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Forstwirtschaft
Borkenkäferalarm – auch für die Forsthaushalte der Gemeinden

Viele Nadelholzsägewerke in Deutschland und Österreich werden derzeit von Käferholz regelrecht „überflutet“. Dank (bisher) florierender Absatzmärkte für ihr Schnittholz konnten die Werke bereits große Teile davon verarbeiten.
Viele Nadelholzsägewerke in Deutschland und Österreich werden derzeit von Käferholz regelrecht „überflutet“. Dank (bisher) florierender Absatzmärkte für ihr Schnittholz konnten die Werke bereits große Teile davon verarbeiten. FOTO: TV / Horst Womelsdorf
Daun. Die Borkenkäferplage und ihre wirtschaftlichen Folgen für die Wälder der Kommunen ist momentan das zentrale Thema in allen Ratssitzungen im Bereich des Forstamts Daun. Für 2019 wird mit deutlich schlechteren Ergebnissen gerechnet. Die Waldbesitzer erhoffen sich daher schnelle und umfassende Hilfe von Bund und Land.

(red/sts) Die Mitarbeiter des Forstamts Daun haben derzeit keine einfache Aufgabe, teilt das Amt in einer Presseveröffentlichung mit. Sie müssten den kommunalen Waldbesitzern bei den dieser Tage stattfindenden Gemeinderatssitzungen die ökonomischen und ökologischen Folgen der Borkenkäferplage darlegen. Und dabei könne die Entwicklung 2019 kaum eingeschätzt werden.

„Die Prognose für die Pläne 2019 ist Kaffeesatzleserei, das Käferholzaufkommen ist völlig unkalkulierbar“, sei immer wieder von den Leitern der Forstreviere in den Sitzungen zu hören. Klar ist nur: Die Ergebnisse werden sich deutlich verschlechtern.

„Glück im Unglück ist bisher“, erklärt Horst Womelsdorf, Leiter des Forstamts Daun, „dass dank der guten Wirtschaftsentwicklung in diesem Jahr eine intensive Schnittholznachfrage vor allem in der Bauwirtschaft und seitens der Holzpackmittelindustrie bestand, so dass die Nadelholzsägewerke ihre Produktionstätigkeit steigern und umfangreiche Käferholzmengen verarbeiten konnten.

Das Schlimme ist laut Womelsdorf jedoch, dass das „Käfer-Problem 2018 wahrscheinlich nur der Beginn einer mehrjährigen Entwicklung darstellt, an deren Ende die vollständige Vernichtung der Fichtenbestände unserer Waldbesitzer stehen könnte“.

Während sich die Betriebsergebnisse der meisten Kommunalwaldbetriebe für 2018 noch ganz passabel darstellten, vielfach sogar deutlich besser abschnitten als von den Forstleuten geplant, sei in den nächsten Jahren mit einem umso dramatischeren Einbruch zu rechnen. „In diesem Jahr profitieren die Forsthaushalte noch von einigermaßen auskömmlichen Durchschnittserlösen beim Fichtenstammholz, und es wurde häufig mehr Holz eingeschlagen als geplant,“ erläutert der Forstamtsleiter.

Die höheren Einnahmen aus dem Mehreinschlag gingen jedoch auf die Substanz der Betriebe, die Käferholzpreise, die als Folge des Überangebots im zweiten Halbjahr 2018 spürbar sanken, würden 2019 weiter unter Druck stehen. Zudem müssten die Waldbesitzer ab dem nächsten Jahr in die Wiederaufforstung der vom Käfer zerstörten Waldbestände investieren. Auch folgten einem „Käferjahr“ regelmäßig weitere Jahre, in denen ein erhöhtes Käferholz-Aufkommen zu verzeichnen sei.

Die Waldbesitzer, die die klimabedingten Schäden bundesweit auf ein bis drei Milliarden Euro schätzen, hoffen, dass anhaltende Niederschläge die Wasserspeicher im Boden wieder auffüllen, die Widerstandskraft der Fichte gegen den Käferbefall steigern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Teil der Käferpopulation zugrunde gehe. Daneben bauen sie auf Hilfsprogramme von Bund und Ländern.

Der Forstamtsleiter hat Verständnis für diese Forderung: „Unsere Waldbesitzer sind für den Klimawandel nicht verantwortlich, sondern helfen vielmehr, durch eine nachhaltige Waldwirtschaft in ihren Holzvorräten und den daraus erzeugten Holzprodukten das Treibhausgas CO2 zu binden. Sie dürfen deshalb mit den Folgen dieser Plage nicht alleingelassen werden, sondern sollten großzügige Hilfen unter anderem für den Wiederaufbau der Wälder erhalten.“

Bund und Länder stellen in ihrem Hilfsprogramm Dürre 2018 der Landwirtschaft, die dieses Jahr eine Milliarde Euro klimabedingter Schäden kalkuliert hat, 340 Millionen zur Verfügung. Womelsdorf sagt: „An dieser Größenordnung sollten sich auch die Hilfen für unsere Waldbesitzer orientieren.“