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Heinz Onnertz rechnet ab, Kollegen fehlen die Worte

Landrat Heinz Onnertz.
Landrat Heinz Onnertz. FOTO: privat
Daun. Bei seiner Rücktrittsankündigung ist Landrat Heinz Onnertz (62) mit CDU, Bürgerunion Vulkaneifel (BUV) und Eifelzeitung hart ins Gericht gegangen. In der Kreisverwaltung herrschte Fassungslosigkeit und bedrückende Stille. Mario Hübner

Daun. So einen Wochenstart muss man erst einmal verkraften: Am Montagmorgen kurz nach Dienstbeginn in der Kreisverwaltung Vulkaneifel wird kurzfristig zu einer Personalversammlung für den Vormittag eingeladen. "Was haben wir mit seinem Rücktritt bei der Sparkasse zu tun?" denken sich da schon die Ersten, und ihnen schwant, dass da noch mehr kommt.
Die Stimmung im Kreishaus ist bedrückt, als die ersten Medienvertreter kurz vor Mittag eintrudeln - offiziell zur Pressekonferenz wegen des Sparkassenrücktritts. Aus dem Sitzungssaal, wo noch die Belegschaft informiert wird, dringt Applaus. Dann gehen die Türen auf und es wird schnell klar, dass keine Jubelstimmung herrscht.
Im Gegenteil. Einige Mitarbeiter ziehen mit leerem Blick vorbei, anderen ist die Bestürzung anzusehen, manche schütteln den Kopf, einige klammern sich erst einmal am Treppengeländer fest. So wie Kreisjugendpfleger Kurt Laux: "Das ist überraschend - total. Ich kann gar nichts sagen." Die meisten wollen nichts sagen. Im Landratszimmer sollen bei engen Vertrauten Tränen fließen.
Kurz vorher hatte Landrat Onnertz mitgeteilt, dass er zum 31. März 2013 vorzeitig in den Ruhestand geht - wegen der "Hetzkampagne der Eifelzeitung" gegen ihn und der "Blockadepolitik von CDU, BUV und dem Linken" im Kreistag. Später sagt er, dass ihm das "wegen seiner Kollegen, und denjenigen, die mich gewählt haben, leidtut und traurig macht. Aber ich kann nicht mehr."
Es ist deutlich zu spüren, dass Onnertz vom überwiegenden Teil der Mitarbeiterschaft der Kreisverwaltung geschätzt wird. Das bestätigt Verena Bernardy. Sie sagt: "Der Chef ist beliebt - wegen seiner menschlichen Art und weil er immer ein offenes Ohr für die Belange seiner Mitarbeiter hat. Wir sind bestürzt." Onnertz wiederum nutzt seine Rücktrittsankündigung, um mit seinen Gegnern abzurechnen: "Wenn man einerseits jeden Donnerstag als Idiot hingestellt, mit unverschämten und ungeheuerlichen Unterstellungen wie etwa Untreuevorwürfen belastet, mit anonymen Anzeigen konfrontiert wird - an denen natürlich nichts ist - und wenn andererseits die eigene Arbeit stets durch eine Blockade konterkariert wird, dann gibt man irgendwann auf."

CDU-Fraktionsvorsitzender Herbert Schneiders: "Ich begrüße diese Entscheidung. Sie ist konsequent und richtig. Dass es eine Blockadepolitik oder Hetzkampagne gegen ihn gibt, ist mir neu. Dass die BUV in Sachfragen in letzter Zeit öfter bei der Union lag, hat ihn wohl geärgert, da er sich nach der Kommunalwahl eine andere Koalition zusammensuchen wollte." Gedanken um einen Kandidaten habe sich die CDU noch nicht gemacht. Schneiders: "Was wir wollen, sind wieder klare Verhältnisse."
SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Jenssen: "Ein ganz bitterer Tag. Die Entscheidung macht mich traurig und erschüttert mich. Der Landkreis konnte stolz sein, solch einen Landrat zu haben: Einen, der authentisch und aufrecht ist und direkt auf die Menschen zugeht. Leider ist es genauso, wie er sagt: Sobald Heinz Onnertz hinter einer Idee steht, gibt es keine Mehrheit. Egal wie gut sie ist. Und der Vorwurf der Hetzkampagne stimmt auch: Die unsägliche Rolle der Eifelzeitung, mit der Machtmissbrauch betrieben wird, ist Hauptgrund für die vergiftete Stimmung im Kreis."
FWG-Fraktionssprecher Jörg Leclaire: "Das ist sehr schade für den Kreis, wenngleich ich die Entscheidung persönlich nachvollziehen kann. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung unter Onnertz\' Leitung war immer ordentlich und positiv."
FDP-Fraktionsvorsitzender Edmund Geisen: "Für den Kreis, um dessen Existenz es geht, ist das erschütternd. Ich bin mir aber sicher, dass er seine Entscheidung gewissenhaft getroffen hat. Und ein Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen ist zu respektieren. Wegen politischen Gegenwinds alleine aber nicht."
Karl-Wilhelm Koch (Grüne): "Angesichts der Schlammschlacht gegen Onnertz kann ich die Entscheidung nachvollziehen, ich bedauere sie aber zutiefst. Die Politik wird dadurch im und für den Kreis nicht leichter." Ulli Meyer (Die Linke) meinte: "Das ist seine persönliche Entscheidung, die ich respektiere." BUV-Fraktionsvorsitzender Peter Lepper war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.Meinung

Vertrauen ist sein Verdienst
Neben allen Einzelprojekten, bei denen zuerst die millionenschwere Generalsanierung der Schullandschaft im Kreis zu nennen ist, liegt das Hauptverdienst von Heinz Onnertz im psychologischen Bereich: Mit seiner offenen und unbekümmerten Art frei von Allüren hat er vielen Bürgern den Glauben an Politik und Politiker wiedergegeben: "Das ist einer von uns, der hört uns zu." Onnertz war und ist im Volk beliebt und gilt als Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit, die - das darf man nicht vergessen - anfangs gut und gerne mit Peter Lepper und der Eifelzeitung kooperiert hat. Dass er sich nun dem Druck beugt, wird im Volk für Vertrauensverlust in die Politik sorgen. Und den in seiner Existenz gefährdeten Landkreis Vulkaneifel wird dies weiter beuteln. Momentan ist in den Reihen der Onnertz-Gegner niemand zu sehen, der auch nur annähernd in seine Fußstapfen treten könnte. m.huebner@volksfreund.de