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Gummibärchendoktor geht in Ruhestand: Kinderarzt-Ehepaar hört auf - Nachfolge noch nicht gesichert

Nach mehr als 30 Jahren in Daun geht der Kinderarzt Friedemann Bertholdt im Juni in den Ruhestand. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Nach mehr als 30 Jahren in Daun geht der Kinderarzt Friedemann Bertholdt im Juni in den Ruhestand. TV-Foto: Brigitte Bettscheider FOTO: (e_gero )
Gerolstein. Seit 1981 ist Friedemann Bertholdt in Gerolstein als Kinderarzt tätig, seit 1993 auch seine Ehefrau Dominique Bertholdt. Entgegen ihres ursprünglichen Plans, die Praxis Ende 2014 zu schließen, haben sie bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Derweil arbeitet der Kreis daran, auch die kinderärztliche Versorgung langfristig zu sichern. Brigitte Bettscheider

Gerolstein. "Sofort wieder" würde Friedemann Bertholdt Kinderarzt werden. "Es macht einfach Spaß, mit Kindern zu arbeiten", erklärt der 66-Jährige.

Zwar räumt er ein, dass sich die Rahmenbedingungen in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit zum Negativen verändert hätten. "Aber, Gummibärchendoktor' genannt zu werden, betrachte ich als Ehrentitel", sagt er lachend und deutet auf ein bunt gefülltes Glas, das es in jedem Untersuchungs- und Behandlungsraum gibt.
Dass die kleinen Patienten oftmals nur mit Mühe der Mütter zu bewegen sind, die Praxis wieder zu verlassen, versteht sich - nicht nur wegen der Gummibärchen und des freundlichen Arztehepaares (siehe Stimmen).

So viele kunstvolle und gleichermaßen kindgerechte Tiere und Figuren gibt es in der offenen Architektur der Praxis in der Sarresdorfer Straße zu bewundern, mit so vielen tollen Spielsachen kann man sich beschäftigen.
1997 waren die Bertholdts mit der Praxis hierher umgezogen. Am 2. Januar 1981 hatte sich Friedemann Bertholdt auf Initiative des damaligen Stadtbürgermeisters Hans-Günter Geiser in der Gerolsteiner Hauptstraße niedergelassen. Bertholdts Ehefrau Dominique, ebenfalls Kinderärztin, ist seit 1993 mit in der Praxis. Das Paar hat drei Kinder. "Als Familie auf dem Land zu leben, hat viele Vorteile. Wir sind hierher gezogen, weil wir Kinder, Haustiere und frische Luft haben wollten", meint Dr. Bertholdt.

Doch offenbar sei dies für junge Ärzte heute kaum mehr attraktiv, meint er. Möglicherweise ein Grund, warum der Fortbestand seiner für zwei Kinderärzte geschaffenen Praxis sich so schwierig gestaltet. Immerhin habe er nach einem Jahr der intensiven Suche die Hoffnung, dass wenigstens eine der beiden Stellen wieder besetzt werde, sagt der Mediziner - "sonst wird es kritisch."
Andere Patienten warten


Drei der vier derzeit im Landkreis Vulkaneifel tätigen Kinderärzte sind im Rentenalter: die beiden Gerolsteiner Kinderärzte und der Dauner Kinderarzt Reinhold Jansen. Bliebe Martina Holz (36), die in Daun vor einem halben Jahr die Praxis von Dr. Hildegard Slabik-Münter übernommen hat (siehe Extra), als einzige Kinderärztin im Landkreis - "das wäre nicht zu schaffen", weiß Dr. Bertholdt.
Er selbst wird keine weitere Verlängerung nach dem 30. Juni nehmen, allenfalls wäre er bereit, seine Nachfolger einzuarbeiten. Danach stünden dann andere "Patienten" auf seinem Plan, sagt der Sammler und Restaurator von antiken Möbeln und Oldtimern.
Extra

Martina Holz (Foto: Archiv/Brigitte Bettscheider) arbeitet schon seit dem 1. Oktober 2014 in Daun. Am 1. Juli 2015 übernahm sie die Praxis von Hildegard Slabik-Münter. Holz studierte in Köln Medizin. Sie war Assistenzärztin an Kliniken in Köln und Saarbrücken. Die Entscheidung für Daun und eine Landarztpraxis sei bewusst gefallen - wegen der Freundlichkeit der Menschen und der Schönheit der Natur. bbExtra

Die Sicherstellung der kinderärztlichen Versorgung habe einen hohen Stellenwert, heißt es von der Kreisverwaltung. Die von Landrat Heinz-Peter Thiel geleitete Steuerungsgruppe "Gesundheitsversorgung", bestehend aus Vertretern der Kreisverwaltung und Akteuren aus den Bereichen Haus- und Facharztversorgung, der Pflege und der Krankenhäuser sowie der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz (RLP) habe sich bereits mit der Problematik befasst. Im April finde ein Treffen mit den Chefärzten der Kinderkliniken der Region statt. bbExtra

Steffi und Reinhold Trenzen aus Gerolstein mit Finn (4) und Jule (2): "Wir fühlen uns mit unseren Kindern in der Praxis von Dr. Bertholdt sehr gut aufgehoben. Er wird uns auf alle Fälle fehlen. Marina und Marc Zilligen aus Lissingen mit Jule(7), Nele (5) und Benjamin (1): "Wir sind beide vom Baby- bis ins Erwachsenenalter Patienten von Dr. Bertholdt gewesen und sind froh, dass er auch unsere Kinder betreut hat. Mit drei Kindern nach Daun oder Prüm zum Kinderarzt fahren zu müssen, ist eine Verschlechterung. bb

FOTO: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"