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Infrastruktur
Zweiter Rettungswagen statt Geburtsstation in Daun

Hebamme Gundula Jaskowsky (links) und Mitstreiter der Interessengemeinschaft Geburtshilfe Daun hängen beim Besuch der Gesundheitsministerin in Daun Fähnchen mit den Namen von Kindern auf, die in jüngster Vergangenheit im Krankenhaus in Daun geboren wurden.
Hebamme Gundula Jaskowsky (links) und Mitstreiter der Interessengemeinschaft Geburtshilfe Daun hängen beim Besuch der Gesundheitsministerin in Daun Fähnchen mit den Namen von Kindern auf, die in jüngster Vergangenheit im Krankenhaus in Daun geboren wurden. FOTO: TV / Mario Hübner
Daun. Laut Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gibt es in Daun keine Zukunft für eine Geburtshilfestation. Neben besseren Transportmöglichkeiten sollen für Schwangere Betreuungsangebote geschaffen werden. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Besorgte Bürger des Kreises Vulkaneifel bereiteten der Gesundheitsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), bei Minusgraden einen wenn auch nicht warmen, so doch kreativen Empfang bei ihrem Besuch in Daun am Freitagnachmittag: Sie hängten eine Leine mit bunten Blättern mit dem jeweiligen Namen eines Kindes auf, das in jüngster Vergangenheit im Krankenhaus Daun geboren worden war. „Schließlich geht es hier um Menschen mit einem Namen und nicht um Zahlen“, betonte Hebamme Gundula Jaskowsky. Damit, dass Kinder im Krankenhaus Daun geboren werden, ist bald Schluss. Und zwar nicht am Jahresende, wie vom Krankenhausträger bislang kommuniziert, sondern noch früher: Bereits an diesem Samstag ist Aufnahmeschluss, gab die Ministerin eine aktuelle Information des Krankenhauses weiter. Das überraschte auch Hebamme Jaskowsky, die bis dato fest davon ausging, „dass ich  an Heiligabend Dienst habe und bis Silvester arbeiten werde“.

Die Ministerin war – nicht zuletzt auf Drängen der Bürgerschaft, der regionalen Landtagsabgeordneten und von Landrat Heinz Peter Thiel – in die Kreisstadt gekommen, um, so der offizielle Titel, über die „Situation der Geburtshilfe in Rheinland-Pfalz zu sprechen. Im Endeffekt ging es aber um die spezifische Lage vor Ort: Denn die Gesellschaft der Katharinenschwestern hatte vor wenigen Wochen angekündigt, Ende des Jahres die Geburtshilfestation im Maria-Hilf-Krankenhaus in Daun zu schließen.

Dagegen protestierten und protestieren zahlreiche besorgte Bürger des Kreises – und zwar nicht nur bei der Großdemo mit rund 1500 Teilnehmern Ende November, sondern auch bei der Mahnwache, die etliche Bürger nun bereits in der dritten Woche täglich vor dem Krankenhaus in Daun veranstalten – bei Wind und Wetter.

Bei einer kleinen Gesprächsrunde bereits am Donnerstagabend in Daun haben sie der Ministerin eine Petition mit mehr als 8000 Unterschriften für den Erhalt der Geburtshilfestation im Kreis Vulkaneifel überreicht. Dem Protest und der Forderung haben sich inzwischen auch zahlreiche Kommunalparlamente im Kreis angeschlossen und Resolutionen für den Erhalt der medizinischen Einrichtung verabschiedet (siehe Info). Beim Treffen am Freitag in Daun dann aber die ernüchternde Aussage der Ministerin: „Im nochmaligen Gespräch mit dem Träger, das wir diese Woche hatten, kam erneut  klar zum Ausdruck: Eine stationäre Geburtshilfe in Daun wird es nicht mehr geben.“

Daher gelte es nun, nicht mehr zurück, sondern nach vorne zu schauen und Lösungen zu erarbeiten, um den Schwangeren im Kreis zu helfen“, sagte die Ministerin und nannte bereits ein konkretes Ergebnis: „Wir werden ab nächster Woche einen zusätzlichen RTW (Rettungstransportwagen, Anmerkung der Redaktion) inklusive Personal bereitstellen, der primär für den Transport von Schwangeren bereitsteht.“ Schließlich stehe der Winter vor der Tür, und die Wege zur nächsten Entbindungsstation würden weiter.

Allerdings sei dies nur als Übergangslösung für das das nächste halbe Jahr vorgesehen. Und obwohl die Rettungssanitäter speziell geschult würden, sei klar, dass sie keine ausgebildeten Gynäkologen seien. Dennoch würde den Frauen dadurch „ein Sicherheitsgefühl vermittelt, denn sie wissen, dass jemand da ist, der sie in die Klinik bringt“.

Die Kosten für Krankenwagen und Personal bezifferte sie auf 250 000 bis 300 000 Euro, die das Land und der Kreis tragen würden „und wo ich auch vom Träger des Krankenhauses Daun erwarte, das er sich zu gleichen Teilen beteiligt“, so die Ministerin.

Zudem würde an weiteren Ansatzpunkten gearbeitet. So werde ersten geprüft, eine Hebammenzentrale im Kreis zu installieren, wo Schwangeren auf kurzem Wege geholfen, sie beraten werden könnten. Zweitens werde überlegt, Unterbringungsmöglichkeiten für Schwangere und ihre Familien in den umliegenden Krankenhäusern oder in deren Nähe zu schaffen. Da seien aber noch viele Detailfragen zu klären.

Geklärt sein hingegen, dass sich die umliegenden Krankenhäuser gerüstet sähen, die werdenden Mütter aus dem Kreis Vulkaneifel aufzunehmen.