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Kultur
Hauptsache, es ist ihr eigener Weg

Daun. Stefanie Mayer-Augarde hat ihre neuen Galerieräume in Daun eröffnet. Zur Feier gibt es Ölgemälde, Radierungen und Aquarelle von Maf Räderscheidt zu sehen. Von Brigitte Bettscheider

Nein, den Umzug innerhalb der Burgfriedstraße - von Nummer 5 nach 14 (siehe Extra) - ausgerechnet mit Maf Räderscheidt zu feiern, sei kein Zufall, erklärt Stefanie Mayer-Augarde bei der Vernissage. „Seit fünfeinhalb Jahren bin ich immer auf der Suche nach neuen starken Positionen“, sagt sie mit Blick auf die Zeit, die seit der Gründung der Galerie vergangen ist, und auf ihr Credo, dass eine Kunstgalerie keine Großstadt als Umfeld benötige. Maf Räderscheidts „sehr vielseitiges, sehr hochkarätiges und außerordentliches Werk“ habe sie schon lange interessiert. „Verstanden habe ich es trotz intensiver Beschäftigung nicht mal annähernd“, räumt die Galeristin ein. Doch wer weiß. Möglicherweise hat das Gespräch, das die promovierte Musikwissenschaftlerin und Autorin Eva Weissweiler (Köln und Demerath) an diesem Abend (vor vollem Haus und bei Michael Frangens Trompetenmusik zwischen den Worten) mit der befreundeten Künstlerin führt, einen Beitrag zum Verständnis geleistet. Denn offenbar ist es so, dass die persönliche Lebensgeschichte Maf Räderscheidts mit ihrer Künstlerbiografie besonders eng einhergeht.

War sie doch schon als Kleinkind wie zu Hause im Atelier ihrer Großmutter Marta Hegemann, die mit ihrem Mann Max Räderscheidt zu den Ikonen der klassischen Moderne zählt. Lebt die heute 65-Jährige doch von Kunst, seit sie 17 war – „wenn auch mal mehr, mal weniger gut“, erzählt sie. Und: Alles habe sie werden dürfen, nur nicht Künstlerin. „Aber nichts wollte ich werden außer Künstlerin“, erklärt sie. Sie schmiss eine Buchhändlerlehre. Sie schloss das Studium an den Kölner Werkschulen als Meisterschülerin ab.

„Klassische Schinken, klitzekleine erotische Radierungen, großformatige Schwarz-Weiß-Malerei, altehrwürdige Ölmalerei“, lautet ihre Antwort auf Eva Weissweilers Frage nach Themen und Motiven im Lauf der Jahrzehnte. „Hauptsache, es ist mein eigener Weg“, betont sie.

Dass nicht Stil oder Material sie interessieren, sondern allein die Aussage zählt; dass sie seit Jahren jeden Tag die Abbildung eines ihrer Kunstwerke ins Netz stellt; dass sie Tierschützerin, Frauenrechtlerin und Pazifistin ist – all das kommt lebhaft und schlagfertig zur Sprache.

Von ihren politischen und sozialen Projekten (zuletzt ein „Friedenstor“ mit Flüchtlingen) ist ebenso die Rede wie vom Männer dominierten Kunstmarkt und von ihrer Liebe zur und ihrer Kritik an der Eifel als ihrer Heimat. Was auch Thema in ihrem kürzlich erschienen Roman „Die Küsse der Farben“ ist (siehe Info).

Mehr als zwei Dutzend Ölgemälde umfasst die Ausstellung in Daun, die außergewöhnlich und auch sehr herausfordernd für den Betracher ist. Das gilt auch für die  Kohlezeichnungen und für die Aquarelle von Maf Räderscheidt.

Die Galeristin Stefanie Mayer-Augarde (rechts) präsentiert in ihren neuen Räumen die Kunst von Maf Räderscheidt (MItte) - hier mit Dr. Eva Weissweiler (links), die in die Ausstellung einführte.
Die Galeristin Stefanie Mayer-Augarde (rechts) präsentiert in ihren neuen Räumen die Kunst von Maf Räderscheidt (MItte) - hier mit Dr. Eva Weissweiler (links), die in die Ausstellung einführte. FOTO: Brigitte Bettscheider