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"Die Welt kann nur so groß sein wie eure Träume"

Bei seinem Besuch an der Dauner Realschule rappt Thomas D (rechts) gemeinsam mit Musiklehrer Markus Kranz (links) und den Schülern der Klasse 10d. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Bei seinem Besuch an der Dauner Realschule rappt Thomas D (rechts) gemeinsam mit Musiklehrer Markus Kranz (links) und den Schülern der Klasse 10d. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Die Wette, dass die Klasse 10d der Leopold-von-Daun-Realschule es nicht schafft, den auf einem Hof in Heyroth lebenden Thomas D, Mitglied der Erfolgsband "Die Fantastischen Vier", in den Unterricht einzuladen, hat Musiklehrer Markus Kranz verloren: Denn Thomas D kam, erzählte und rappte.

Daun/Heyroth. (bb) Bis zuletzt hätten Lehrer und Mitschüler Zweifel gehabt, ob Thomas D wirklich zu ihnen in die Realschule komme. "Es kam allen so unglaublich vor", sagt der Zehntklässler Johannes Wand dem Trierischen Volksfreund. Der 16-Jährige aus Heyroth kennt seinen prominenten Mitbürger schon seit einigen Jahren. "Er hat sofort zugesagt", erzählt Johannes Wand, "und nun haben wir die Wette mit unserem Musiklehrer gewonnen." Der Besuch und das Gespräch mit der Klasse 10d bildete den Abschluss einer Unterrichtsreihe über "Die Fantastischen Vier" (siehe Extra), in deren Mittelpunkt das Lied "Wir ernten, was wir säen" stand. Die Schüler hätten sich mit ihrer eigenen Situation vor dem Realschulabschluss im Text wieder gefunden, erklärt Musiklehrer Markus Kranz dem TV. Bei ihren Fragen speziell zu Thomas D's Strophe sei deutlich geworden: Dazu müssten wir ihn schon selbst fragen.

Johannes Wand ergriff die Initiative, und nun ist der Popmusiker tatsächlich da, wird von einer rappenden Schulklasse begrüßt, applaudiert und nimmt in ihren Reihen Platz. "Unsere Texte sind autobiografisch", sagt er und erklärt an der Liedzeile "so sweet die Suiten auch sind" dass Ruhm und schönes Leben auch Schattenseiten hätten: "Man ist oft nicht zu Hause." Den Schülern rät Thomas D, ihre Träume und Visionen aufzuschreiben und immer wieder zu überprüfen, zu ändern, zu ergänzen. "Dann habt ihr mehr Kraft" und "Die Welt kann nur so groß sein wie eure Träume", betont er. Er spricht über die Toleranz und Wertschätzung innerhalb der seit 20 Jahren bestehenden Band. Er erzählt, wie sich die Bandmitglieder kennen gelernt und unter welchen Bedingungen sie ihr erstes Konzert gegeben haben: "Auf einer selbst gebauten Bühne aus Europaletten im ehemaligen Kindergarten Stuttgart-Wangen vor 40 Gästen, die drei Mark 50 Eintritt bezahlt hatten." "Unser Erfolgsgeheimnis?", fragt Thomas D, legt nachdenklich den Zeigefinger an die Lippen und sagt dann: "Niemanden und nichts kopieren, sondern unser eigenes Ding machen."

"Überwältigend", beschreibt Julia Roden aus der 10d den Besuch von Thomas D. "Der sieht mit 40 aus wie Mitte 20, und er spricht wie wir", sagt sie. EXTRA "Die Fantastischen Vier" (F4), Michi Beck, Smudo, And-Ypsilon und Thomas D, gaben ihr erstes Konzert am 7. Juli 1989. Heute zählen sie zu den erfolgreichsten deutschen Bands und haben als Pioniere des deutschen Sprechgesangs Musikgeschichte geschrieben. Zu ihren populären Alben zählen "Jetzt geht's ab" (1991), "Lauschgift (1995), "viel" (2004) und "Fornika" (2007). Der als Thomas Dürr 1968 in Stuttgart geborene Thomas D hatte zunächst das Friseurhandwerk gelernt und erfüllte sich mit dem Hof in Heyroth/Eifel einen Traum. Infos: www.diefantastischenvier.de. (bb)