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Kunst
Die Welt der Ellen Welten

Ellen Welten - hier bei einem Bronzefohlen aus ihrem Atelier - freut sich über Besucher des Skulpturengartens in Büscheich-Niedereich
Ellen Welten - hier bei einem Bronzefohlen aus ihrem Atelier - freut sich über Besucher des Skulpturengartens in Büscheich-Niedereich FOTO: Brigitte Bettscheider
Eine Niederländerin hat in Niedereich bei Gerolstein einen Skulpturengarten angelegt. 25 Künstler sind mit mehr als 200 Kunstwerken beteiligt. Von Brigitte Bettscheider

Genau deshalb haben sie sich vor fünf Jahren für ein Leben in der Eifel entschieden, betont die Niederländerin Ellen Welten. Mit „deshalb“ meint die 62-jährige Kunstpädagogin und Künstlerin, Reiterin und Pferdehalterin die allein 10 000 Quadratmeter große Fläche, die sich unterhalb des weitläufigen Gebäudes mit Wohnung, Atelier, Ferienapartments und den Stallungen erstreckt. Der gesamte Grundbesitz ist noch weitaus größer.

Doch hier soll es um diese 10 000 Quadratmeter gehen. Ellen Welten hat sie im Frühjahr und Frühsommer dieses Jahres in einen Skulpturengarten verwandelt. Ende Juni war er eröffnet worden. Stadtbürgermeister Friedhelm Bongartz (Gerolstein) und Ortsvorsteher Oswald Weber (Büscheich) hatten der Neubürgerin und ihrer Familie ebenso die Ehre erwiesen wie Mitbürger, Freunde und etliche der zwei Dutzend Künstler, deren Werkstücke in dem Park zu sehen sind – mehr als 200 Skulpturen sind es insgesamt.

Zwei Monate sollte die Ausstellung ursprünglich dauern. Doch wegen der großen Resonanz und der Begeisterung der Besucher (von denen einige schon mehrfach kamen) ist Ellen Welten in die Verlängerung gegangen – bis Ende Oktober (siehe Info). So können sich nun weiterhin die Einheimischen und die Feriengäste, die Kunst- und Gartenfreunde auf dem Gelände tummeln.

Die Gelegenheit haben kürzlich beispielsweise auch zwölf Frauen aus Nohn genutzt, wie auch eine angemeldete Gruppe aus der Nähe von Prüm. Alle Gäste können zunächst das ganze Gelände von erhöhter Stelle aus in den Blick nehmen, bevor sie sich auf die Runde durch den Skulpturengarten machen, beginnend bei der farbenfrohen Frauenskulptur von Jenny Derksen (Niederlande) und am kleinen Kreisel verweilen, wo die Kyll aus geschmolzenen Sprudelflaschen dargestellt ist und es eine Lokomotive auf Gleisen zu sehen gibt. Letzteres ist ein Gemeinschaftswerk von Ellen Welten und Susann Stelling (Berlingen). Es folgt: die Torso-Allee.

Aus Marmor oder französischem Kalkstein, aus Bronze, Gips oder Glas haben Caroline Creutzer (Berlin), die Niederländer Wim Lemmens, Anita de Baaij und Wietske Welten sowie Cosmo Ombre (Lissendorf) die Statuen ohne Kopf und Gliedmaßen in jeweils eigener künstlerischer Sprache gestaltet.

Dieter Oberdorf (Dollendorf) ist mit abstrakten Skulpturen aus Bronze, Stein und Edelstahl vertreten, Winfried Scholz (Amsterdam) mit überdimensionalen Arbeiten aus Holz und einem großen, Wasser spuckenden kinetischen Objekt, Ulla Große Meininghaus (Ahrhütte) mit einer Lady in Holz und Beton.

Und immer wieder: Ellen Welten. Die Dame mit Flügeln, das Fohlen, das Pferd mit Reiterin, die Skulpturen „Hingabe“, „In sich gekehrt“ und „Balance“ gehören ebenso zu der Ausstellung wie Fuchs und Schwan und Eichhörnchen, allesamt in Bronze. „Er ist inzwischen über 80 und war mein Boss in 35 Jahren Kunstunterricht“, sagt sie und deutet auf die Keramiken von Koos Boermans.

Bleibt noch, auf die Werkstattgalerie mit Schmuck, Lampen und kleinen Skulpturen zu verweisen. Und auf die Botanik: alte Obstbäume und junge Weiden, mehr als 200 neu gepflanzte Rosen, ein Tulpenbaum, den Büscheich ihr zur Eröffnung stiftete. „Dieser Garten war mein Traum. Doch niemals hätte ich geglaubt, dass er so schön wird“, sagt Ellen Welten. Lachend ergänzt sie: „Und dieser Garten hält mich von morgens bis abends auf Trab.“

Eine Bronzeplastik von Ellen Welten
Eine Bronzeplastik von Ellen Welten FOTO: Brigitte Bettscheider
Ene der farbenfrohen Skulpturen von Jenny Derksen.
Ene der farbenfrohen Skulpturen von Jenny Derksen. FOTO: Brigitte Bettscheider