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"Der Minister kriegt nichts"

Will noch lange nicht vernünftig werden: Bundeswehr-Oberjeck Klaus Sohns. TV -Archiv/Foto: Mario Hübner
Will noch lange nicht vernünftig werden: Bundeswehr-Oberjeck Klaus Sohns. TV -Archiv/Foto: Mario Hübner
GEROLSTEIN. Seit 30 Jahren veranstalten die Gerolsteiner Fernmelder ihren "Tanz auf windiger Höhe" - mit ungebrochenem Erfolg. An diesem Wochenende war es wieder soweit. Und es kamen mehr Narren als je zuvor: 1500. Der TV sprach mit dem Chef-Organisator und Präsidenten der Gerolsteiner Bundeswehr-Jecken, den Rotjacken: Oberstabsfeldwebel Klaus Sohns (52).

Herr Sohns, 20 Minuten anstehen, bis man in den eh schon proppenvollen Saal kam, um 1 Uhr keine Schnäpschen mehr und dann Party bis zum Morgen. Haben Sie so etwas schon mal erlebt? Sohns: Nein. Man muss schon sagen, dass wir überrannt worden sind. 1500 Gäste - das war noch ne Ecke mehr als im vergangenen Jahr. Und vor allem: Die Leute kamen schon zwei Stunden früher als sonst. Ergo ist uns auch so manches Getränk zwei Stunden früher ausgegangen. Und dass, obwohl wir reichlich Reserven gebildet hatten. Dennoch haben einige - wie üblich - lange ausgehalten. Um 6 Uhr haben wir die letzten Gäste aus der Sektbar "abführen" müssen. Wie erklären Sie sich den ungebrochenen Erfolg der Traditionsveranstaltung? Sohns: Erstens war glücklicherweise an dem Wochenende keine andere Veranstaltung weit und breit, die uns weh getan hat. Zweitens ist mittlerweile weithin bekannt, dass es bei uns heftig abgeht. Drittens waren diesmal viele Gäste aus dem Kreis Euskirchen, wo auch unsere Band herkommt, die viel geworben hat. Und viertens ist bekannt, dass wir zivile Preise haben. Bei so einem guten Geschäft stellt sich die Frage: Was machen Sie mit all dem Geld? Wird das womöglich in die Umstrukturierung der Bundeswehr investiert? Sohns: Die könnten wir zwar damit locker bezahlen, aber dennoch: Der Minister kriegt nichts von mir. Schließlich müssen wir davon noch all unsere Orden, die Miete für unseren Rosenmontags-Wagen sowie die Versicherungen und das Wurfmaterial bezahlen. Wir kriegen das schon locker ausgegeben. Mal im Ernst: Bund und es bunt treiben. Das passt doch nicht zusammen, oder? Sohns: Na ja, ich denke wir beweisen seit über einem Vierteljahrhundert das Gegenteil. Lassen Sie es uns doch auch einmal bunt treiben, dann kann man auch die Vorgesetzten besser ertragen. Und im Übrigen: Wir treiben es zwar bunt, aber nicht zu bunt. Und Sie, Herr Sohns? Angesichts der Tatsache, dass Sie in diesem Jahr pensioniert werden und dies somit nicht nur Ihre zehnte, sondern auch letzte Session als Elferratspräsident der Rotjacken ist: Ist zu erwarten, dass Sie nun vernünftig werden? Sohns: Das würde ich so nicht sagen, schließlich mache ich ja im Elferrat weiter. Eben nur nicht mehr an dessen Spitze. Und bekanntlich lässt es sich im Hintergrund noch bunter treiben. Wird die Veranstaltung demnach auch nach ihrem Rückzug weitergeführt? Sohns: Selbstverständlich. Zwar werden wir überlegen müssen, wie wir den Besucherandrang besser in den Griff bekommen. Aber klar ist: Der Tanz auf windiger Höhe wird weiterhin auf windiger Höhe - also in der Eifelkaserne - veranstaltet werden. Und die Rotjacken werden auch weiterhin fester Bestandteil des Gerolsteiner Karnevals sein. Wer übernimmt denn künftig den Elferrats-Vorsitz? Sohns: Mein Nachfolger ist bereits ausgeguckt, er muss nur noch offiziell zustimmen. Es ist auch der Nachfolger auf meinem regulären Dienstposten: Michael Wesser. Das Interview führte unser Redakteur Mario Hübner