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Natur
„Es muss ein Schlussstrich gezogen werden“

Der Gesteinsabbau wie hier auf Kyller Höhe bei Hillesheim ist ein traditioneller Wirtschaftszweig in der Vulkaneifel, über dessen Zukunft schon seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert wird. 
Der Gesteinsabbau wie hier auf Kyller Höhe bei Hillesheim ist ein traditioneller Wirtschaftszweig in der Vulkaneifel, über dessen Zukunft schon seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert wird.  FOTO: TV / Hans Erkert
Daun. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) wendet sich gegen einen erweiterten Gesteinsabbau in der Vulkaneifel. Am Montag spricht der Kreistag erneut über das Thema. Von Angelika Koch

Es geht um die Rohstoffsicherung in der Region Trier und um einen Lösungsdialog, der derzeit eher ein Schlagabtausch ist. Die Kontrahenten: einerseits die Planungsgemeinschaft Trier, die in der Vulkaneifel nach derzeitigem Konzeptvorschlag insgesamt 1466 Hektar Abbaufläche von Lava, Basalt und Kalk vorsieht; andererseits die IG Eifelvulkane und der Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL), die die bisherige Genehmigungspraxis grundlegend überprüft wissen wollen und den Stopp der Abbau-Flächenerweiterung fordern.

Der RVDL ist eine eher konservative Institution, der der ehemalige SPD-Bundes- und NRW-Landesminister Christoph Zöpel vorsitzt. Dem Verein sind Aktionen wie die Waldbesetzung im Hambacher Forst zur Verhinderung weiteren Braunkohletagebaus sicher fremd. Und doch klingt in seiner Stellungnahme eine Entschiedenheit durch, an der es nichts zu deuteln gibt: „Eine zukunftsweisende Planung hat festzulegen, dass über die bereits bestehenden beziehungsweise genehmigten Gruben hinaus weder neue Aufschlüsse gestattet noch Erweiterungen vorhandener Abgrabungen zugestanden werden“, lautet die Forderung.

Oder wie es das RVDL-Vorstandsmitglied Mark vom Hofe ausdrückt: „Es muss ein Schlussstrich gezogen werden! Die Landschaft ist bereits genug gebeutelt!“

Der RVDL betrachtet die Vulkane der Eifel als nationales Naturerbe, das gesetzlich vor weiteren Eingriffen geschützt werden müsse. Denn die Vulkaneifel sei geologisch und landschaftlich einmalig in Deutschland. Einen so genannten nachhaltigen Abbau könne es allein schon deswegen nicht geben, weil das wichtigste Kriterium für Nachhaltigkeit – das Nachwachsen des betreffenden Rohstoffs – mangels Eruptionen und Lava- oder Basaltnachschub nicht gegeben ist.

Bereits der bestehende Abbau habe nach Auffassung des RVDL Grenzen überschritten und sei eine Sünde der Vergangenheit: „Nach heutigen Kriterien sind 481 der schon genehmigten 816 Hektar nicht genehmigungsfähig.“

Denn der Gewässer- und Naturschutz sowie der Erholungswert der Vulkaneifel für die Menschen seien laut Landesentwicklungsplan IV klar vorrangig. Andere Nutzungsinteressen dürfen dem entsprechend nicht höher bewertet werden.

Doch daran halte sich die Planungsgemeinschaft Trier derzeit nicht. „Es ist auch eine Frage der Wahrnehmung“, sagt Sibylle Bauer vom RVDL-Regionalverband Eifel, „in Trier spürt man den Widerstand der Menschen in der Vulkaneifel offenbar nicht.“ Es sei viel Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeit notwendig, um im Oberzentrum Gehör zu finden. Der RVDL zweifelt auch an der Seriosität der Datenlage, welche von den Abbau-Befürwortern ins Feld geführt wird. Im Jahr 2014 seien 2050 Hektar Potenzialflächen für den Gesteinsabbau in der Vulkaneifel angegeben worden, nun seien es rund 3700 Hektar. „Wie kann da plötzlich mehr Gestein aufgetaucht sein? Da gehen doch alle Alarmzeichen an!“ Zudem stelle sich die Frage, ob weiterer Abbau überhaupt für die Rohstoffsicherung der Region – welche nicht von ausufernder Bautätigkeit geprägt sein – benötigt werde.

„Bislang war es keine echte Anhörung der mehr als 6000 Einwendungen gegen die neuen Planungen, sondern nur ein Pseudoverfahren“, kritisieren die RVDL-Mitglieder das Prozedere.

Die Stellungnahme des Vereins kann im Internet nachgelesen werden: /www.rheinischer-verein.de/de/stellungnahmen/kulturlandschaft_und_landschaftsschutz/kulturlandschaft_und_landschaftsschutz.html

Um das Schicksal der Berge in der Vulkaneifel machen sich Bürger und Verbände Sorgen.
Um das Schicksal der Berge in der Vulkaneifel machen sich Bürger und Verbände Sorgen. FOTO: TV / Hans Erkert