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Kraftprotz lässt noch keine Muskeln spielen

Noch steht kein Güterzug am Bahnsteig, aber die Ladestraße für den Containerbetrieb wurde in sechsmonatiger Bauzeit fertig gestellt. Josef Müller, Geschäftsführer der CTG (Container-Terminal Gerolstein), hält vom 70 Tonnen schweren Kraftprotz, dem Verladekran, Ausschau.Foto: Gabi Vogelsberg
Noch steht kein Güterzug am Bahnsteig, aber die Ladestraße für den Containerbetrieb wurde in sechsmonatiger Bauzeit fertig gestellt. Josef Müller, Geschäftsführer der CTG (Container-Terminal Gerolstein), hält vom 70 Tonnen schweren Kraftprotz, dem Verladekran, Ausschau.Foto: Gabi Vogelsberg
GEROLSTEIN. Das Container-Terminal Gerolstein (CTG) ist ein Projekt mit ungewisser Zukunft. Nach einer schwierigen Testphase im Vorjahr und einem erzwungenen Stopp steht der Start weiterhin in den Sternen. Größtes Handicap: der verzögerte Start der Autobahn-Maut. ARRAY(0x156282a8)

"Hätte ich das alles vorher gewusst, hätte ich vorläufig die Finger davon gelassen", bringt Herbert Rothschild, Spediteur aus Stadtkyll und CTG-Gesellschafter, seinen Frust auf den Punkt. Seine derzeitige Bilanz: "Ich habe viel Ärger, viel Geld und viel Zeit investiert mit einem mageren Ergebnis." Das größte Hindernis bei der Verwirklichung der CTG-Pläne: Solange die Autobahn-Maut nicht eingeführt ist und Laster deshalb ohne Gebühr Frachten über die Straße transportieren können, rechnet sich die Verladung per Bahn nicht. Hans Ludwig, Spediteur aus Dockweiler und CTG-Gesellschafter, schimpft: "Die Regierung steht uns in den Füßen." CTG-Geschäftsführer Josef Müller meint verärgert: "Die Bahn erhebt doch schon eine Quasi-Maut, weil sie beispielsweise für einen Güterzug nach Berlin 3000 Euro Nutzungsgebühr für die Schienen verlangt. Das ist doch kein fairer Wettbewerb."Unternehmen setzen weiter auf Spediteure

Rothschild bleibt pessimistisch: "Wir haben alles auf Eis gelegt, weil wir mit den Kunden wegen der Kosten nicht zurecht kommen." Heike Görres, Pressesprecherin vom Gerolsteiner Brunnen, bestätigt: "Für den Transport unserer Produkte ist die Bahnverladung derzeit kein Thema. Wir setzen weiterhin auf unsere LKW-Spediteure." Ludwig sieht nicht so schwarz: "Wir werden in diesem Jahr noch in Gerolstein loslegen, aber nicht in vollem Umfang." Bereits am 31. Mai 2003 war der erste Güterzug vom neuen Container-Terminal in Gerolstein gestartet (der TV berichtete). Einige Kunden nutzten die Fahrten der folgenden Monate als Test. Aber die Einführung der LKW-Maut verschob sich kontinuierlich. Die Bahn verzögerte permanent den Grunderwerb der Gleise 19 bis 22 sowie der Ladestraße an die CTG. Die Laderampe hielt der anfänglichen Nutzung nicht wie erwartet Stand und musste komplett saniert werden. Ein Problem jagte das nächste. Dann wurde bei der Sanierung eine Bombe gefunden. "Die Bergung der Bombe hat uns 7000 Euro extra gekostet und dabei ist uns die Kommune noch entgegen gekommen, weil wir deren Einsätze nicht bezahlen mussten", erklärt Ludwig. Von der Gesamtinvestition von 1,5 Millionen Euro (400 000 Euro für den Spezialkran und 1,1 Millionen für den Grunderwerb plus Sanierung) übernahmen die Steuerzahler den Löwenanteil. CTG-Geschäftsführer Müller: "85 Prozent wurden über einen Sondertopf des Bundes für den Kombi-Verkehr Schiene/Straße finanziert." Außerdem habe bis Ende des Monats das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium die dringend erforderliche Betriebserlaubnis der CTG als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen, kurz EIU, zugesagt. Damit sind viele Auflagen verbunden. Beispielsweise muss die CTG den Güterverkehr ab Gerolstein mindestens 20 Jahre lang betreiben. Außerdem muss sie Dritten, beispielsweise der bahneigenen DB-Cargo, die Anlage zu gleichen Konditionen zugänglich machen. "Diese Forderung nennt man ‚den diskriminierungsfreien Zugang‘ schaffen", erklärt Müller. Die CTG-Gesellschafter meinen unisono: "Da haben wir gar kein Problem mit. Wir haben auch keine Angst, dass uns die DB-Cargo Kunden wegschnappt. Je mehr Routen für Güterzüge angeboten werden, desto besser ist das für alle." Wenn die EIU-Genehmigung pünktlich kommt, wird auch die Sanierung der 3500 Quadratmeter großen Ladestraße abgeschlossen sein. Dafür wurde ein 1,20 Meter starker Spezialunterbau hergestellt. Immerhin wiegt der Spezialkran mit einem Sattelanhänger am Haken insgesamt 115 Tonnen. Fünf Fachkräfte wurden für den Umgang mit dem Maschinenkraftprotz geschult. Noch ist ihr Haupteinsatz bei den Spediteuren und nicht bei der CTG. Einziger Lichtblick für Skeptiker Rothschild: "Alles steht und so können wir früh starten, wenn die Maut tatsächlich am ersten Januar 2005 kommt."