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Justiz
Im Rausch die Eisdiele auseinandergenommen: Amtsgericht Daun verurteilt zwei Männer

Hat durch den Vandalismus nach eigener Aussage 10 000 Euro Schaden erlitten und lange gebraucht, um Ersatz für die zerstörte Vitrine zu bekommen. Eisdielenchef Fadil Qiku.
Hat durch den Vandalismus nach eigener Aussage 10 000 Euro Schaden erlitten und lange gebraucht, um Ersatz für die zerstörte Vitrine zu bekommen. Eisdielenchef Fadil Qiku. FOTO: Mario Hübner
Daun/Gerolstein. Das Amtsgericht Daun hat zwei junge Männer, die im Winter im Pavillon am Kyllpark in Gerolstein im Suff randaliert und geklaut haben, zu je 200 Sozialstunden und einer Suchtberatung verurteilt. Das Duo will die Strafe akzeptieren. Von Lydia Vasiliou

„Hätten sie sich entschuldigt, wären wir heute nicht hier“, sagt der Inhaber des Eis-Pavillons am Kyllpark in Gerolstein bei der Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Daun. Er meint die beiden Jugendlichen im Alter von 19 und 20 Jahren aus der Verbandsgemeinde Hillesheim, die auf der Anklagebank sitzen.

Die haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in der Nacht  auf den 19. November 2017 betrunken in dem im Umbau befindlichen Pavillon randaliert und geklaut. Konkret sollen die beiden Heranwachsenden, als die sie juristisch gelten, in den abgeschlossenen Pavillon eingebrochen sein, drinnen mehrere Gegenstände und sieben Fensterscheiben zerstört sowie Werkzeuge, eine Lautsprecherbox, zwei Überwachungskameras sowie Getränke gestohlen haben. Auch haben sie laut Anklageschrift die Scheiben der Eisvitrine zerstört, auf die der Besitzer nach eigener Auskunft lange gewartet hat, „weil man die nicht einfach so kaufen kann“. Ihm sei ein Schaden von gut 10 000 Euro entstanden, sagt der Mann. Fotos, die Richterin Julia Schmitz-Garde präsentiert, zeigen das Ausmaß der Verwüstung.

Aber wo sind die gestohlenen Sachen geblieben? Daran können sich die Angeklagten nach eigenem Bekunden nicht mehr erinnern, auch nicht, wie sie abtransportiert worden seien. Was sie noch wissen: Sie hätten in dieser Nacht zwei Flaschen Gin getrunken.

Doch der Eisdielenchef hat nach eigener Aussage erfahren, dass die Beiden das Diebesgut in einer Gaststätte haben verkaufen wollen. Bei einer Hausdurchsuchung ist jedenfalls nichts gefunden worden, erklärt ein Polizeibeamter, der als Zeuge geladen war und die jungen Leute rund vier Wochen nach der Tat vernahm.

Die sozialen Rahmenbedingungen der Angeklagten seien sehr schlecht, sagt ein Mitarbeiter des Jugendamtes, der deswegen empfiehlt, das mildere Jugendstrafrecht anzuwenden. Staatsanwältin Susanne de Renet hingegen betont, wie gravierend dort randaliert wurde: „Das war beinahe existenzgefährdend“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie nicht glaube, dass die Angeklagten von so gut wie nichts mehr wüssten. Hingegen hält sie ihnen zugute, dass sie die Tat gestanden haben. Strafmildernd sei auch, dass sie keine Vorstrafen hätten. Daher ist sie bereit, eine Strafe nach dem Jugendstrafrecht zu fordern – in dessen Rahmen plädiert sie aber für ein hohes Strafmaß: Je 200 Stunden gemeinnützige Arbeit (in der Eisdiele oder andernorts), Drogenscreenings und eine Entschuldigung beim Inhaber. Sie versäumte nicht, den Beiden ins Gewissen zu reden: „Ihr könnt echt das Ruder noch rumreißen.“

Richterin Julia Schmitz-Garde schloss sich der Forderung weitgehend an. Sie verurteilte die jungen Männer im Rahmen des Jugendstrafrechts zu je 200 Sozialstunden. Hinzu kommt die Auflage, vier Suchtgespräche bei der Caritas zu führen (denn einer der beiden hat zudem ein Drogenproblem). Zusätzlich muss einer der Jungs vier Mal jährlich im Krankenhaus in Gerolstein eine Urinprobe abgeben, wenn er nicht hingehe, gelte das als positives Ergebnis. Wenn alles funktioniere, sehe sie von einem Arrest ab.

Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel werden die Kosten des Verfahrens von der Staatskasse übernommen. Die Angeklagten sagten gegenüber dem TV, dass sie keine Berufung einlegen wollen. Damit wäre das Urteil rechtskräftig.