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Nostalgie
Eisenbahnfreunde auf dem Abstellgleis

Die Modellbahnanlage der Eisenbahnfreunde Vulkaneifel im Bahnhof Daun bezeichnet Hermann Grüter als sein „Lebenswerk“. Dass nun damit Schluss sein soll, macht ihn traurig.
Die Modellbahnanlage der Eisenbahnfreunde Vulkaneifel im Bahnhof Daun bezeichnet Hermann Grüter als sein „Lebenswerk“. Dass nun damit Schluss sein soll, macht ihn traurig. FOTO: wh_wtl <wh_tl@volksfreund.de>+SEP+wh_wtl <wh_tl@volksfreund.de>
Daun. Nach 33 Jahren ist Schluss: Der Verein wird am Jahresende aufgelöst. Wer die große Modellbahnanlage im Dauner Bahnhof noch einmal sehen will, sollte sich beeilen: Am Sonntag gibt es die vorerst letzte Chance.

Dass am Dauner Bahnhof nichts los ist, wird man wirklich nicht behaupten. Tausende Radfahrer starten von dort zu einer Tour auf dem Maare-Mosel-Radweg, im Gebäude, dass seit Mitte der 1990er Jahre der Stadt gehört, ist das Haus der Jugend untergebracht. Und doch fehlt etwas, was nun mal einen richtigen Bahnhof ausmacht: Zugverkehr.

Vor ziemlich genau sechs Jahren beendete die Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft ihre seit 2001 angebotenen Freizeitfahrten auf dem Abschnitt der Eifelquerbahn von Gerolstein über Daun und Ulmen nach Kaisersesch. Und Hoffnung, dass auf dieser Strecke nochmal Züge fahren, gibt es kaum mehr. Zwar hat die Landesregierung nicht das endgültige Aus für eine Reaktivierung verkündet, sie aber praktisch aufs Abstellgleis geschoben – wegen der Kosten. Laut einem Gutachten wären mindestens 40 Millionen Euro nötig, um auf der Strecke wieder regelmäßiger Personennahverkehr möglich zu machen. Was für die beiden Kreise (Vulkaneifel und Cochem-Zell) und die fünf Verbandsgemeinden, durch die die Strecke führt, erste Wahl gewesen wäre. Eine rein touristische Nutzung lehnen die Verwaltungschefs ab. Das hätte etwa 24 Millionen Euro (davon rund 3,6 Millionen Euro aus kommunaler Kasse) gekostet, eine Summe, die aus ihrer Sicht nicht zu verantworten ist. Ihr Vorschlag: Wenn schon investieren, dann richtig, also 40 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Strecke wieder zu nutzen. Gar kein Bahnverkehr? Stimmt nicht so ganz, denn zumindest in der ehemaligen Bahnhofskneipe, Heimat der Eisenbahnfreunde Vulkaneifel, stehen noch jede Menge fahrbereite Züge – die des Arbeitskreises Modellbahn. Aber auch dessen Tage sind gezählt, denn der Verein Eisenbahnfreunde wird zum Jahresende aufgelöst. Von den einst 160 Mitgliedern ist gerade mal noch ein Handvoll übrig geblieben, berichtet der Vorsitzende Klaus Manderscheid: „Dass gar keine Züge mehr Daun anfahren, hat auch uns geschadet. Die Auflösung des Vereins ist sehr bedauerlich, aber warum krampfhaft etwas am Leben erhalten.“

1985 wurde der Verein gegründet, für Eisenbahnfans noch eine gute Zeit, denn es fuhren Schienenbusse und Loks auf der Eifelstrecke von Gerolstein nach Andernach. Aber am 11. Januar 1991 wurde der Personenverkehr auf der Strecke von Mayen nach Gerolstein über Daun eingestellt, 1998 dann auch Güterverkehr. „Damals hatten wir noch eine eigene Diesellok, mit der wir eine Museumsbahn einrichten wollten. Aber leider war das wegen hoher finanzieller Forderungen der Bahn nicht möglich“, erinnert sich Hermann Grüter, der Leiter des Arbeitskreises Modellbahn. Zumindest im Kleinen lebte die Faszination Eisenbahn in der Kreisstadt weiter. Die etwa 22 Quadratmeter große Modellbahnanlage, aufgebaut in der ehemaligen Bahnhofskneipe, zeigt den Bahnhof Daun in seiner ursprünglichen Form mit allen noch vorhandenen oder bereits abgerissenen Bauwerken sowie Teilen der Strecken nach Mayen, Gerolstein und Wittlich, mit dem Dauner Viadukt, dem Tunnel und dem Bahnhof Schalkenmehren. In den Vitrinen und an den Wänden finden sich viele Erinnerungsstücke.

„Diese Modellbahn ist mein Lebenswerk“, sagt Grüter, und der Gedanke daran, dass sie am Sonntag vorerst zum letzten Mal zu besichtigen ist, lässt den 80-Jährigen, der 1968 als Soldat nach Daun kam, nicht kalt. Aber er hat zumindest ein „Trostpflaster“: eine 70 Quadratmeter große Modellbahn in seinem Haus in Nerdlen. „Die besten Jahre waren die, als die Bahn noch in Betrieb war oder später, als es touristische Fahrten mit dem Schienenbus gab. Als das  beendet wurde, gingen die Besucherzahlen stark zurück. Deshalb hatten wir nur noch einmal im Monat geöffnet, parallel zum Flohmarkt am Bahnhof“, erzählt Grüter.

Eine gute Nachricht gibt es aber doch. Auch wenn die Auflösung der Eisenbahnfreunde ausgemachte Sache ist, hat das keinen Einfluss auf den Betrieb in dem früheren Salonwagen, der seit 2001 neben dem Bahnhof steht.

Der gehört den Eisenbahnfreunden und wird weiterhin für die Bewirtung vor allem der Radfahrer genutzt, versichert der Vorsitzende Klaus Manderscheid: „So lange die Stadt das erlaubt. Der Service wird sehr gut angenommen und ist unverzichtbar als Angebot für die vielen Gäste.“

Die Älteren werden sich erinnern: Eine solche Waage fand sich in wohl in jedem Bahnhof. Foto: Stephan Sartoris
Die Älteren werden sich erinnern: Eine solche Waage fand sich in wohl in jedem Bahnhof. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris
Da war die Bahn noch hoch im Kurs: Kopie des Plans zur Erweiterung des Dauner Bahnhofs im Jahr 1911. Foto: Stephan Sartoris
Da war die Bahn noch hoch im Kurs: Kopie des Plans zur Erweiterung des Dauner Bahnhofs im Jahr 1911. Foto: Stephan Sartoris FOTO: TV / Stephan Sartoris
Neue Nachrichten sind nicht mehr zu verkünden: Auch der Schaukasten der Eisenbahnfreunde hat bald ausgedient.
Neue Nachrichten sind nicht mehr zu verkünden: Auch der Schaukasten der Eisenbahnfreunde hat bald ausgedient. FOTO: TV / Stephan Sartoris
Neben der Modellanlage finden sich viele Erinnerungsstücke in der ehemaligen Bahnhofskneipe.
Neben der Modellanlage finden sich viele Erinnerungsstücke in der ehemaligen Bahnhofskneipe. FOTO: TV / Stephan Sartoris
Auch wenn der Verein Eisenbahnfreunde aufgelöst wird, bleibt der Wagon, der zur Bewirtung vor allem der Nutzer des Radwegs dient.
Auch wenn der Verein Eisenbahnfreunde aufgelöst wird, bleibt der Wagon, der zur Bewirtung vor allem der Nutzer des Radwegs dient. FOTO: TV / Stephan Sartoris