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Medaillen und blaue Flecken

Nach Wettkämpfen in Japan glücklich in die Eifel zurückgekehrt: Stolz zeigen (von links) Irene Arens, Trainerin der Westeifel-Werke, sowie die Floorhockey-Spieler Marco Bergert, Daniel Reinhard, Franz Runge und Roman Saxler die Bronze-Medaillen sowie eine Fahne der Special-Olympics-Winterweltspiele. Foto: Gabi Vogelsberg
Nach Wettkämpfen in Japan glücklich in die Eifel zurückgekehrt: Stolz zeigen (von links) Irene Arens, Trainerin der Westeifel-Werke, sowie die Floorhockey-Spieler Marco Bergert, Daniel Reinhard, Franz Runge und Roman Saxler die Bronze-Medaillen sowie eine Fahne der Special-Olympics-Winterweltspiele. Foto: Gabi Vogelsberg
HERMESDORF. Unvergessliches Erlebnis für vier Sportler der Westeifel-Werke (WEW) und ihre Trainerin: die Teilnahme an den Special Olympics Winterweltspielen in Japan. Neben Siegermedaillen und Souvenirs brachten sie viele Eindrücke mit. Sie haben viel zu erzählen. ARRAY(0x56e2be10)

"Das Essen war sehr gewöhnungsbedürftig. Zum Frühstück gab es Seealgensuppe und Reis", berichtet Trainerin Irene Arens. Vor den sportlichen Wettkämpfen in Nagano standen zwei Tage Eingewöhnung in Minaminmaki auf dem Programm. Schon die Fahrt zum Ort mit 3500 Einwohnern war spannend. Nach zwölf Stunden Flug bis Tokio folgte eine sechsstündige Busfahrt. "Es tobte ein Schneesturm. Wir mussten stoppen und Schneeketten aufziehen", erzählt Franz Runge, Zivi bei den WEW und einer der Unified-Spieler (Mannschaft mit behinderten und nicht behinderten Spielern). Die Japaner machten bei der Ankunft alle Strapazen vergessen. Roman Saxler, ebenfalls WEW-Zivi und Unified-Spieler, berichtet: "Sie haben uns bei minus zehn Grad Fähnchen schwenkend empfangen." Floorhockey war Publikumsrenner

Die WEW-Sportler Marco Bergert und Daniel Reinhard erzählen begeistert von Besuchen an Schulen, Workshops zum Bau japanischer Drachen und dem traditionellen Reisschlagen. Reinhard habe "alles gefilmt wie ein Weltmeister" - sagen die Kameraden lachend. Demnächst wird er seine Videoaufnahmen den Kollegen in der Montagegruppe im WEW-Werk Gerolstein zeigen. Bergert hatte schon vom japanischen Bergdorf aus Postkarten nach Bitburg verschickt. Seine Schwester Martina sagt: "Wir haben uns gewundert, dass sie schon nach vier Tagen ankamen. Da kämpfte Marco noch auf dem Floorhockey-Feld in Nagano." Und da ging es richtig zur Sache. Die vielen blauen Flecken verblassen nur langsam. Die deutsche Floorhockey-Unified-Mannschaft, wovon die WEW-Equipe ein Viertel ausmachte, hatte mit Libanon, Österreich und Uganda harte Gegner. Das Spiel um die Silbermedaille verlor sie mit vier zu zwei Toren. Letztendlich schaffte das afrikanische Team gegen die Österreicher den Sieg. "Die Österreicher traten selbstbewusst auf", sagt Arens, die auch Trainer des deutschen Gesamtteams war. Sie bescheinigt "ihren Leuten" tollen Kampfgeist und Durchhaltevermögen. Die 42-jährige Sportlehrerin erklärt: "Wir mussten jeden Tag zwei Mal antreten, also zehn Mal insgesamt." Als Entschädigung hätte Floorhockey permanent die meisten Besucher gehabt. "Der Enthusiasmus war ansteckend. Da ist rasch der Funke übergesprungen", erinnern sich die Sportler gerne. Die Bronzemedaille tragen sie mit Stolz. Ebenso zeigen sie die Orginal-Fahne der Weltwinterspiele. Allerdings sind dies nicht die einzigen materiellen Andenken an Nagano. Reinhard brachte seiner neunjährigen Schwester einen Teddy mit, Bergert erstand einen Schmetterling aus Kork. Die Unified-Spieler Runge und Saxler haben - nach zwei Wochen eifrigem Mailkontakt zu ihren Freundinnen - Gürtel, T-Shirts und Essstäbchen als Souvenirs im Gepäck. Trainerin Arens wird als Freizeitkleidung nicht vom Jogginganzug auf den Kimono umsteigen: "Die waren mit 38 000 Yen, das sind knapp 300 Euro, unheimlich teuer." Zum Empfangskomitee gehörten auch WEW-Chef Ferdinand Niesen und Karl-Heinz Thommes. Niesen: "Wir haben alle für euch die Daumen gedrückt." Thommes, Vorsitzender von Special Olympics Rheinland-Pfalz, überreichte dem Team einen Wimpel des Bundesinnenministeriums. Es sei eine gelungene Premiere für die WEW gewesen. Erstmals gehörten die WEW zu einem Unified-Nationalkader, der sich aus drei Einrichtungen zusammensetzte.