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Hundert alte Tonkrüge und ein ungelöstes Rätsel

In Thomas Klevers kleinem Museum ist die Anfangszeit der Mineralwasserabfüllung in Birresborn und Gerolstein anhand der damals üblichen Tonflaschen und Tonkrüge dokumentiert. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
In Thomas Klevers kleinem Museum ist die Anfangszeit der Mineralwasserabfüllung in Birresborn und Gerolstein anhand der damals üblichen Tonflaschen und Tonkrüge dokumentiert. TV-Foto: Brigitte Bettscheider
Gerolstein. Tonkrüge und Tonflaschen haben es Thomas Klever angetan. Er sammelt solche Behältnisse für Mineralwasser, die es zu Beginn der Abfüllung in Birresborn und Gerolstein gab. Ebenso umfassend ist sein Wissen über Material, Herstellung und Markenzeichen der Gefäße. Nur ein Markenzeichen gibt Klever Rätsel auf. Brigitte Bettscheider

Gerolstein. "Papas kleines Museum", nennen Thomas Klevers Töchter Julia (11) und Sarah (8) die drei Vitrinen mit den Schätzen aus Ton und Glas. Rund 100 Stücke von zehn verschiedenen Brunnenbetrieben und deren Zweitmarken, die es früher in der Region einmal gab, umfasst die Sammlung im Hotel Landhaus Tannenfels. Dort unterstützt der Bankkaufmann nach Feierabend seine Eltern bei der Bewirtung der Gäste und weiht diese auf Wunsch - so wie jetzt den Trierischen Volksfreund- gleichermaßen informativ und unterhaltsam in die Anfänge der gewerbsmäßigen Mineralwasserabfüllung ein.
Als Wärmflasche genutzt


Von einem der ersten Tonkrüge, die seit 1724 an der damals neu gefassten Quelle "Siedinger Drees" (zwischen dem heutigen Rathaus in Gerolstein und der alten Mühle an der Kyll) abgefüllt wurden, besitzt Thomas Klever nur eine Scherbe. Seine ältesten vollständig erhaltenen Exponate (um 1750) erkennt man an der Form und an den typischen Querrillen; wurde doch bis zur Erfindung der Krugpresse im Jahr 1879 jedes einzelne Stück von Hand auf der Töpferscheibe gefertigt. "Alles Einwegflaschen", erklärt Thomas Klever. Denn da die Befüllung durch Eintauchen in die Quelle erfolgte, musste sichergestellt sein, dass die Flaschen absolut sauber waren. Zudem kosteten sie nur wenige Pfennige. Die Leute verwendeten sie aber später oft noch für andere Zwecke, nämlich als Behältnis für andere Flüssigkeiten oder mit Sand gefüllt und im Ofen erhitzt als Wärmflasche.
Sammel- leidenschaft


Und so wie es dem Sammler Klever selbst vor 25 Jahren erging ("Ich kaufte die erste Flasche, weil ich sie schön fand und sie gut in unser Hotel passte"), so mögen auch die Käufer von Mineralwasser seinerzeit die Krüge und Flaschen als Dekorationsstücke aufbewahrt haben.
Und wenn Klever im Zusammenhang mit seiner Sammlung von "Champagnerverschluss" spricht, meint er die mit Korken, Holz, Draht und Wachs verschlossenen Tonflaschen. "Leute, die sich abgefülltes Mineralwasser leisten konnten, gingen in die Apotheke und zahlten für eine Flasche so viel wie für ein Kilo Rinderbraten", erzählt Klever. Die meisten Bewohner von Gerolstein und Birresborn bedienten sich kostenlos an den so genannten Drees-Quellen.
Jedes Stück liegt ihm am Herzen, keine Frage. Doch ins Schwärmen gerät Thomas Klever bei der Tonflasche, die nach Übersee exportiert worden war und nach der er zehn Jahre gesucht hatte, bis er sie in Ohio/USA ersteigerte. Jetzt steht sie in seinem kleinen Museum, das auch zwei Stempel aus dem besonders harten Buchsbaumholz mit in Spiegelschrift handgeschnitzten Markenzeichen beherbergt. Diese Stempel dienten zur Kennzeichnung der Tonflaschen. Sie wurden vor dem Brennen in den feuchten Ton gedrückt. Und zeigen den bis heute noch verwendeten Gerolsteiner Stern mit innen liegendem Löwen.
"Es sind die beiden letzten noch erhaltenen Exemplare", vermutet Thomas Klever. Zu seiner Sammlung zählen auch die grünen und weißen Glasflaschen mit Hebel-, Kapsel- und Schraubverschlüssen und mit den dazu gehörenden historischen Etiketten zur Dokumentation der Abfüllgeschichte seit 1900.
"Tonflaschen sind meine eigentliche Leidenschaft", erklärt Thomas Klever, der über seine Schätze einen elfseitigen Bericht für das Heimatjahrbuch 2012 des Landkreises Vulkaneifel verfasst hat. Immer noch ungelöst ist allerdings das Rätsel, warum seit 1880 auf den letzten in Birresborn abgefüllten Tonkrügen und Tonflaschen als Markenzeichen ein Elefantenkopf verwendet wurde (ein einfacher Elefantenkopf für den inländischen Markt, ein Elefantenkopf mit Stoßzähnen und einer Krone für den Export nach Nord- und Südamerika). Wer die Lösung hat - unbedingt melden!
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