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"Et Elschen" denkt nicht ans Aufhören

Ist seit 50 Jahren Wirtin der Eifelstube in Uersfeld und denkt auch mit 87 Jahren nicht ans Aufhören: Else Jax. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Ist seit 50 Jahren Wirtin der Eifelstube in Uersfeld und denkt auch mit 87 Jahren nicht ans Aufhören: Else Jax. TV-Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"
Uersfeld. Das Gasthaus Eifelstube in Uersfeld besteht seit 50 Jahren, und seitdem ist die heute 87-jährige Else ("Elschen") Jax die Wirtin. "Es tut mir keine Stunde leid", sagt sie. Und lädt anlässlich des Jubiläums gemeinsam mit Sohn und Tochter am 31. Dezember zur Silvesterfeier wie anno dazumal und am 1. Januar zum Neujahrsempfang ein. Brigitte Bettscheider

Uersfeld. Mit "Frau Jax" möchte die Wirtin der Eifelstube gar nicht gerne angesprochen werden - "mich nennen alle ‚et Elschen'", sagt sie. Die Frage, was aus einem halben Jahrhundert hinter der Theke, im Gastraum und in der Küche zu erzählen sei, winkt sie zunächst ab. "Da gibt es doch nicht viel zu erzählen", meint sie. Denn das sei immer ihr Grundsatz gewesen - nichts weiterzuerzählen von dem, was sie an der Theke zu hören bekommt. Dann freundet sie sich doch noch mit dem Gedanken an einen Streifzug durch die vergangenen 50 Jahre ihres Lebens an. Ohne ein einziges Geheimnis zu verraten, außer einem persönlichen: "Ich weiß nicht, wie Alkohol schmeckt", erklärt die Gastwirtin.

Sie stammt aus Laubach (Kreis Cochem-Zell) und heiratete Anfang der 1950er Jahre nach Uersfeld. Ihr Mann Gustav Jax war in der örtlichen Grube im Schwerspat-Abbau tätig, zu Hause wurde eine "Bierniederlage" eingerichtet. Das Ehepaar hat zwei Kinder, Franz-Josef und Maria, heute 62 und 54 Jahre alt. 1965 entstand zwischen der Haupt- und Lindenstraße der Neubau: die Eifelstube mit Theke, Stammtisch und etwa 50 weiteren Sitzplätzen, angrenzend die Küche und ein Wohnzimmer, darüber die Privatwohnung. Für alle Anlässe "von der Wiege bis zur Bahre" war die Eifelstube jahrzehntelang die erste Adresse in Uersfeld. Hier wurden Taufe, Erstkommunion, runder Geburtstag, Hochzeit und Hochzeitsjubiläum gefeiert und es wurde der Kaffee nach der Beerdigung ausgeschenkt. "Zuerst machten die Leute den Termin mit dem Pastor, dann kamen sie zu mir", erzählt Elschen Jax. Und erinnert sich an die volle Gaststube sonntags nach dem Hochamt.

"Wenn die Männer allzu lange blieben und ein Bier nach dem anderen tranken, habe ich schon mal statt der nächsten Runde eine Platte Schnittchen hingestellt, damit sie mir nicht umkippten", sagt sie lachend. Zu Zeiten der Sperrstunden versteckten sich Gäste auch schon mal vor der Polizei im Kleiderschrank.

Die größte Herausforderung sei die jährliche Kirmes gewesen. Als der Platz in der Eifelstube einfach nicht mehr reichte, stellte die Familie Jax ein Zelt auf. Schließlich wurde die komplette Kirmesbewirtung in den Bürgersaal verlegt. Für Sparclub, Musikverein, Sportverein und Narrenzunft Blau-Weiß ist die Eifelstube bis heute das Vereinslokal.
Elschen Jax' Ehemann Gustav starb im Jahr 2007. Doch unermüdlich und pünktlich schließt die 87-Jährige weiterhin jeden Morgen um 9 Uhr die Tür des Gasthauses auf, auch montags, wenn eigentlich Ruhetag ist. Ihr Sohn Franz-Josef Jax und ihre Tochter Maria Mohrs unterstützen sie in allen Belangen. "Abends schließe ich, wann ich will", sagt sie und erklärt: "Meine Gäste sind liebe Menschen." Keine einzige Stunde tue ihr leid. Einsamkeit kenne sie nicht. Aufhören? "Erst wenn ich umfalle."

Anlässlich des runden Geburtstags der Eifelstube in der Uersfelder Lindenstraße laden Elschen Jax und ihre Familie am Silvesterabend zu einer Feier "anno dazumal" mit Musik und Mode der 1960er Jahre sowie am Neujahrstag zu Früh- bis Dämmerschoppen ein.