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Landwirtschaft
„Es wird über uns, aber nicht mit uns gesprochen“

Daun. Bei gemeinsamer Versammlung der Bauernverbände Daun und Cochem-Zell ist wenig Positives zu hören.

(sts) Es hat schon lange Tradition, dass die Kreisverbände Daun  und Cochem-Zell im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mit zusammen um die 2000 Mitglieder alljährlich zur gemeinsamen Versammlung einladen. Häufig war die Lehwald-Halle in Darscheid Schauplatz des Treffens, diesmal aber war es das Forum in Daun.

„Normale“ Jahre gibt es für die Landwirte offensichtlich nicht mehr. Im einen Jahr ist es zu viel Wasser, im anderen wie 2018 zu wenig. Trockenheit und Hitze prägten das vergangene Jahr, schön für den Normalbürger, problematisch für die Landwirte, auch wenn es in der Eifel die Auswirkungen nicht so dramatisch waren wie in anderen Landstrichen in der Bundesrepublik.

Und 2019? In den Ausführungen von Marco Weber, Vorsitzender des Bauernverbands Daun, war ganz häufig „angst und bange“ zu hören, wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft ging.

„Es wird sehr viel über Bienen, Wölfe, Biodiversität, Ferkelkastration, Glyphosat oder Tierwohl-Label gesprochen. Allerdings wird bei diesen Themen über die Landwirte und leider nicht mit ihnen gesprochen“, monierte Weber. Er kritisierte auch die mangelnde Verlässlichkeit der Politik über einen längeren Zeitraum, immer wieder würden die Landwirte vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne angemessene Zeit, darauf reagieren zu können: „Wenn das so weitergeht, wird mir wirklich angst und bange, was noch alles auf uns zukommt.“

Egon Thomas, Vorsitzender des Cochem-Zeller Verbands, konstatierte: „Die Landwirte sind mittlerweile offenbar an allem schuld.“ Er kritisierte unrealistische Forderungen an die Branche, „eine Idylle wie vor 150 Jahren, zu der wohl einige zurück wollen, können und wollen wir nicht mehr erfüllen.“

Manfred Zelder, stellvertretender Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, forderte die Branche auf, aggressiver aufzutreten und sich „von Laien nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen.“

Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, stellte fest: „Wir stehen gut da im internationalen Vergleich, und die grünen Berufe sind nach wie vor attraktiv.“