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Mehr Schotter für die Eifelquerbahn

Daun/Gerolstein/Ulmen. 13 Millionen Euro hat das Land in Aussicht gestellt, um die touristische Nutzung der Bahnstrecke von Gerolstein bis Kaisersesch zu sichern. Fest steht: In diesem Jahr werden die Schienenbusse nicht unterwegs sein. Thomas Brost und Stephan Sartoris

Daun/Gerolstein/Ulmen. Nicht wenige Kenner der Szene reiben sich verwundert die Augen: 13 Millionen will das Land bereitstellen (der TV berichtete), um die Eifelquerbahn zwischen Gerolstein und Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell) so auf Vordermann zu bringen, dass dort bald wieder Freizeitfahrten möglich sein werden. "Das ist eine mutige Entscheidung, so viel Geld für die Freizeitverkehre auszugeben. Ich begrüße das ausdrücklich, ist es doch aus meiner Sicht ein Schritt hin zu einem regelmäßigen Personennahverkehr auf dieser Strecke", sagt Jörg Petry, Geschäftsführer der Vulkaneifelbahn, die von 2001 bis 2012 auf dem 52 Kilometer langen Abschnitt von Gerolstein bis Kaisersesch Freizeitfahrten angeboten hat (Extra).

Keine Fahrten in diesem Jahr: Petry stellt aber auch gleich klar: "In diesem Jahr wird es keine Fahrten geben. Es ist zeitlich gar nicht zu schaffen, dafür alles vorzubereiten."
Mit der Ankündigung des Landes sind aber einige Fragen verbunden. Beispiel: Wie kommt das Land auf die 13 Millionen Euro? Offiziell verkündet haben will es niemand, aber die Summe ist nun in der Welt. Eine detaillierte Kostenermittlung stehe noch aus, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt (Kirchweiler).
Zudem sei Voraussetzung für das finanzielle Engagement des Landes "auch eine kommunale Beteiligung". Die Größenordnung gibt sie mit 15 Prozent an. Was bedeutet: Für die Kreise und Verbandsgemeinden, durch die die Eifelquerbahn führt, kämen fast zwei Millionen Euro zu.

Nächste Hängepartie?: Aus Sicht von Jörg Petry ein echter Stolperstein angesichts der schlechten Finanzlage der Kommunen. "Wenn das so bleibt, droht die nächste Hängepartie. Wenn aber 2014 wieder gefahren werden soll, ist keine Zeit zu verlieren. Wenn es nicht ab Sommer mit den Arbeiten losgeht, wird es fürs nächste Jahr knapp." Sanierungsbedürftig ist das Teilstück von Gerolstein bis Ulmen, das folgende bis Kaisersesch ist vor einigen Jahren für 2,7 Millionen ausgebaut worden.

"Infrastruktur ist Landessache": Vergrätzt ist der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ulmen Alfred Steimers (CDU), was die Vorgehensweise des Landes betrifft. "Die Infrastruktur ist ganz klar die Sache des Landes", sagt der Verwaltungschef. Niemand käme bei Sanierungsarbeiten an der Bahnstrecke im Mittelrheintal auf die Idee, dass sich die Kommunen daran beteiligen sollten. Er vermutet, dass es Kräfte in Mainz gibt, die eigentlich die Eifelquerbahn stilllegen möchten. Andererseits: Wenn die 13 Millionen Euro eine dauerhafte Wirkung im Tourismus entfalten würden, "dann wäre dies ein guter Schritt nach vorn". Am Ende des Tages müsse der Dauerbetrieb stehen, auch um die touristischen Verkehre zu sichern.
Heinz Onnertz, scheidender parteiloser Landrat des Vulkaneifelkreises, hat die Entscheidung des Landes mit Zufriedenheit aufgenommen. "Angesichts der bekannten Finanzknappheit einerseits und der Wichtigkeit der Eifelquerbahn für den Tourismus andererseits freue ich mich über die Ankündigung."
Im touristischen Bereich sieht auch Cochem-Zells Landrat Manfred Schnur (CDU) einen wichtigen Ansatzpunkt. "Die Vorhaltung eines touristischen Bahnangebotes ist zumindest schon ein Grundlevel für die Erhaltung dieser Infrastruktur."

Schlüssiges Konzept erarbeiten: Alle Akteure müssten sich an einen Tisch setzen und ein abgestimmtes, schlüssiges Konzept erarbeiten, um den Freizeitverkehr "auf der Schiene optimal in die gesamte touristische Region einzubinden". Es seien "alle gefordert".
Dass so schnell wie möglich wieder Freizeitfahrten stattfinden, haben vor einigen Tagen die Verbandsgemeinde- und Stadträte von Ulmen und Kaisersesch gefordert. Nicht verwunderlich, denn die Schienenbusse haben jedes Jahr Tausende Besucher in die Städte gebracht - was auch für Daun gilt.

"Richtiges Signal zur richtigen Zeit": Unterstützt werden die Kommunen vom Center-Parcs-Ferienpark in Gunderath (Verbandsgemeinde Kelberg). Geschäftsführer Boris Ege freut sich deshalb auch über die Entscheidung des Landes, Geld für die Eifelquerbahn zur Verfügung zu stellen.
"Das richtige Signal zur richtigen Zeit", sagt Ege. "Die Eifelquerbahn ist ein echter touristischer Mehrwert für uns." Der Park gehört mit etwa 430 000 Übernachtungen (Stand 2012) zu den touristischen Schwergewichten in der Region.

Parkgäste sollen von Radweg profitieren: Er soll künftig vom Elztal-Radweg profitieren. Dieser wird den Park mit dem Fachwerkdorf Monreal bei Mayen verbinden. Zwei Teilstücke zwischen Uersfeld und Oberelz gibt es bereits. Ege: "Es wäre ideal, wenn unsere Gäste nach einer Fahrradtour den Heimweg nach Ulmen beziehungsweise nach Höchstberg mit der Bahn antreten könnten."Meinung

Weder Fisch noch Fleisch
13 Millionen Euro! Dass die Landesregierung so viel Geld für die Eifelquerbahn springen lassen würde, damit hätte wohl niemand gerechnet. Da kann ja nichts mehr schief gehen, oder? Von wegen. Es sollte sich niemand vom Geldsegen blenden lassen, denn der ganz große Wurf ist es nicht, was in Mainz entschieden wurde. Denn was SPD und Grüne ausgetüftelt haben, ist weder Fisch noch Fleisch. Um den reinen Freizeitverkehr wieder auf die Schiene zu bringen, wäre sicher deutlich weniger Geld erforderlich. Um aber einen echten Personennahverkehr zu installieren, reichen 13 Millionen definitiv nicht aus. Viel Zündstoff birgt auch die Vorgabe des Landes, dass 15 Prozent der Summe von kommunaler Seite beigesteuert werden soll. Eine gewagte Ansage angesichts der desolaten Finanzsituation vieler Kommunen. Aber vielleicht weiß das Land schon die Antwort auf die Frage, wie die bettelarmen Kreise Vulkaneifel und Cochem-Zell, die ja als erste gefragt wären, Hunderttausende von Euro aufbringen können. s.sartoris@volksfreund.deExtra

Die Ausflugszüge der Eifelquerbahn waren bis zum vergangenen Jahr von April bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen auf dem Streckenabschnitt von Gerolstein über Daun nach Ulmen unterwegs; in den Sommerferien verkehrten die Züge täglich. Zudem gab es im Sommer Dampflokfahrten von Gerolstein nach Ulmen mit Zwischenstopp in Daun. Nach Angaben des Veranstalters, der Vulkaneifelbahn, wurden in den vergangenen Jahren durchschnittlich bis zu 30 000 Fahrgäste befördert (mit den Schienenbussen und den Dampfloks). sts