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Klare Ansage: Zugverkehr nur mit neuer Brücke

Eine Spezialfirma untersucht im Auftrag des Landes den Zustand der baufälligen Kyllbrücke bei Pelm, über die die Eifelquerbahn führt. Und stellt fest: Die Brücke kann nicht mehr genutzt werden. Kreise und Verbandsgemeinden wollen nun eine Reaktivierung der Eifelquerbahn.Archiv/TV-Foto: Helmut Gassen
Eine Spezialfirma untersucht im Auftrag des Landes den Zustand der baufälligen Kyllbrücke bei Pelm, über die die Eifelquerbahn führt. Und stellt fest: Die Brücke kann nicht mehr genutzt werden. Kreise und Verbandsgemeinden wollen nun eine Reaktivierung der Eifelquerbahn.Archiv/TV-Foto: Helmut Gassen
Daun/Gerolstein/Ulmen. Hat die Eifelquerbahn eine Zukunft? Die Reaktivierung des Teilstücks zwischen Gerolstein und Kaisersesch würde rund 24 Millionen Euro kosten, sechs Millionen allein für den Neubau der Brücke bei Pelm. Ob sich die Kommunen wie vom Land gefordert finanziell beteiligen, ist noch nicht geklärt. Stephan Sartoris

Daun/Gerolstein/Ulmen. "Wir bitten Sie sehr, dafür zu sorgen, dass 2014 wieder Züge auf der Eifelquerbahn durch die Vulkaneifel fahren können!" Diesen Appell richtete der Regionalverband Köln des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) vor gut einem Jahr in einem Brief unter anderem an die Landräte und Bürgermeister in den Kreisen Vulkaneifel und Cochem-Zell.
2014 ist schon bald vorbei, gefahren wurde nicht, und wann sich tatsächlich wieder was tut auf dem Teilstück der Eisenbahnstrecke zwischen Gerolstein und Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell), ist nach wie vor offen.
Einmal reaktivieren, bitte



Fest steht mittlerweile: Die über die Kyll führende Eisenbahnbrücke bei Pelm kann nicht mehr genutzt werden. Im Frühjahr war ein Gutachten zur "Ertüchtigung der Eifelquerbahn für den touristischen Verkehr" vorgestellt worden. Ergebnis: Um die Strecke auf Vordermann zu bringen, sind 24 Millionen Euro nötig. Ein Viertel davon (sechs Millionen Euro) würde allein der Neubau der Kyllbrücke kosten. Auf Wunsch der Kreise und Verbandsgemeinden wurde ein ergänzendes Gutachten in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten und Kosten einer Sanierungsfähigkeit des Bauwerks zu ermitteln.
Dieses Gutachten liegt laut rheinland-pfälzischem Infrastrukturministerium nun vor. "Die Untersuchungen haben ergeben, dass im Fall einer Reaktivierung der Strecke ein Neubau der Kyllbrücke erforderlich ist", heißt es auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds aus Mainz. Zudem komme der Gutachter zum Ergebnis, dass "aus technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch eine übergangsweise Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebs über das bestehende Bauwerk" nicht zu realisieren sei.
Das heißt: Die "kleine Lösung" ist praktisch vom Tisch. Bislang war zumindest damit geliebäugelt worden, den Freizeitverkehr wieder aufzunehmen und die alte Brücke noch zu nutzen.
Die rot-grüne Landesregierung hatte sich für den Erhalt und Ausbau der gut 50 Kilometer langen Strecke (siehe Extra) ausgesprochen und im Doppelhaushalt 2014/15 13 Millionen Euro für dieses Projekt bereitgestellt. Mit der Ansage, dass auch die Kommunen (die Kreise Cochem-Zell und Vulkaneifel sowie die Verbandsgemeinden Kaisersesch, Ulmen, Daun, Kelberg und Gerolstein) sich finanziell beteiligen - im Verhältnis Land 85, Kommunen 15 Prozent. Die Ergebnisse des Brückengutachtens liegen den Kreisen und Verbandsgemeinden vor. Sie haben im Frühjahr eine interkommunale Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.
Darin vertreten sind die beiden Kreise, die fünf Verbandsgemeinden, die Landtagsabgeordneten Astrid Schmitt (SPD), Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne) und Herbert Schneiders (CDU) sowie Vertreter des Infrastrukturministeriums. Vorsitzender ist der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz-Peter Thiel.
Seit Einrichtung der Gruppe habe man sich mehrfach mit den Möglichkeiten und Chancen einer Reaktivierung der Eifelquerbahn beschäftigt, berichtet Thiel. Dazu habe auch die "Abklärung des touristischen Mehrwerts mit den Touristikern der verschiedenen Kommunen und der Eifeltouristik sowie ein Informationsgespräch für die Kommunen zur Umsetzbarkeit einer Reaktivierung der Eifelquerbahn unter Regie der Kommunen" gehört. Und wie steht es um die Bereitschaft, sich finanziell zu engagieren?
"Um eine Aussage über die Bereitschaft der Kreise und der Verbandsgemeinden über eine finanzielle Beteiligung treffen zu können, muss die Thematik zunächst in den Gremien vorgetragen und beschlossen werden", schreibt Thiel dem TV. Das sei bisher aber noch nicht geschehen, da "noch nicht alle Positionen abschließend bewertet sind".
Extra

Die Geschichte der Eifelquerbahn beginnt am 1. April 1878 mit der Eröffnung des Teilstückes von Andernach nach Niedermendig. Der Abschnitt nach Mayen folgt im Jahr 1880. 15 weitere Jahre dauerte der Ausbau der Strecke bis Gerolstein, der 1895 eröffnet wurde. 1991 fuhr der letzte Zug von Mayen nach Gerolstein. Von 2001 bis 2012 hat die Vulkan-Eifel-Bahn-Betriebsgesellschaft (VEB) auf dem Abschnitt Gerolstein-Kaisersesch Freizeitfahrten angeboten. Die Ausflugszüge fuhren von April bis Oktober an Wochenenden sowie Feiertagen auf der Eifelquerbahn und machten Halt in Daun und Ulmen. Nach Angaben des Veranstalters, der Vulkaneifelbahn, wurden jährlich durchschnittlich bis zu 30 000 Fahrgäste befördert (mit Schienenbussen und Dampfloks). sts