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Brauchtum
Mit Dreschflegel, Pferdepflug und Sensen

Mit Heugabel und Rechen wurde früher das Getreide zu Garben gebunden. Dafür war jede Menge Handarbeit nötig, wie diese beiden Herren zeigen.
Mit Heugabel und Rechen wurde früher das Getreide zu Garben gebunden. Dafür war jede Menge Handarbeit nötig, wie diese beiden Herren zeigen. FOTO: TV / Privat
Mückeln. In Mückeln laufen die letzten Vorbereitungen zum überregional bekannten und mit rund 2000 Zuschauern immer wieder gut besuchten Erntedankfest. Höhepunkt: der historische Festumzug. Mehr als 30 Gruppen machen mit. Von Lydia Vasiliou

Wenn ein Dorf zehnmal mehr Gäste begrüßt als es Einwohner hat, muss was Besonderes los sein. In Mückeln ist das so seit mehr als 50 Jahren. Seither wird die Tradition des Erntedankfestes gepflegt. Im Turnus von zwei Jahren kommen die Besucher in den 230-Einwohner-Ort in der Verbandsgemeinde Daun, um die reich geschmückten Wagen und Fußgruppen bei dem großen Festumzug am Sonntag zu bewundern.

„Wir haben schon im Januar mit der Planung begonnen“, sagt Alois Otten, Vorsitzender des Männergesangvereines, der in diesem Jahr für die Organisation zuständig ist. Welcher Verein federführend an den Vorbereitungen beteiligt ist, wechselt von Jahr zu Jahr.

Etwa drei Wochen vor dem Ereignis beginnen die Mückeler mit dem Bau der Motivwagen. Die Geschichte soll wieder aufleben: Es gibt eine Erntekrone und Getreidewagen und auch Gemüse- und Obsternte sind Thema.

Die Viezkönigin aus Gillenfeld symbolisiert die Apfelernte, Gerätschaften, die früher zur Ernte benötigt wurden, sind ebenso zu sehen wie Motive vom Schweinehüten, Angeln, Nähen, alte Hochzeitsgesellschaften, Kindertanz oder Imker. Erstmals wird auch ein Winzer sein Handwerk in Mückeln präsentieren.

Ein Markttag wird original mit Eseln, Gänsen, Hühnern und anderen Tieren in Szene gesetzt, Pferde ziehen die Wagen, „alles unter Berücksichtigung des Tierschutzes“, sagt Otten. Dazu werden frisches selbstgebackenes Brot und Hefekuchen aus dem alten Backes für die Zuschauer angeboten. Wie in alten Zeiten wird auf dem Festplatz beim Bürgersaal im Anschluss an den Umzug das Getreide mit einer alten Dreschmaschine gedroschen.

„Die komplette Dorfbevölkerung ist eingespannt“, sagt Otten, „ohne deren Einsatz ist das Ganze kaum umzusetzen.“ Wegen des großen Aufwands habe man in den 70er Jahren beschlossen, das Erntedankfest nur alle zwei Jahre zu veranstalten. Und was macht das Fest in Mückeln so besonders?

Von Anfang an, seit 1967, habe das Erntedankfest eine große Resonanz erfahren, erklärt Otten. Und das habe dazu beigetragen, dass der Ansporn und die Motivation der Bürger geblieben sei. In diesem Jahr gestalten rund 30 Gruppen den Umzug. Dazu gehören drei Musikvereine, 15 bis 16 Wagen und den Rest bilden die Fußgruppen.

Eingeleitet wird das Fest am Samstag, 15. September, ab 20.30 Uhr mit einem Heimatabend. Zunächst bringen die Musikanten aus Kennfus die Gäste in Schwung. Passend zum Anlass geht’s anschließend weiter mit Volksmusik der Draxler-Buam vom Bodensee.

Der große Umzug startet am Sonntag, 16. September, um 14 Uhr.

Altes Gerät: So ging es früher mit dem Pflug über das Feld.
Altes Gerät: So ging es früher mit dem Pflug über das Feld. FOTO: TV / Privat