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"Hier wedelt eindeutig der Schwanz mit dem Hund"

Licht am Horizont oder bleiben düstere Wolken? Der Streit um die Windkraft dauert an.TV-Foto: Maria Adrian
Licht am Horizont oder bleiben düstere Wolken? Der Streit um die Windkraft dauert an.TV-Foto: Maria Adrian FOTO: (e_daun )
Kelberg/Mannebach. Kein Kompromiss in Sicht: Die Bürgermeister der sieben Dörfer, die Windräder auf ihren Gemarkungen befürworten, beharren auf ihren Vorstellungen. Die Einnahmen wären unverzichtbar. Die Wählergruppe Sturm im Wald sieht das jedoch völlig anders.

Kelberg/Mannebach. Kann der Streit um die Windkraft in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg durch einen Runden Tisch und die Einschaltung eines externen Moderators gelöst werden? Der Vorschlag ist von Reinhold Jansen, Sprecher der Fraktion der Wählergruppe (WG) Sturm im Wald im VG-Rat Kelberg, vor Kurzem gekommen.
Die Bürgermeister der sieben Orte (siehe Extra), die Windkraft als eine künftige wichtige Einnahmequelle für die Dörfer sehen, sind skeptisch, ob so wirklich ein "Befreiungsschlag" in einer verfahrenen Situation gelingen könnte. Jansens Vorstoß sei "grundsätzlich sehr vernünftig. Wir haben allerdings erhebliche Zweifel, dass dies im vorliegenden Fall zielführend sein wird", heißt es in einer Stellungnahme.
Keinen persönlichen Vorteil


Denn bisher hätten die Windkraftgegner in allen Gesprächen und Sitzungen deutlich gemacht, dass sie nicht zu Kompromissen bereit seien. Die Einschätzung der Bürgermeister: "Sie verfolgen vehement eine Null-Lösung für unsere VG." Was sind ihre Befürchtungen? "Wenn die Beschlussempfehlungen der Ausschüsse im VG-Rat angenommen würden, dann wären die geforderten 200 Meter Abstand zur Geschichtsstraße das komplette Aus für die Planungen von Retterath/Kolverath und von Mannebach/Bereborn."
Die Umsetzung der Forderung von 1000 Meter Abstand zu Ortschaften würde ebenso das Aus für die Planung Oberelz/Arbach bedeuten. Vor diesem Hintergrund ist die Priorität der Bürgermeister eindeutig: "Wir verzichten lieber auf die Geschichtsstraße als auf die Windräder."
Sie hatten mit einem Brief an die VG-Ratsmitglieder für Diskussionsstoff gesorgt. Darin hatten sie angekündigt, die bestehende Geschichtsstraße in den Dörfern, die sie vertreten, zu "eliminieren" oder eine geplante Erweiterung zu verhindern, wenn die Ausschussempfehlungen umgesetzt würden. "Wir haben bewusst Polemik eingesetzt. Die Windkraftgegner sind auch nicht zimperlich, was ihre öffentlichen Äußerungen und Verlautbarungen angeht", sagt Walter Eich, Bürgermeister von Mannebach und Vorsitzender der VG-Ratsfraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft Hochkelberg.
Aus seiner Sicht ist die Atmosphäre "durch das bisherige Agieren der WG Sturm im Wald vergiftet, die die Verwaltung ständig mit Anträgen bombardiert und diese so regelrecht lahmgelegt." Es könne nicht sein, dass eine zahlenmäßig kleine Fraktion (14,9 Prozent bei der Kommunalwahl 2014) so agiere, als ob sie die "überwältigende Mehrheit" vertreten würde. "Hier wedelt eindeutig der Schwanz mit dem Hund", heißt es in der Stellungnahme. Eich sieht die Zusammenarbeit im und mit dem VG-Rat durch das Schreiben der Bürgermeister nicht gefährdet: "Im Gegenteil! Wir glauben, dass die Zusammenarbeit eher noch gestärkt wurde. Wir sind jedenfalls davon überzeugt, dass unser Brief eine aus unserer Sicht positive Wirkung gezeigt hat."
Lebenswerte Orte


Den Vorwurf "geldgierig" zu sein, wollen die Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen. "Keiner von uns hat auch nur den geringsten persönlichen Vorteil von der Umsetzung der Windkraftpläne. Wir versuchen lediglich, auf legalem Weg an Einnahmen für unsere Gemeinden zu kommen, um die Aufgaben der Zukunft besser bewältigen zu können und so auch unseren Kindern lebenswerte Orte mit intakter Infrastruktur zu bieten." Stellvertretend für seine Kollegen sagt Eich: "Sowohl wir Ortsbürgermeister als auch unsere Ratsmitglieder sind ausnahmslos demokratisch gewählt worden und zum größten Teil schon über viele Jahre oder gar Jahrzehnte ehrenamtlich kommunalpolitisch tätig. Über ein derartiges Stehvermögen und solchen Idealismus haben die Windkraftgegner noch den Beweis zu führen."stsExtra

Die Stellungnahme haben die Bürgermeister Uwe Schöne (Arbach), Johannes Schu (Bereborn), Jürgen Rieder (Kolverath), Dirk Grombein (Lirstal), Albert Grohnert (Oberelz), Hermann Hay (Retterath) und Walter Eich (Mannebach) unterschrieben. Ihren Plänen zufolge könnten im Bereich Retterath/Kolverath vier Windkraftanlagen entstehen, im Bereich Mannebach/Bereborn sieben, in Lirstal drei bis vier und im Bereich Arbach/Oberelz sechs. Das VG-Ratsmitglied der Grünen, Peter Kühbach, kritsiert das Vorgehen der Bürgermeister. "Wenn ich zwei, drei Jahre zurückschaue, da war noch innerhalb der VG große Einigkeit, als es um ihren Erhalt ging. So aber wird das nichts, und die Verantwortung dafür haben allein die sieben Bürgermeister zu tragen." Sein Vorschlag für die Planung: Nur ein Windkraftpark mit maximal acht bis zehn Anlagen "in Abstimmung mit den Menschen, im Einklang mit der Umwelt sowie der Landschaft und dann die Einnahmen nach einem festzulegenden Schlüssel auf alle Gemeinden verteilen". sts