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"Jetzt han ech Träne in d’r Auge"

NIEDEREHE. (vog) Karneval im Herbst zum 50. Geburtstag: Bei den Niedereher Hönselnarren gelang das Experiment. 350 Gäste kamen zur Nostalgiesitzung, bei der die Programmhöhepunkte aus den Jahren zwischen 1958 und 1987 wieder aufgelegt wurden.

"Drei Mol Hönselnarren Alaaf", rief Sitzungspräsident Thomas Ewertz ins voll besetzte Festzelt. Das Publikum, teilweise in Karnevalskostümen, antwortete prompt und lautstark. Die Stimmung stieg und stieg. Nach einem Vorprogramm folgten Raketen auf Raketen. Bei der Nostalgiesitzung zum 50-jährigen Bestehen der Niedereher Hönselnarren präsentierte Ferdi Backes seine Büttenrede als Tröötemann von 1958. Ludwig Probst, gebürtiger Niedereher, war aus der Nähe von Braunschweig angereist, um den "Bauernvertreter" von 1960 wieder aufleben zu lassen. Er plädierte für die Landwirte, die sich nie verrechnen, und forderte eine Überhangsteuer für Frauen mit großen Busen. Um Kindergeld und Steuern ging es auch in der Rede vom italienischen Gastarbeiter alias Dieter Kalbusch, der heute in Leverkusen lebt. 1972 meinte er, die Kirchensteuer sei eine Versicherung gegen das Fegefeuer. Zwiegespräche und Anekdoten

Kaum hatte er seine Bauschaufel aus der Hand gelegt, kamen drei Straßenarbeiter mit Schaufel, Besen und Harke auf die Bühne. Resi Lux, Rosi Kalbusch und Marlene Reinarz überzeugten heute wie auch 1971 damit, dass bei den "Drei von d'r Strooß" alles "jemaach zo sich jeht". Außerdem standen zwei Zwiegespräche von 1976 und 1987 sowie ein Beitrag der Hönsellerchen von 1975, Gardetänze und ein Tanz aus den 50er Jahren auf dem Programm der Nostalgiesitzung. Anekdoten waren das schmückende Beiwerk. Probst erzählte von einem Bundeswehrhelm, den er als Rednerrequisite verwendete und vorher mit Schusslöchern präparierte. Bei der Rückgabe in der Kaserne retteten ihn glückliche Umstände vor dem "Bau". Auch die Gastvereine aus Wardt am Niederrhein, Kerpen, Wiesbaum-Mirbach, Dreis-Brück, Nohn und Walsdorf sorgten für Stimmung. Überraschend trat Franz Becker aus Kerpen als Dorfschulze auf. Sitzungspräsident Ewertz rang um Worte und sagte: "Mensch Franz, jetzt han ech Träne in d'r Auge."