| 06:30 Uhr

Gesundheitswesen
Geburtshilfe-Aus in Daun: Landrat Thiel geht mit dem Land hart ins Gericht

Daun. Er fordert, das Dauner Krankenhaus personell und wirtschaftlich in die Lage zu versetzen, das Angebot weiter aufrecht zu erhalten. Landtagsabgeordnete wehrt sich gegen die Kritik. Von Stephan Sartoris

In der Regel kennt man Landrat Heinz-Peter Thiel als jemanden, der versucht zu vermitteln, Frontalangriffe sind eigentlich nicht seine Art. Aber beim Thema Schließung der Geburtshilfe im Krankenhaus Maria-Hilf in Daun sagt der 55-Jährige: „Ich bin total verärgert. Hier kollabiert ein Gesundheitssystem vor unseren Augen.“

Wie berichtet, hatte die Geschäftsführung des Krankenhauses am Montag darüber informiert, dass die Geburtshilfestation zum Jahresende geschlossen wird. Als maßgeblicher Grund wurde angeführt, dass die Suche nach Belegärzten für die Abteilung erfolglos geblieben sei. Das Krankenhaus brauche aber mindestens einen weiteren Arzt, um die Versorgung der Patientinnen, wie es der Gesetzgeber vorschreibe, auf Dauer zu gewährleisten. Von der Schließung sind 17 Hebammen in Teilzeit betroffen.

Thiel hat bei seiner Kritik vor allem das Land im Visier, dessen Gesundheitspolitik „eine Geburtshilfe in einer ländlichen Kreisstadt personell und wirtschaftlich ausbluten lässt.“ Er ergänzt: „Es macht mich fassungslos, dass die Menschwerdung weniger auskömmlich finanziert wird als ,hochtechnisierte’ ärztliche Leistungen wie zum Beispiel Radiologie oder Eingriffe wie Hüft- oder Kniegelenke.“ Er sei derzeit mit allen Beteiligten „in intensiven Gesprächen, um alles zu versuchen, was überhaupt noch machbar ist“. Er erwarte, dass die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) die „für uns existenziell unverzichtbare Grundversorgung für die werdenden Mütter durch die letzte noch in der Vulkaneifel vorhandene Geburtshilfe aufrechterhält“. Sie müsse die Rückgabe des Versorgungsauftrags zurückweisen und das Krankenhaus in die personelle und wirtschaftliche Lage versetzen, die Geburtshilfe weiter aufrechtzuerhalten. Er appelliere aber auch an die örtlichen Landtagsabgeordneten in den regierungstragenden Landtagsfraktionen der SPD, Astrid Schmitt, und der FDP, Marco Weber, an der für die Eifeler Bevölkerung so wichtigen Grundsatzfragen in der Gesundheitsversorgung mitzuwirken.

Die SPD-Politikerin hat kein Verständnis für Thiels Ausführungen: „Mit Beschimpfungen, Unterstellungen und einseitigen  Schuldzuweisungen sind die Probleme der Geburtshilfe nicht zu lösen. Mit diesem ‚Schwarze-Peter-Spiel‘ des Landrats wird den schwangeren Frauen im Kreis Vulkaneifel kein bisschen geholfen.“ „Grund für die alleinige Entscheidung des Trägers zur Schließung der Geburtshilfe sei die vergebliche Suche nach Belegärzten für die Fachabteilung. „Dem Gesundheitsministerium Untätigkeit vorzuwerfen, ist so unakzeptabel wie in der Sache falsch. Nun ist es die Aufgabe aller Beteiligten, konstruktiv darüber zu sprechen, wie es im Interesse der Patientinnen weitergehen kann. Dies kann nur im Dialog und in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen. Schuldzuweisungen helfen hier nicht weiter.“

Aus ihrer Sicht müssen Krankenhaus, Kreis, das Ministerium und auch die Abgeordneten gemeinsam nach Lösungen suchen, damit die Versorgung von schwangeren Frauen in der Region weiterhin gesichert ist. „Ich bin mir sicher, auch die kommunalen Gremien sind gerne bereit, daran mitzuarbeiten und das Möglichste zu tun“, erklärt der FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber.

Das Gesundheitsministerium hatte die Schließungs-Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen und darauf verwiesen, dass es immer klargemacht habe, dass es aktuell und mit Blick auf die Zukunft alle erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen habe, dass eine Geburtshilfe am Krankenhaus Daun weitergeführt werden kann. Dies gelte auch für den neuen Landeskrankenhausplan, der zurzeit aufgestellt werde.

Trotz der Entscheidung, die Geburtshilfe in Daun schließen zu wollen, bleibe die Versorgung von schwangeren Frauen in der Region gesichert.

„Träger ist für Schließung verantwortlich“