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Drei Nieders auf dem Jakobsweg

Erschöpft, aber glücklich vor der Kathedrale im spanischen Wallfahrtsort: Hans Nieder (rechts) ist mit seinem Bruder Rudolf (links) und seinem Sohn Sven über 800 Kilometer nach Santiago de Compostela gepilgert.Foto: Nieder
Erschöpft, aber glücklich vor der Kathedrale im spanischen Wallfahrtsort: Hans Nieder (rechts) ist mit seinem Bruder Rudolf (links) und seinem Sohn Sven über 800 Kilometer nach Santiago de Compostela gepilgert.Foto: Nieder
DAUN/BIRRESBORN. Der Fotograf Hans Nieder ist gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf und seinem Sohn Sven über den 800 Kilometer langen Jakobsweg vom französischen Saint-Jean-Pied-De-Port bis zum spanischen Santiago de Compostela gepilgert. Über seine Eindrücke sprach er mit dem TV . ARRAY(0x17fb76eb0)

"Tres peregrinos Alemania": Als der Geistliche, der am 2. April 2004 die Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago de Compostela zelebrierte, diesen Gruß an "drei deutsche Pilger" richtete, waren Hans, Rudolf und Sven Nieder aus Birresborn gemeint. Da hatten die drei Männer einen 33-tägigen Fußmarsch hinter sich, hatten einen Weg von etwa 800 Kilometern zurückgelegt. Nach dem Besonderen dieser Fußpilgerreise befragt, sagt Hans Nieder heute: "Auf dem Weg herrscht ein unglaubliches Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Menschen aus der ganzen Welt." Und wenn er ergänzt: "Der Jakobsweg hat uns wirklich in seinen Bann gezogen," meint er damit auch, dass er bereits vor drei Jahren den Weg mit seinem Bruder gegangen ist und dass er plant, sich einmal von Birresborn aus zu Fuß auf den Weg zu dem Wallfahrtsort im Nordwesten Spaniens zu machen. "Das sind 2300 Kilometer", hat er ausgerechnet. Der Jakobsweg sei das Erlebnis eines völlig neuen Gefühls von Zeit, Entfernung und Geschwindigkeit, resümiert Hans Nieder mit dem Blick auf die Wanderung durch sieben spanische Provinzen. Ausgerüstet mit je einem 15 Kilogramm Gepäck fassenden Rucksack, mit Tagebuch, Pilgerpass, Pilgerführer, mit Kameras, Stativen und Objektiven hatten sich die drei Fotografen am 1. März aufgemacht und mit dem Überqueren der Pyrenäen gleich am ersten Tag ein Stück der Königsetappe genommen. Hans Nieder gerät ins Schwärmen über die Altstadt von Pamplona, die Kathedralen von Bourgos und León, das Gebiet, in dem einer der großen spanischen Rotweine, der Rioja, angebaut wird. "Man ist als Fußpilger besonders nah an der Landschaft, der Kultur und der großartigen Architektur", erklärt Nieder. Ihre Schlafstätten waren ganz schlichte Schutzhütten, die entweder von der Kirche, der Kommune oder von Privatleuten betrieben werden und in denen man gegen eine Spende oder einen geringen Kostenbeitrag "sehr einfach" übernachten kann.In drei Jahren hat sich eine Menge verändert

"Wir haben den Eindruck, dass sich in den vergangenen drei Jahren in Spanien eine Menge verändert hat", erklärt Hans Nieder. Der Weg sei inzwischen hervorragend gekennzeichnet und auch in einem besseren baulichen Zustand. Vielleicht habe es damit zu tun, dass 2004 ein Heiliges Jahr sei. "Das ist alle sieben Jahre, wenn der Namenstag von Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt," erläutert Hans Nieder. Er vermutet aber viel mehr, dass die Veränderungen vor allem mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Spanien zu tun haben. "Ich hoffe für den Jakobsweg, dass dieser Aufschwung nicht auf Kosten der Mystik und der Spiritualität geht." Mit der Ankunft in Santiago de Compostela und der Feier des Gottesdienstes in der Kathedrale, in der der Heilige Jakobus begraben ist, war Hans, Rudolf und Sven Nieders "Mission" noch nicht erfüllt. Sie legten auch den Weg zum "Kap Finesterra" zu Fuß zurück, bevor sie sich nach 36 Tagen mit dem Bus und dem Flugzeug auf die Heimreise machten. Und auch damit ist das Kapitel "Jakobsweg" noch nicht abgeschlossen. Hans Nieder plant die Herausgabe eines Handbuchs für Pilger. Sein Sohn Sven, angehender Fotodesigner, arbeitet im Rahmen seiner Diplomarbeit an einem Bildband.