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Medizin
Wenn die Kaffeetasse im OP bleibt, kommt der Chefarzt auch wieder

Blumen von Krankenhaus-Geschäftsführer Franz-Josef Jax (Dritter von links) zum Abschied für Chefarzt Alfred Kuckartz (Dritter von rechts) sowie zur Begrüßung seiner Nachfolger Wilhelm Bruss (links) und Michael Pfeiffer (Zweiter von links) sowie von Michael Dederer (rechts) und Hanno Wilhelm Verheggen (Zweiter von rechts) als die neuen Chefärzte der Abteilung Innere Medizin.
Blumen von Krankenhaus-Geschäftsführer Franz-Josef Jax (Dritter von links) zum Abschied für Chefarzt Alfred Kuckartz (Dritter von rechts) sowie zur Begrüßung seiner Nachfolger Wilhelm Bruss (links) und Michael Pfeiffer (Zweiter von links) sowie von Michael Dederer (rechts) und Hanno Wilhelm Verheggen (Zweiter von rechts) als die neuen Chefärzte der Abteilung Innere Medizin. FOTO: Brigitte Bettscheider
Daun. Das Maria-Hilf-Krankenhaus Daun hat vier neue Chefärzte vorgestellt – und Alfred Kuckartz in den Ruhestand verabschiedet. Sein Becher bleibt aber in der Klinik.

Sie ist blau, hat weiße Punkte und schon ein paar Macken, und der Aufdruck „Alfred“ macht sie unverwechselbar. Von der Kaffeetasse des bisherigen Chefarztes Alfred Kuckartz ist die Rede. Der Krankenhaus-Geschäftsführer Franz-Josef Jax hatte sie für die Verabschiedung des Mediziners aus dem OP geholt; denn dort hat sie ihren festen Platz. „Und dort bleibt sie auch“, sagte Jax mit dem Hinweis darauf, dass Kuckartz sich bereit erklärt habe, vertretungsweise und unterstützend an sein Krankenhaus zurückzukehren. Eine Ansage, die umgehend freudige Zwischenrufe und Applaus auslöste. Ebenso wie Jax’ Resümee, dass der Chefarzt „mit großem Engagement, großem Erfolg und enormem Fleiß“ gewirkt habe.

Den beruflichen Weg von Alfred Kuckartz skizzierte (auf Wunsch des Ruheständlers kurz und knapp) sein Nachfolger als Ärztlicher Direktor, der Chefarzt Sebastian Fürderer. Den aus Düren stammenden Mediziner habe es  nach Tätigkeiten in Trier und Detmold 1996 nach Daun verschlagen. „Doktor Kuckartz kann noch alles“, bemerkte Fürderer mit Blick auf die seinerzeit noch übliche generelle Ausbildung eines Chirurgen von Kopf bis Fuß. „So war er eine Idealbesetzung für unser Haus“, erklärte er.

 In seiner  humorvollen Art streute Kuckartz in seine Abschiedsrede Sätze ein wie „Ich will Sie nicht lange quälen“, „Ich könnte viel erzählen, lass’ es aber sein“ und „Ich danke meiner Frau, die das ganze Elend mitgemacht hat.“ Er schlug auch durchaus kritische Töne an. Kritisierte die Ökonomisierung des Gesundheitssystems und sagte: „Was die Politik nicht geschafft hat, hat die auf Zahlen ausgerichtete Neuorientierung der Medizin geschafft, nämlich dass sich eine brutale Konkurrenz zwischen Krankenhäusern, Abteilungen und Mitarbeitern entwickelt hat und dass ganze Krankenhäuser oder einzelne Abteilungen geschlossen werden mussten.“

Dass das Maria-Hilf-Krankenhaus überlebt habe und sogar aufgeblüht sei, sei das Verdienst einer großen Gemeinschaft aller Beteiligten. Den Ärzten und dem Pflegepersonal wünschte der langjährige Chefarzt, dass sie ihre Freude und ihr Interesse an ihrem Beruf behalten. Den Katharinenschwestern als Trägerorden dankte er „für die unschätzbare sichtbare und unsichtbare Begleitung.“

  Alfred Kuckartz ist 67 Jahre alt und wohnt in Üdersdorf. Er ist Vater von vier Kindern. „Ein Familienmensch und Alleskönner, der das ländliche Leben liebt“, so brachte Jax’ Stellvertreter Günter Leyendecker die private Seite des langjährigen Chefarztes auf den Punkt.

   Auf Alfred Kuckartz folgt eine doppelte Besetzung: Neue Chefärzte ab dem 1. April sind Wilhelm Bruss (50) und Michael Pfeiffer (54). Bruss war bisher Leitender Oberarzt am Wittlicher Krankenhaus, nun hat er die Gesamtleitung Chirurgie und die Leitung des Bereichs Viszeralchirurgie. Pfeiffer war bisher Leitender Oberarzt am Dauner Krankenhaus und übernimmt den Bereich Unfallchirurgie mit Zulassung für das Durchgangsarzt- und Schwerverletztenverfahren.

  Die Chefarztstelle „Innere Medizin“ von Professor Thomas Marth haben mit Michael Dederer (57) und Hanno Wilhelm Verheggen (52) ebenfalls zwei Mediziner übernommen. Chefarzt Dederer leitet den Bereich Gastroenterologie, Chefarzt Verheggen ist Klinikleiter „Innere“ mit Zusatzbereich Kardiologie. „Kein Problem“, sagte Franz-Josef Jax dem Trierischen Volksfreund auf die Frage nach der Besetzung neuer Leitungsstellen. Allein auf die Chefarztstellen Chirurgie hätten etwa 20 Bewerbungen vorgelegen. Schließlich sei es eine Kopf-an-Kopf-Entscheidung gewesen.