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Wirtschaft
Heimatshoppen in der Vulkaneifel: Interneteinkauf kommt nicht in die Tüte!

FOTO: TV / Mario Hübner
Am Heimatshoppen beteiligen sich die Gewerbetreibenden mehrerer Städte und Gemeinden im Kreis Vulkaneifel. Mit der Aktion soll der von der Onlinekonkurrenz in seiner Existenz bedrohte Handel vor Ort gestärkt werden. Von Angelika Koch und Vladimir Nowakowski

Bei allen Unterschieden, aller Konkurrenz und auch schon mal der ein oder anderen Unstimmigkeit (etwa bei der Absprache über verkaufsoffene Sonntage) – in diesem Punkt sind sich die Gewerbetreibenden aller Städte und Kommunen im Kreis Vulkaneifel einig, hier ziehen sie gemeinsam an einem Strang und beteiligen sich dementsprechend flächendeckend an der Aktion Heimatshoppen am kommenden Freitag und Samstag, 7. und 8. September (siehe Info). Das gilt für Daun ebenso wie für Gerolstein, für Hillesheim genauso wie für Jünkerath.

So meint Hans-Hermann Grewe, Vorsitzender des Gewerbevereins Geroteam Gerolstein: „Der Einkauf in der Heimat ist für die Betriebe vor Ort von existenzieller und für die Menschen, die hier leben, ebenso von immens wichtiger Bedeutung, denn: Wenn die Eifeler nicht in ihrer Heimat einkaufen, führt das dazu, dass Geschäfte, die Versorger, Arbeitgeber,  Ausbildunger und Sponsoren sind, von der Bildfläche verschwinden. Damit verändert sich die Region zum Schlechten, und das Angebot wird kleiner.“ Otto Christoph Spodat, Vorsitzender des Gewerbevereins Jünkerath, fügt hinzu: „Dem Kunden soll langfristig bewusst werden, dass er durch seinen Einkauf vor Ort auch sein Lebensumfeld gestaltet.“

„In Daun sind auch viele Touristen unterwegs, und erfahrungsgemäß lieben sie die entspannte Atmosphäre beim Shopping in Daun mindestens genauso wie die Einheimischen“, sagen Stefanie Mayer-Augarde und Marina Stolz als Vorsitzende des Gewerbe- und Verkehrsverein Daun. Es sei klar, dass sich die Dauner Geschäftsleute an der Aktion Heimatshoppen beteiligten. Umso mehr, als am Heimatshopping-Wochenende Tausende Mountainbiker aus ganz Europa samt Begleitung erwartet werden. „Die Teilnehmer des VulkanBike-Marathons bekommen von uns Gutscheine, die in den Geschäften Rabatte gewähren. Mit den Gutscheinen haben wir 2000 Heimatshoppen-Tüten gefüllt.“ Den Sportlern und ihren Begleitern – statistisch gesehen zwei pro Mountainbiker – soll Daun als gute Einkaufsstadt in Erinnerung bleiben, mindestens bis zum nächsten Sportevent. „Es ist gezieltes Außenmarketing“, bestätigt Marina Stolz.

Doch natürlich sollen auch die Einheimischen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig eine lebendige Innenstadt mit Geschäften für die Lebensqualität vor Ort ist. Andere Städte in Deutschland, die bereits mit teils gravierenden Leerständen zu kämpfen haben, finden spektakuläre Bilder wie das Verhängen der Schaufenster. So wollen sie zeigen, was ohne Läden in der City droht.

In Daun jedoch geht man beim Heimatshopping andere, optimistischere Wege, öffnet die Geschäfte am Freitag bis 19.30 Uhr und rollt den roten Willkommens-Teppich aus. Mit Flyern, den besonderen Heimatshopping-Tüten und Plakaten soll ein Ziel erreicht werden: „Wir möchten auf positive Weise dafür sensibilisieren, dass Einkaufen in der Heimatstadt mehr ist als Geldausgeben. Es ist auch eine starke Verbindung mit dem Gefühl, in Daun zu Hause zu sein“, so die beiden Vorstandsfrauen. Die meisten der Händler machen mit, so dass ein komplettes Sortiment unter dem Motto Heimatshopping antritt.

Auch die Gewerbetreibenden in Hillesheim nehmen am bundesweiten Aktionstag teil. „In den vergangenen Wochen wurden Kundenstimmen gesammelt, die auf die Vorteile des Einkaufs vor Ort hinweisen“, sagt Monika Kramp.

Am 7. und 8. September werden alle Einzelhändler der Marktstadt ihre Schaufenster mit Plakaten bestücken, die die Aussagen der Kunden zusammenfassen. „Auch Betriebe, die nicht Mitglieder des Gewerbevereins ,Hillesheim handelt´ sind, erhalten die Plakate.“ Die ursprüngliche Idee, alle Schaufenster der Stadt gänzlich zu verhüllen, habe der Gewerbeverein nicht weiter verfolgt. „Damit sollte demonstriert werden, wie eine Innenstadt aussehen könnte, wenn Einzelhandel, Dienstleiter und Gastronomie vor Ort aussterben, weil die Konkurrenz durch das Internet überhand nimmt“, erklärt die Buchhändlerin. Doch dieses Bild sei kontraproduktiv, findet sei: „Die Gewerbetreibenden wollen ja genau das Gegenteil zeigen – eine lebendige Stadt, mit belebten Geschäften, in denen den Kunden fachliche Beratung, ausgezeichneter Service und ein Lächeln geboten wird.“

Zudem werden in Hillesheim an diesem Wochenende sehr viele auswärtige Gäste erwartet: Vom 7. bis zum 9. September findet das Oldtimer-Treffen statt. „Und da sollten wir uns als das präsentieren, was wir auch sind. Eine gast- und kundenfreundliche  Kleinstadt.“