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Landwirtschaft im Vulkaneifelkreis
"Das rechnet sich nicht mehr"

Einige Landwirte stoppen ihre Investitionen. Die Bedingungen werden zunehmend schwieriger. Pflanzenschutz oder etwa Glyphosat sind gesellschaftlich umstrittene Themen, die die Landwirte beschäftigen. TV-Foto: Helmut Gassen
Einige Landwirte stoppen ihre Investitionen. Die Bedingungen werden zunehmend schwieriger. Pflanzenschutz oder etwa Glyphosat sind gesellschaftlich umstrittene Themen, die die Landwirte beschäftigen. TV-Foto: Helmut Gassen FOTO: (e_daun )
Daun. Milchpreise entwickeln sich positiv für die Bauern, dennoch sprechen manche bei der Delegiertenversammlung des Bauernverbands von ihrem Ausstieg aus der Landwirtschaft. Helmut Gassen

Daun Auch wenn die Zahl der Landwirte im Vulkaneifelkreis weiter abnimmt, so ist die Landwirtschaft doch noch ein wichtiger Faktor für die Erhaltung der Kulturlandschaft im Kreis. Die letzten Jahre waren für die Landwirte keine einfachen wegen der niedrigen Milchpreise. Bei der Delegiertentagung des Kreisverband Daun, des Bauern- und Winzerverbandes waren die Milchpreise diesmal aber kein großes Thema, denn sie sind gegenüber 2016 deutlich gestiegen.
"Die Landwirtschaft 2017 hat nach vielen negativen Nachrichten in den Vorjahren diesmal positive Impulse gehabt. Im Milchpreis sind Tendenzen erkennbar, die gut sind. Aber für die Landwirtschaft sind es trotzdem schwere Zeiten, weil nicht sachbezogene Diskussionen die Bevölkerung verunsichern", sagte Marco Weber, der Vorsitzende des Kreisverbands Daun. Diese sind besonders die Düngeverordnung mit eventuellen Nitratbelastungen des Grundwassers, die aus seiner Sicht das Bild der Landwirtschaft in der Bevölkerung trüben und oft für Aufregung sorgen. "Landwirtschaft und Umwelt, es muss ein Miteinander geben. Wir können nicht drumherum reden, dass es Spannungsfelder gibt. Besonders das Thema Nitrat und Artenvielfalt, hier müssen wir daran gehen, die Probleme zu lösen. Die Landwirtschaft muss das was sie kann, dazu beitragen. Aber die Bauern sind auch nicht an allem schuld", sagte auch Thomas Griese (Bündnis 90/Die Grünen), Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten.
Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland- Nassau, schlug in die gleiche Kerbe. "Es gibt bei der Düngeverordnung zwar noch viele Ungereimtheiten, aber da werden wir in unseren Betrieben noch einiges verändern müssen. Wir haben noch bis Mitte 2018 Zeit dazu, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen". Das Thema des umstrittenen Pestizids Glyphosat wurde kurz angeschnitten. "Wir müssen darüber nachdenken, ob wir da alles richtig machen. Man kann dem Verbraucher bei mancher Nutzung nicht alles glaubhaft machen." Das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit zu verbessern, bleibe auch weiterhin eine Aufgabe, die angegangen werden müsse.
Aber klar müsse auch für den Verbraucher sein: " Wir können kein Fleisch essen von Tieren, die nicht geschlachtet werden", so Horper, und der Preis müsse für die Produkte der Landwirte stimmen. "Die Gesamteinschätzung für Lebensmittel stimmt nicht, 100 Gramm Schweinerückenfilet für 40 Cent, das ist krank", meinte auch Staatssekretär Griese. Auch Sebastian Reif, Vorsitzender der Landjugend Daun, schimpfte auf den Handel: "Der Lebensmittelhandel verramscht unsere Lebensmittel, das ist nicht korrekt". Thomas Bender aus Deudesfeld ist noch hauptberuflicher Landwirt. Die vergangenen Jahre haben auch von ihm Ausdauer und Geduld gefordert.
"Wir brauchen ein paar Jahre, bis wir uns erholt haben von der Krise. Erschwerend sind auch noch die Witterungsverhältnisse, sie machen uns immer mehr zu schaffen", sagt der 50-Jährige. Der Milchpreis habe sich zwar erholt auf etwa 40 Cent, so Bender, "aber das kommt immer wieder, das sie wieder fallen". 95 Vieh, davon 45 Milchkühe, stehen in seinem Stall. Investiert hat Thomas Bender in den vergangenen nicht mehr, waren doch aus seiner Sicht die Aussichten schlecht. "Mir ist es zu heikel, um zu investieren. Wenn meine Eltern mal nicht mehr da sind, um mir zu helfen, muss ich einstellen." Das sieht auch Heinrich Mayer aus Esch so. Auch er hat nur "das Nötigste" in den Betrieb gesteckt. "Das rechnet sich nicht mehr, mit 58 kann man nicht mehr groß in was Neues investieren", sagt er. Der Vollerwerbslandwirt mit 60 Milchkühen und der gleichen Anzahl Jungvieh bewirtschaftet 80 Hektar Land, überwiegend Grünland. "Der Milchpreis ist zwar jetzt besser, aber er ist noch nicht kostendeckend, weil wir vieles an Verlusten der letzten Jahre aufholen müssen". Auch bei ihm ist das Ende der Landwirtschaft abzusehen, die Kinder sind nicht bereit, den Betrieb weiterzuführen. Die Zukunft der Landwirtschaft sieht er nicht rosig. "Die weitere Konzentration zu mehr Großbetrieben ist nicht aufzuhalten. Es gibt Probleme mit der Umwelt und die Akzeptanz der Gesellschaft für die Art der Tierhaltung ist nicht mehr ausreichend da. Und der Pflanzenschutz, Glyphosat und das Gülle ausbringen, das ist alles stark im Fokus der Bevölkerung", sagt Mayer.