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Drei Tage ohne Tablet und Computer

Darscheid. Matsch, Schnee und Heckenpflege: Bei der Ferienfreizeit der Vogelschutzgruppe Darscheid e. V. geht es rustikal zu. Die Kinder haben ihren Spaß - und lernen dabei jede Menge über die Umwelt. Tobias Senzig

Darscheid. Platsch - sechs Mädels mit matschbeschmierten Hosen lassen sich laut lachend in den Schnee bei Darscheid fallen. Ein paar Meter daneben dreht ein Siebenjähriger mit einem Akkubohrer Schrauben in eine Holzbank. In der Werkstatt zimmern einige Kinder kleine Häuschen, Igelhotes genannt. Und ein paar Eifel-Jungen schnitzen neben der Grillhütte Kerben in selbst gesammelte Äste.
Spaß mit der Natur, in der Natur und für die Natur - so könnte man das pädagogische Konzept des Naturschutzcamps in Darscheid beschreiben. Denn bei der Ferienfreizeit, die die Vogelschutzgruppe Darscheid und die Jugendpflege der Verbandsgemeinde (VG) Daun drei Tage lang mit 65 Kindern aus dem ganzen Kreis veranstaltet, wird Wert auf Ökologie, Nachhaltigkeit und verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt gelegt.
Deshalb haben alle Abenteuer, die die Kinder im Naturerlebniszentrum des Vereins erleben, etwas mit Wald, Wiesen oder Tieren zu tun: Ob sie ein Igelhotel bauen, die Streuobstwiesen pflegen oder das Insektenhotel besuchen - alles dient dazu, dem Nachwuchs klarzumachen, wie die Natur tickt.
"Wir wollen den Kindern den Kreislauf des Lebens nahebringen", erklärt Simone Fischer von der Vogelschutzgruppe. Normalerweise säen die Teilnehmer der Frühjahrsfreizeit deshalb auf den Hochbeeten des Naturerlebniscamps Saatgut aus. In den Herbstferien können sie die Früchte ihres Einsatzes dann wieder selber ernten. "Das können wir in diesem Jahr leider nicht machen - der Boden ist noch gefroren", sagt Fischer. Den Kindern gefällt\'s trotzdem "Es macht großen Spaß hier", berichtet Luis Gehlen (7) aus Niederstadtfeld. "Ich durfte mit dem Traktor mitfahren, später haben wir Bäume und Hecken beschnitten."
20 ehrenamtliche Betreuer kümmern sich um die Kinder, darunter auch viele Jugendliche, die das Jugendgruppenleiterprogramm Juleica der VG Daun absolviert haben.
Wackelbrücke zum Klettergarten


Im Naturerlebniszentrum gibt es viel zu entdecken: Hinter der Jugendwerkstatt können sich die Kinder im Bogenschießen üben, eine Wackelbrücke führt zum Klettergarten, im Mehrzweckgebäude werden Osternester gebastelt - und natürlich gibt es auch einen Vogelschutzpfad, an dem sich heimische Piepmätze entdecken lassen. "Trotz Tablet und Computer haben die Kinder noch draußen ihren Spaß", sagt Fischer.
Insgesamt 160 Mitglieder hat die Vogelschutzgruppe. Neben den Bildungs- und Freizeitangeboten für Kinder und Naturfreunde bietet sie zudem ein Beschäftigungsprojekt an. Dabei helfen die Vereinsmitglieder arbeitslosen Jugendlichen bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle.
Und die Vogelschützer haben noch große Pläne für ihr Naturerlebniszentrum: "Wir würden gerne unsere Werkstatt ausbauen", erklärt Simone Fischer. Denn derzeit ist man in dem offenen Häuschen Wind und Wetter ausgesetzt. "In einem geschlossenen Gebäude könnten wir auch im Winter Schulkassen und Kindergartengruppen einladen, damit sie selber etwas herstellen können." 100 000 Euro würde der Ausbau kosten - ein großer Batzen für einen Verein, der sich nur aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.
Bei den nächsten Ferienfreizeiten in den Sommerferien soll auch im Naturerlebniszentrum gezeltet und gecampt werden. Dann braucht es hoffentlich keine Handschuhe, Winterstiefel - und geschlossenen Gebäude.