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Infrastruktur
Kreistag Vulkaneifel sucht Wege für Erhalt der Geburtshilfe in Daun

Rund drei Dutzend Gäste, etliche davon vor dem überfüllten Sitzungssaal, haben wegen der Geburtshilfe-Thematik der Kreistagssitzung beigewohnt.
Rund drei Dutzend Gäste, etliche davon vor dem überfüllten Sitzungssaal, haben wegen der Geburtshilfe-Thematik der Kreistagssitzung beigewohnt. FOTO: TV / Mario Hübner
Daun. Kreistag Vulkaneifel sucht Wege, um die geplante Schließung der Geburtshilfestation in Daun doch noch abzuwenden oder eine anderweitige Versorgung hinzubekommen. Von Mario Hübner
Mario Hübner

Die Haushaltsaufstellung fürs Folgejahr ist normalerweise das bestimmende Thema der Jahresabschlusssitzung des Kreistags Vulkaneifel. Diesmal nicht, denn auch das höchste kommunale Gremium ist von der Diskussion um die für das Jahresende geplante Schließung der Geburtshilfestation im Krankenhaus Daun erfasst worden – denn kein anderes Thema beschäftigt die Menschen (und Kommunalpolitiker) im Kreis derzeit so sehr, wie die Ankündigung der Trägergesellschaft des Krankenhauses Daun. Und so fanden sich zahlreiche Demonstranten zur Sitzung des Kreistags am gestrigen Montag im Kreishaus ein, um ihrer Sorge, ihren Ängsten und auch ihren Erwartungen an die politischen Verantwortungsträger vor Ort Ausdruck zu verleihen. Rund drei Dutzend besorgter Bürger, Hebammen und Krankenhausmitarbeiter waren gekommen. Einige von ihnen mussten an Stehtischen im Vorraum Platz nehmen. Von dort verfolgten sie bei geöffneter Tür die Sitzung.

Das Wort ergriff unter anderem Dietmar Pitzen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Vulkaneifel. Er berichtete davon, dass er in der Kürze der Zeit die Unterstützung von rund 30 Unternehmen aus der Region zugesichert bekam, um sich für den Erhalt der Geburtshilfestation einzusetzen. Gemeinsam hätten sie bereits einen Brief an die Ministerpräsidentin Malu Dreyer geschickt, mit der Bitte, sich für den Erhalt der wichtigen Infrastruktur in der Vulkaneifel stark zu machen. Pitzen sagte: „Die Schließung der Geburtshilfestation wäre eine massive Verschlechterung unserer Standortqualität und würde die umfangreichen Bemühungen vieler Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften konterkarieren und ihnen das Leben sehr viel schwerer machen.“

Karin Jaskowsky von der Interessengemeinschaft Geburtshilfe sagte: „Das Problem ist seit Jahren bekannt und niemand hat wirklich etwas dagegen getan. Deswegen appelliere ich heute: Tun Sie alles, alles, alles dafür, um die Geburtshilfe zu erhalten.“ Denn wenn nur jede zweite gebärende Frau den Rettungsdienst anrufen würde, wäre das 250 Einsätze für diesen mehr. Eine kaum zu bewältigende Zusatzbelastung.

Hildegard-Slabik Münter (Linke), als Kinderärztin im Ruhestand eng mit dem Thema vertraut, berichtete davon, dass es in den vergangenen sechs Wochen im Krankenhaus Daun fünf Geburten mit Komplikationen gegeben habe. Sie sagte: „Bis nach Wittlich hätten es diese Frauen nicht mehr geschafft.“

In die gleiche Kerbe schlug CDU-Fraktionsvorsitzender Gordon Schnieder, der betonte: „Der Rettungsdienst ist keine Lösung, auch wenn es bislang immer gutgegangen ist, denn die Notärzte haben keine fachspezifische Ausbildung. Und Minimum 40 Minuten Fahrzeit bis in die nächste Klinik sind auch keine Lösung.“

Daher wartete die CDU etwas später –  bei der Beratung um den Kreishaushalt – mit einem Antrag auf, um nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten etwas für die Aufrechterhaltung eines geburtshilflichen Angebots im Kreis zu tun. Schnieder: „Wir schlagen die Erhöhung der Kreisumlage um 0,5 Prozent vor, damit mit diesen rund 360 000 Euro zweckgebunden ein geburtshilfliches Angebot im Kreis von kommunaler Seite finanziell unterstützt wird. Und mit diesem Angebot sollten wir nochmals an den Träger herantreten.“ Aber das Wichtigste sei, Zeit zu gewinnen, um ein alternatives Angebot aufbauen zu können.

Mit einem ähnlich gelagerten Antrag – der laut Fraktionsmitglied Alfred Lorenz bereits eine Woche früher gestellt worden war – wartete auch die FWG auf, die sich im Rahmen der Haushaltsberatung dafür starkmachte, 200 000 Euro für diesen Zweck bereitzustellen.

Landrat Heinz-Peter Thiel (parteilos), skizzierte kurz, welche Anstrengungen bislang unternommen worden seien, um das Ende doch noch abzuwenden oder zumindest hinauszuzögern. Ihm sei vom Träger des Krankenhauses aber unzweifelhaft klargemacht worden, dass an dieser unternehmerischen Entscheidung nicht zu rütteln sei. Dennoch betonte er klipp und klar: „Es ist keine Frage. Wir brauchen eine Geburtshilfe im Kreis.“ Denn die Kliniken ringsum, die zwar grundsätzlich auch die Frauen aus der Vulkaneifel aufnehmen würden, seien bereits stark ausgelastet. „Und wenn es sehr schnell gehen muss oder Komplikationen auftreten, kann es mit der Aufnahme auch mal eng werden und dann sprechen wir von Fahrten von deutlich über einer Stunde. Inakzeptabel.“ Daher machte auch er sich dafür stark, „unter anderem mit eigenen Etatmitteln eine alternative Lösung hinzubekommen“. Ähnlich auch das Vokabular von FDP-Sprecher Marco Weber: „Ich gebe mich nicht mit der Aussage zufrieden, dass am 31.12. Schluss sein soll – so abrupt und ohne Übergang.“

Grünen-Sprecher Dietmar Johnen sah vor allem die Landesregierung in der Pflicht. Er meinte. „Die Landespolitik ist verpflichtet, gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und Land zu schaffen. Und das bedeutet in der Konsequenz, eine Geburtshilfestation in Daun zu erhalten.“

Nächste Gelegenheit, darüber konkret zu sprechen, ist nach Auskunft von Landrat Thiel am 14. Dezember: Dann kommt die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) zu einen runden Tisch nach Daun.