getrennt. "Ich will anderen Kindern, die nichts zum Spielen haben, eine Freude machen", erzählt sie. Die sechsjährige Michelle Lehnen aus Kaperich hat sich von einem Plüschelefanten, einem Clown und noch ein paar anderen Sachen getrennt. "Ich hab aber immer noch genug zum Spielen", sagt sie. Die gespendeten Spielsachen werden per Dienstpost von Uersfeld über Mayen nach Afghanistan geschickt. Dort werden sie von deutschen Soldaten persönlich verteilt - in Kindergärten, Schulen und Familien. "Oder direkt auf der Straße", vermutet Anja Drieling. Die Hilfsaktion des Uersfelder Kindergartens hat noch eine andere Dimension. "Wir wollen nicht nur etwas für Kinder in der Ferne tun, sondern außerdem die Familien von zwei behinderten Kindern aus unserem Einzugsgebiet unterstützen", berichtet die Kindergartenleiterin. Dazu steht in ihrem Büro eine Sammelbüchse. Und wenn die Weihnachtsferien beginnen, wird das Geld aufgeteilt und den beiden Familien zur Anschaffung von Hilfsmitteln, die nicht von der Krankenkasse getragen werden, überreicht.