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Der Ehrenoberst und die Standortsicherung

Arbeitsplatz für 1100 Soldaten und Zivilbeschäftigte: die Dauner Kaserne. Foto: Bundeswehr
Arbeitsplatz für 1100 Soldaten und Zivilbeschäftigte: die Dauner Kaserne. Foto: Bundeswehr
Daun. Bleibt Daun weiter Standort einer Kaserne? Diese Frage wird am 26. Oktober beantwortet. Verteidigungsminister Thomas de Maizière verkündet dann, welche der bundesweit etwa 400 Standorte erhalten bleiben. Stephan Sartoris

Daun. "Der Bundeswehrstandort Daun bleibt erhalten": Das war die Überschrift eines Artikels, der im Dezember 1993 im Trierischen Volksfreund (TV) erschien. Ob die Überschrift 18 Jahre später, Ende Oktober 2011, wieder verwendet werden kann, kann derzeit noch niemand verbindlich sagen. Außer vielleicht Thomas de Maizière: Der Verteidigungsminister wird aber erst am 26. Oktober verkünden, was mit den bundesweit etwa 400 Bundeswehrstandorten passiert und damit auch, ob die Heinrich-Hertz-Kaserne in der Kreisstadt eine Zukunft hat. Klar ist: Es wird Standortschließungen geben, denn die Zahl der Soldaten wird von derzeit 220 000 auf rund 170 000 und die der Zivilbeschäftigten von 76 000 auf 55 000 reduziert.
Seit fast 50 Jahren ist Daun Bundeswehrstandort. 1965 wurden ein Fernmeldebataillon und eine Ausbildungskompanie von Bergisch-Gladbach in die Vulkaneifel verlegt. Ein Umzug, von dem Daun stark profitierte: Die Bundeswehr bot (und bietet immer noch) neben den militärischen auch viele zivile Arbeitsplätze, die Einwohnerzahl stieg von knapp über 5383 (1962) auf knapp 6700 (1967).
Die Bundeswehr gehört längst zu Daun, aber diese Präsenz ist nicht selbstverständlich. Mitte 1993 wurden Pläne aus dem Verteidigungsministerium öffentlich, die den Fortbestand des Standorts Daun infrage stellten. In der Kreisstadt war man sich - parteiübergreifend - einig: Eine Auflösung der Kaserne würde dramatische Auswirkungen haben. Aber wie die drohende Schließung verhindern? Der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun, Adolf Waldorf, machte sich gleich daran, in Kontakt zu maßgeblichen Leuten im Bundesverteidigungsministerium zu kommen, um für den Fortbestand der Heinrich-Hertz-Kaserne zu werben. "Obwohl es nicht einfach war, ins Gespräch zu kommen, war ich sehr hartnäckig", erinnert sich Waldorf, der 20 Jahre (von 1974 bis 1994) an der Spitze der VG-Verwaltung stand.
Engagement gewürdigt


Aber auch die Bevölkerung war nicht untätig: Mehr als 4000 Unterschriften wurden für den Erhalt der Standorts gesammelt. Waldorf: "Viele haben geholfen, und am Ende wurde es geschafft: Daun blieb Bundeswehrstandort." Sein Engagement wurde dabei besonders gewürdigt: Er wurde zum Ehrenoberst ernannt.
Auch der damalige Stadtbürgermeister Heinz Mengelkoch erinnert sich gut an die Diskussionen um den Standort. Er war erst einige Monate im Amt (seit April 1993), als im Dezember verkündet wurde, dass die Bundeswehr in Daun bleibt. "Die Erleichterung war natürlich groß, als die Nachricht kam. Ich habe mich als Stadtbürgermeister mit Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bundeswehr für die Stadt gefreut, aber vor allem auch für die Soldaten und Zivilbeschäftigten und deren Angehörige, die in der Eifel bleiben konnten." Wird es auch diesmal für Daun ein Happy End geben? Adolf Waldorf: "Es gibt keine Garantie, aber vom Gefühl her würde ich sagen, dass Daun gute Voraussetzungen hat, weiter Bundeswehrstandort zu bleiben. Hier wird ja mittlerweile nicht mehr nur für das Heer, sondern auch für Luftwaffe und Marine gearbeitet. Das sehe ich als großen Vorteil an." In der Heinrich-Hertz-Kaserne in Daun, Heimat des Fernmeldebereichs 93 und des ihm unterstellten Fernmeldeabschnitts 931, arbeiten rund 1100 Soldaten und Zivilisten. Darüber hinaus sind rund 200 Dienstposten nicht besetzt. Aufgabe der Dauner Fernmeldeeinheit ist es, weltweit Nachrichten und Daten zu erfassen und auszuwerten, um mögliche Gefahren für die Bundeswehr rechtzeitig erkennen und melden zu können. Die Erkenntnisse aus der Arbeit dienen vor allem dem Schutz der Soldaten in Auslandseinsätzen wie in Afghanistan und Bosnien. sts