| 20:44 Uhr

Dorfchef hofft auf den großen Ruck

Ortsvorsteher Johann Strunk ist das marode, kleine und nur schwer zugängliche Gemeindehaus in Pützborn ebenso leid wie vielen Bürgern. TV-Foto: Mario Hübner
Ortsvorsteher Johann Strunk ist das marode, kleine und nur schwer zugängliche Gemeindehaus in Pützborn ebenso leid wie vielen Bürgern. TV-Foto: Mario Hübner FOTO: Mario Hübner (mh) ("TV-Upload H?bner"
Daun-Pützborn. Neuen Schwung ins Dorf bringen: Mit diesem Ziel regt Johann Strunk, Ortsvorsteher von Dauns größtem Stadtteil Pützborn, die Gründung eines Vereins an. Auch die schrumpfende Feuerwehr soll dadurch entlastet werden. Mario Hübner

1059 Einwohner hat Pützborn derzeit und ist damit der größte Stadtteil von Daun und quasi eines der größten Dörfer im gesamten Kreis. Im Stadtteil in direkter Nachbarschaft zur Kreisstadt gibt es einen Supermarkt und ein großes Gewerbegebiet, aus dem jährlich eine immense Summe an Gewerbesteuer in die Stadtkasse transferiert wird.

Aber dafür gibt es keine Gaststätte mehr und nur ein kleines und heruntergekommenes Bürgerhaus. Aber das sind nicht die einzigen Gründe, weshalb sich in Pützborn weniger tut als in anderen Dörfern oder Stadtteilen.
Zwar gehen einige Kinder zu Ostern noch klappern, treiben die Junggesellen beim "Schewen Sunnich" den Winter aus und laden nach dem Maibaumaufstellen zum Umtrunk, gibt es eine kleine Kirmes, einen St. Martinszug, einen Seniorentag und auch eine Kappensitzung. Dennoch sagt Ortsvorsteher Johann Strunk: "Es ist an der Zeit, dass noch mal was passiert. Es müsste frischer Wind ins Dorf."

Daher regt er noch für dieses Jahr die Gründung eines Vereins an, der sich genau darum kümmern soll: Traditionen aufrechterhalten und mit neuen Ideen Leben ins Dorf bringen und so das Gemeinschaftsgefühl stärken. Strunk sagt: "Es wäre schön, wenn wir alt und jung bei Veranstaltungen öfter zusammenbringen könnten, und sich die Leute auch so wieder öfter treffen würden, zum Beispiel bei einem regelmäßigen Stammtisch."
24 Interessenten


Als Vorbild, was das Gemeinschaftsleben im Dorf angeht, nennt er den Dauner Stadtteil Boverath. Dort kümmert sich der sogenannte Verschönerungsverein um etliche Aktivitäten, unter anderem auch den Stammtisch. "Ich finde, bei denen läuft es sehr gut", sagt Strunk und hofft, dass er viele Mitstreiter für den Verein findet. Bei einer ersten, unverbindlichen Zusammenkunft haben sich bereits 24 Interessenten gemeldet.

Auf die Frage, ob da kein Kompetenzgerangel und letztlich Streit mit der Feuerwehr drohe, die schließlich einen Großteil der dörflichen Veranstaltungen organisiert, antwortet der Ortsvorsteher: "Da wird es keine Konkurrenz geben. Im Gegenteil: Die Feuerwehr wäre froh, wenn sie bei einem Fest mal vor und nicht immer hinter dem Tresen stehen müsste. Feuerwehrchef Werner Hennen war der Erste, der seine Bereitschaft signalisierte, im Verein mitzuwirken. Andere Wehrleute ebenfalls."

Schließlich werde die Wehr erstens nicht größer, und zweitens nicht jünger. Sind nach Aussage des Ortsvorstehers derzeit noch 16 Aktive dabei, werden es in fünf Jahren nur noch etwa zehn sein.

"Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Verein sich zum Beispiel um einen Tag der Kirmes kümmert. Dass er ein Straßenfest, die eine oder andere Kulturveranstaltung oder Verschönerungsmaßnahme im Dorf organisiert. Und es wäre auch schön, wenn wieder ein Nikolaus aus Pützborn durchs Dorf geht", zählt der Ortsvorsteher auf, der im Verein aber nicht an vorderster Front mitwirken will.

Und es gibt laut Strunk einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: "Wenn bei der einen oder anderen Veranstaltung etwas Geld hängenbleibt, kann dies entsprechend des Vereinszwecks auch wieder für Maßnahmen in Pützborn eingesetzt werden. Ansonsten müssen wir ja alles an die Stadt abführen."

Wer Interesse und Zeit hat, in einem Verein für den Ortsteil Pützborn mitzuwirken, soll sich bei Ortsvorsteher Johann Strunk, Alte Roßgasse 14, Daun-Pützborn, melden: Telefon 06592/7656, E-Mail:
daunerhennes@web.de
Extra

Mehrheitlich mit 15 zu drei Stimmen hat sich der Stadtrat Daun für eine Sanierung des maroden Gemeindehauses in Daun-Pützborn ausgesprochen. Die favorisierte Variante 3, für die sich bereits der Haupt- und Finanzausschuss als auch der Bauausschuss der Stadt Daun sowie der Ortsbeirat von Pützborn entschieden haben, soll 662 000 Euro kosten. Während drei SPD-Vertreter dagegen stimmten, da die Lösung in ihren Augen trotz des vielen Geldes ein Provisorium bleibe, wollte die Ratsmehrheit nach etlichen Jahren des Planens, Hoffens und Wartens in Pützborn nun Nägel mit Köpfen machen. CDU-Fraktionschef Gerd Becker sagte: "Ich möchte hier erneut eine Lanze für die baldige Sanierung brechen." Und Gerhard Herzog (Wählergruppe Reineke) betonte: "Wir sollten an die Dorfgemeinschaft in Pützborn denken." Denn die leide seit Jahren unter dem Zustand des maroden und nicht barrierefreien Versammlungsorts. Stadtbürgermeister Martin Robrecht trat, was den erhofften Baubeginn 2017 betrifft, aber bereits auf die Euphoriebremse: "Wir können frühestens 2018 starten, da wir das Vorhaben im Rahmen der Dorferneuerung realisieren wollen, weil es dann 65 statt 60 Prozent Förderung gibt. Doch die Antragsfrist für 2017 ist Ende August abgelaufen." mh