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Ein Fest in turbulenten Zeiten

Harsche Worte zum Vorgehen bei den BSE-Tests fand Bauernchef Leo Blum (rechts). Ansonsten blickten die Gäste des Fests der Landwirtschaft mit Zuversicht auf die nächsten Monate.Foto: Angelika Koch.
Harsche Worte zum Vorgehen bei den BSE-Tests fand Bauernchef Leo Blum (rechts). Ansonsten blickten die Gäste des Fests der Landwirtschaft mit Zuversicht auf die nächsten Monate.Foto: Angelika Koch.
DAUN. (ako) Das Fest der Landwirtschaft zum Jahresbeginn lockte viele prominente Nicht-Bauern in das Forum Daun. Gesprächsstoff gab es reichlich: nicht erfolgte BSE-Kontrollen, der bevorstehende Umzug der landwirtschaftlichen Vereine nach Boverath, vermehrter bürokratischer Aufwand und die Änderung der EU-Richtlinien für die Prämien.

Direkt nach dem Fest kommt der Umzug: Aus dem bisherigen Haus der Landwirtschaft in der Dauner Innenstadt ging es am Montag nach Boverath in das ehemalige Gebäude der Firma apra-norm. "Im Hinblick darauf, dass es nicht zu vermeiden war, sind wir glücklich, dass wir nun wieder alle gemeinsam unter einem Dach arbeiten können und in Daun bleiben", sagte Bernd Feltges, Chef des Kreisbauernverbands.Beunruhigung wegen unterlassener BSE-Kontrollen

Es sei zwar schade, dass die gewachsene Identifikation der Landwirte mit ihrem Haus nun durchbrochen ist und Zeit brauche, sich neu aufzubauen, aber die deutlich bessere Qualität des neuen Domizils mache das wett. Bauernverband, Landfrauen, Maschinenring, Agrarservice, Beratungsring, Waldbauverein, Erag und Buchstelle haben nach einem halben Jahr Bemühen und Hoffen auf einen Verbleib am gewohnten Ort die Koffer und Kisten gepackt, auch wenn der Mietvertrag noch nicht unterzeichnet ist.Für mehr Beunruhigung als der Umzug sorgten die aktuellen Schlagzeilen um die rund 1000 Fälle, in denen die vorgeschriebenen BSE-Tests an geschlachteten Rindern unterlassen wurden und das Fleisch ungeprüft in den Handel gelangte. "Wir Landwirte sind darüber regelrecht entsetzt", schilderte Feltges die Reaktion seines Berufsstands. Denn ihnen schade das Nichteinhalten der Kontrollen, das in den Schlachthöfen zu verantworten sei. Feltges: "Das Fleisch wird erst nach der Schlachtung getestet, an lebenden Tieren geht das noch nicht. Fehlende BSE-Kontrollen fallen erst auf, wenn die Bauern mehr Tiere beim dafür zuständigen Register zur Schlachtung abmelden als von den Schlachthöfen angegeben." Im Interesse der Bauern sei ein Unterlassen der Tests keineswegs, sondern ethisch wie ökonomisch unsinnig.Leo Blum, Präsident des Bauernverbands Rheinland-Nassau, fand noch drastischere Worte: "Das ist eine riesengroße Schweinerei und kriminell." Auch die von der Europäischen Union verordnete neue Prämienregelung, die den Landwirten die "multikulturelle Aufgabe der Pflege einer offenen Landschaft" honoriert und nicht mehr die unmittelbare Produktion von Lebensmitteln, bezeichnete er als Problem, dessen Tragweite noch kaum erkannt werde.Bedauerlich sei auch die Kürzung des Etats des Ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft um 7,4 Prozent. Das sind mehr als die Einsparungen der anderen Ministerien.Insgesamt jedoch stand das Fest der Landwirtschaft mit Tanzmusik, Tombola und Zaubereinlagen unter einem optimistischen Stern. Landrat Heinz Onnertz lobte die gute Zusammenarbeit mit den Verbänden und Vereinen der Bauern und sagte Unterstützung zu, wenn die "übertriebene und überregulierende" Bürokratie für Probleme sorgt.Neue Märkte erschließen mit besserem Management

Für die Vulkaneifel sehe er nicht zuletzt dank des Einsatzes der Landwirte für den Tourismus gute Prognosen für das gerade angebrochene Jahr: "Ohne die Landwirte und Forstleute wären wir hier nichts." Nach einer Dekade der Umstellungen und Reaktionen auf neue Entwicklungen beginne nun eine Ära, in der das Gemeinsame der Gesellschaft wieder mehr gesehen werde.Auch die Bundestagsabgeordnete Elke Leonhard blickte zuversichtlich ins neue Jahr: "Wir müssen mehr powern, hier gibt es starke Kräfte und gute Chancen." Die im Bundes- und Landesvergleich niedrigeren Arbeitslosenzahlen und die höhere Kaufkraft seien ein guter Indikator für das Potenzial der Eifel. Die Landwirte ermutigte sie, mit professionellerem Management neue Märkte und Vertriebswege zu erschließen. Außerdem gelte es, intensiver als bisher die Möglichkeiten anzuzapfen, die im Sektor Forschung stecken. Hier werde sich im Laufe des Jahres noch einiges tun.