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Kultur
Die Sonne aus dem gelben Fleck gemacht

Gruppenbild mit jeder Menge kreativer Menschen: Bilder und Skulpturen von 59 Künstlern sind ausgestellt.
Gruppenbild mit jeder Menge kreativer Menschen: Bilder und Skulpturen von 59 Künstlern sind ausgestellt. FOTO: TV / Siegfried Czernohorsky
Daun. Bei der Ausstellung „KunstRegional 2018“ in der Niederlassung der Volksbank RheinAhrEifel in Daun werden 84 Bilder und Skulpturen von 59 Amateurkünstlern gezeigt. Von Angelika Koch

Statt einer kunsthistorischen Einordnung gab es zur Vernissage Aphorismen aus der Welt der Kunst. Und so wurde Picasso mit der Einsicht zitiert, dass manch ein Maler aus der Sonne einen gelben Fleck macht…, aber andere aus einem gelben Fleck die Sonne entstehen lassen.

Wer die Ausstellung „KunstRegional“ mit Muße betrachtet und nicht nur als Bankkunde vorbeigeht, der findet dieses verzaubernde Können zum Beispiel in den farbenprächtigen abstrakten Gemälden der Bitburger Malerin Suren Aurora oder in einer malerischen Impression von Karl-Heinz Schmitz mit dem Titel „Frühsommer“: In lichtes Grün getaucht erheben sich zarte Bäume, beinahe tastend und in spürbarer Vorfreude auf das, was kommt.

Die Palette der Bilder und Skulpturen, welche die diesjährige „KunstRegional“ zeigt, ist enorm. Sie reicht von der massiv geschmiedeten, keramischen oder aus Holz gearbeiteten Skulptur über alle denkbaren Formen der Malerei bis hin zu zarten Bleistiftzeichnungen. Allen Exponaten gemeinsam ist, dass sie nicht von etablierten Profis stammen, sondern von Menschen, die sich als Amateure der Kunst widmen.

Manche Werke drücken ungebändigte Kraft aus, andere kommen eher zurückhaltend auf die Leinwand und wollen mit zweitem Blick erkundet werden. Das breit gefächerte Repertoire ist ein Beleg für die künstlerische Aktivität der Region, die diesmal von Köln bis Karlsruhe reicht und natürlich ihren Fokus in der Eifel hat. „Wir waren überwältigt von der Resonanz auf unsere offene Ausschreibung“, schilderte Roy Coppack, Vorsitzender des veranstaltenden Kulturkreises Daun jene rekordreifen 139 Objekte, die eingereicht wurden und die allesamt von der anonym bleibenden Jury bewertet werden mussten.

Coppack gab dem Publikum der Vernissage auch Nachdenkliches mit auf den Weg. „Ich sehe die Gefahr in unserer von Eindrücken überfluteten Gesellschaft, dass wir allmählich nicht mehr differenzieren können zwischen dem, was gut ist, was schlecht ist und was Mittelmaß ist. Das Mittelmaß reicht uns oft aus, es wird zu hoch geschätzt. Uns gehen so die Maßstäbe verloren.“

Darum lautete sein Appell an alle, die mit ihren mehr oder weniger ausgeprägten künstlerischen Talenten an die Öffentlichkeit gehen wollen: Nicht loslaufen, bevor man gehen gelernt hat. Die in der „KunstRegional“ versammelten Werke seien Ergebnisse jener, die bereit waren, sich zu schulen und Niveau zu bieten.

Hochkarätig war auch die musikalische Begleitung der Vernissage. Das Duo „Jazzy“ interpretierte Jazz-Klassiker, und wer angesichts der Virtuosität von Gesang und Keyboard aufhorchte, tat dies nicht ohne Grund.

Johnny und Gabriella, wie sich die beiden Profimusiker auch nennen, sind die Eltern des jungen Pianisten Enrico Noel Czmorek, der als kommender Star der internationalen Klassikmusikszene gilt und der vom Kulturkreis Daun entdeckt wurde. So verwies dessen Vorsitzender Roy Coppack auch auf ein weiteres Highlight im Jubiläumsjahr des 1988 gegründeten Kulturkreises: Am Samstag, 20. Oktober, gastiert Enrico Noel Czmorek um 20 Uhr im Dauner Forum.