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Letzte Ruhe im Grünen

Von der Detail-Arbeit zur abgeschlossenen Gestaltung: Über die Anordnung der Baumstämme wird auf dem linken Foto noch diskutiert. Mittlerweile ist dieses Element der Naturbegräbnissstätte auf dem Dauner Friedhof fertig. TV-Fotos (2): Stephan Sartoris
Von der Detail-Arbeit zur abgeschlossenen Gestaltung: Über die Anordnung der Baumstämme wird auf dem linken Foto noch diskutiert. Mittlerweile ist dieses Element der Naturbegräbnissstätte auf dem Dauner Friedhof fertig. TV-Fotos (2): Stephan Sartoris FOTO: (e_daun )
Daun. Manch einer sucht schon zu Lebzeiten nach Alternativen, und auch viele Hinterbliebene wünschen sich eine andere Art der letzten Ruhestätte für Verstorbene. Die Stadt Daun bietet bald mit der Naturbegräbnisstätte eine Alternative zum Reihengrab. Rund 700 Urnen werden auf dem Areal Platz finden. Stephan Sartoris

Daun. Zentimeter-Arbeit ist angesagt an diesem Tag auf dem oberen Teil des Dauner Friedhofsgeländes. Junge Frauen und einige Männer diskutieren darüber, ob an der bereits vollzogenen groben Anordnung von Baumstämmen noch etwas geändert werden soll. Für den Außenstehenden ist kaum nachvollziehbar, warum ein Baum etwas nach links oder rechts gerückt wird, aber den Beteiligten sind die Details wichtig. Denn dahinter steckt ein Konzept, erarbeitet von Studentinnen der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn und ihrer Professorin Diemut Schilling. Auf dem oberen Teil des städtischen Friedhofs entsteht die Naturbegräbnisstätte, für deren Einrichtung sich der Stadtrat nach langen Diskussionen entschieden hat. Die Kreisstadt trägt damit dem Trend der vergangenen Jahre Rechnung. Denn die Form, die Menschen für die letzte Ruhe wählen, hat sich deutlich verändert.
Dominierte bis vor nicht allzu langer Zeit noch der Sarg, liegen die Urnenbestattungen mittlerweile deutlich vorn. Diese Form wurde bei den Begräbnissen in Daun in den vergangenen fünf Jahren zu gut 70 Prozent gewählt. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass die Angehörigen damit weniger Aufwand für die Grabpflege haben.
Aber es gibt auch immer mehr Menschen, die nicht auf einem Friedhof klassischer Prägung beerdigt werden wollen. Deshalb gibt es immer mehr Orte, in denen Naturbegräbnisstätten entstehen, entweder in privater Regie wie in Jünkerath oder in kommunaler wie in Daun und in Gerolstein. "Der Charakter eines klassischen Friedhofs wird aufgebrochen, ohne das zu zerstören, was vor Jahren angelegt worden ist", erklärt Stadtbürgermeister Martin Robrecht. "Wir hatten sofort Interesse an dem Projekt, als wir über private Kontakte von dem Vorhaben der Stadt Daun erfahren haben", sagt Professorin Schilling. Bislang sei die praktische Umsetzung "richtig gut gelaufen", auch dank der Unterstützung des städtischen Bauhofs und des örtlichen Forstamts.
Gut 40 Mal war die Delegation aus Alfter in der Eifel, und für die Studentinnen ist es immer noch "spannend zu erleben, wie alles Gestalt annimmt". Denn ist es ja nicht selbstverständlich, dass ein an der Uni entworfenes Konzept auch praktisch umgesetzt wird. Dass der Kontakt mit der Hochschule zustande gekommen ist, wertet der Stadtbürgermeister als "echten Glücksfall". Er geht davon aus, das Ende des laufenden Quartals erste Begräbnisse möglich sein werden.
Gut 700 Plätze werden vorhanden sein, wenn das Areal komplett gestaltet ist. Der Stadtrat hat eine Investitions-Obergrenze von 100 000 Euro für das Vorhaben vorgegeben. In dieser Summe enthalten sein soll auch eine Aussegnungsmöglichkeit für die Naturbegräbnisstätte. "Wie die aussehen wird, ist allerdings noch nicht endgültig entschieden", sagt Robrecht.Extra

Naturbegräbnisstätte, Friedwald, Gedächtniswald, Ruhehain, Ruheforst, Begräbniswald: Alle diese Begriffe bezeichnen dasselbe. Aber manche dieser Begriffe wie beispielsweise Friedwald oder Ruheforst sind rechtlich geschützt, deshalb die verschiedenen Bezeichnungen. Die Urnen werden unter einem Baum, einem Findling oder einem anderen Naturmerkmal bestattet. Auf einer Naturbegräbnisstätte entfällt die Grabpflege, auch Grabsteine gibt es nicht. Allerdings wird es keine anonymen Grabstätten geben. Die einzelnen Gräber werden mit kleinen Namensplaketten gekennzeichnet, die auf einer kleinen Steinstele angebracht werden und auch die Geburts- und Sterbedaten sowie religiöse oder andere Symbole enthalten können. sts

FOTO: (e_daun )