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Diese Freundschaft bleibt lebendig

Rudolf Schenk (links) ist im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Givry-en-Argonne gewesen. Günter Welters (rechts) Vater unterzeichnete später als Bürgermeister die Partnerschaftsurkunde zwischen der französischen Gemeinde und Lutzerath. TV-Foto: Brigitte Meier
Rudolf Schenk (links) ist im Zweiten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Givry-en-Argonne gewesen. Günter Welters (rechts) Vater unterzeichnete später als Bürgermeister die Partnerschaftsurkunde zwischen der französischen Gemeinde und Lutzerath. TV-Foto: Brigitte Meier
Lutzerath. Die deutsch-französische Partnerschaft zwischen Lutzerath und Givry-en-Argonne besteht offiziell seit mehr als 30 Jahren. Doch die Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden begann viel früher, als bislang angenommen. Der heute 86 Jahre alte Rudolf Schenk aus Lutzerath nutzte die Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Givry bereits 1945, um erste Freundschaften zu knüpfen.

Lutzerath. Vor 50 Jahren wurde die deutsch-französische Freundschaft offiziell festgeschrieben, und die Partnerschaft zwischen Lutzerath und Givry-en-Argonne besteht seit mehr als 30 Jahren. Doch die wunderbare Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden begann viel früher, sogar noch während des Krieges, als Rudolf Schenk aus Lutzerath in Kriegsgefangenschaft nach Dampierre-le-Chateau in der Nähe von Givry kam. Denn statt sich über die ihm befohlene Arbeit auf einem Bauernhof zu beklagen, nutzte der erst 17-jährige Soldat die Zeit, um die Menschen, die sich ebenso wie er nach Frieden sehnten, kennen- und verstehen zu lernen.
Mit dieser echten Nähe zu den Menschen hat Schenk die solide Basis für die Partnerschaft geschaffen, die über drei Jahrzehnte lebendig ist. Sicher ist diese von ganz unten gewachsene Freundschaft das Geheimnis, warum die Bürger von Lutzerath und Givry sich immer noch viel zu sagen haben. Der mittlerweile 86-jährige Rudolf Schenk ist Ehrenbürger beider Gemeinden.
Stolz blickt Ortsbürgermeister Günter Welter auf die Partnerschaftsurkunde, die im Gemeindebüro von Lutzerath hängt. Unterzeichnet hat dieses historische Dokument 1981 sein Vater, der damalige Ortsbürgermeister Johann Welter, gemeinsam mit dem "Maire" von Givry, Francois Lefort, der heute wieder Bürgermeister der französischen Gemeinde ist. Welter erklärt: "Die Beziehung zur ganzen Familie Lefort kann man schon als Freundschaft bezeichnen."
Austausch hat Bestand


Jedes Jahr treffen sich die Vereine entweder in Lutzerath oder Givry. Die Sänger des Kirchenchors waren die ersten musikalischen Botschafter, die mit Rudolf Schenk in die Champagne fuhren. Schon bald zogen auch die anderen Vereine nach, und so wurden mit der Zeit Kontakte geknüpft. Der Austausch ist auch heute noch zwischen den jungen Leuten lebendig. Viele verbringen ihre Ferien in Givry am See. Andere starten jährlich mit ihren Fahrrädern zur "Tour de France" oder wandern nach Givry, wo sie freudig begrüßt und fürstlich bewirtet werden.
Um die Freundschaft zu demonstrieren und zu vertiefen, entstanden in beiden Gemeinden im Lauf der Jahre immer wieder auch symbolische Zeichen, etwa Hinweisschilder "Lutzerath-Givry 273 Kilometer" und die große Fahne mit den jeweiligen Wappen. Eine Rentnergruppe hat das nächste Projekt in Arbeit: Unter einem "Baum der Partnerschaft" sollen die deutsch-französischen Wappen in gepflasterter Form verewigt werden. Zur Einweihung im Sommer haben sich natürlich schon Gäste aus Givry angemeldet. bm