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Forstwirtschaft
Frost bringt keine Entspannung im Forst

FOTO: Landesforsten –Forstamt Daun- / TV
Gerolstein/Daun/Hillesheim. Regen, Nebel, Stürme und Schnee: Der Winter 2017/2018 stellt die Waldwirtschaft vor große Herausforderungen. Von Stephan Sartoris
Stephan Sartoris

„Wir haben derzeit eine wirklich außergewöhnliche Situation“, sagt Karl-Ludwig Penzlin, Leiter des Forst­amts Daun. Und meint damit, dass Regen, Nebel, Stürme und Schnee die Wald- und Forstwirtschaft vor so große Herausforderungen stellen wie lange nicht mehr. „So nasse Winter wie der aktuelle gibt es nur ganz, ganz selten“, berichtet Penzlin, der das Dauner Amt seit 2004 leitet. „Mittlerweile sollten Schwimmflossen zur Dienstkleidung gehören.“

Aufgeweichte Böden behindern seit Monaten die Arbeiten im Forst. Immer wieder müssen sie unterbrochen werden, damit die Böden nicht zerstört werden. Selbst der derzeitige Frost bringt keine wirkliche Entspannung. „Wir nutzen diese Phase und fahren so viel Holz raus wie möglich, aber es ist schon viel Zeit verloren gegangen“, sagt Penzlin. Als liefe es nicht schon schlecht genug, kommen weitere Hiobsbotschaften hinzu. Wie die, dass eine Holz-Rückemaschine ausgefallen und auf die Schnelle kein Ersatz zu beschaffen ist. Betroffen sind auch die Bürger, die ungewohnt lange auf ihr Brennholz warten müssen. „Normalerweise hätten die meisten ihr Holz schon längst. Und es ist leider nicht absehbar, bis wann wir alle Bestellungen abgearbeitet haben werden.“

Optimal für die winterlichen Waldarbeiten wären dauerhafte Minustemperaturen. Denn nur der gefrorene Boden erleichtert die Holzernte und das Abfahren der Bäume. Aber schon seit November ist es schwierig, das Holz aus dem Wald zu transportieren. Die Ernte mit der Motorsäge ist zwar kein Problem, aber das Holz dann aus dem Wald zu holen, ist beinahe unmöglich. Die Böden sind vom vielen Regen und dem nassen Schnee völlig aufgeweicht. „Wenn der Boden so durchnässt ist, besteht die Gefahr, dass die Maschinen stecken bleiben oder trotz überdimensional breiter Reifen tiefe Furchen verursachen. Das wollen wir möglichst verhindern“, erläutert Förster Jürgen Sohns vom Forstrevier Salmwald. Daher müssen die Waldarbeiten immer wieder eingestellt werden. Das macht laut einer gemeinsamem Pressemitteilung der Forstämter Gerolstein, Hillesheim und Daun auch vielen Sägewerken und Holz verarbeitenden Betriebe zu schaffen. Denn sie haben häufig Fristen und Termine für die Holzverarbeitung und den Verkauf einzuhalten.

„Der Schutz des Bodens hat für uns jedoch oberste Priorität“, stellt der stellvertretende Leiter des Forst­amts Hillesheim, Matthias Wagner, klar. „Forstleute und Waldbesitzende können zwar stellenweise auch Seilkräne einsetzen, um das Holz schwebend aus dem Wald zu holen. Diese Technik steht jedoch nur begrenzt zur Verfügung, bedarf langfristiger Vorbereitungen und ist saisonal nicht kurzfristig einsetzbar“.

Etwas Gutes haben der Forstämter-Mitteilung zufolge der viele Regen und die milden Temperaturen aber dann doch. So werden die Grundwasservorräte für den Sommer wieder aufgefüllt; die im Herbst gepflanzten Bäumchen wachsen gut an und die im Boden und im Holz überwinternden Schadinsekten werden häufig von Pilzen befallen, was die Massenvermehrung im Frühjahr verhindern kann.

Ein besonderes Risiko stellen die aufgeweichten Böden dann dar, wenn wie jüngst die Orkane Burg­lind oder Friederike über die Wälder fegen. Dann ist die Gefahr groß, dass Bäume, die nicht mehr genug Halt im Untergrund finden, umfallen. „In der Vulkaneifel sind wir zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen, hier sind nur wenige Bäume umgefallen“, lautet die Bilanz von Förster Klaus-Josef Mark, Produktleiter für Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben des Forstamts Daun. „Dennoch müssen die Arbeitsbereiche und geschädigten Baumbestände mit dem neuen Bannerverfahren der Baustellenkommunikation abgesperrt werden. Auch wenn lediglich mit Flatterbändern und Bannern statt fester Schlagbäume Wälder gesperrt werden, so ist doch das Benutzen der Wege wegen der Gefahr für Leib und Leben verboten. Die Forstämter appellieren in diesem Zusammenhang an die Einsicht der Bevölkerung.“

„Ich bin gespannt, wann wir wieder normal arbeiten können, Denn wenn der Frost weg ist, könnte es noch schlimmer werden“, ist Karl-Ludwig Penzlin wenig zuversichtlich. Er geht zwar Mitte des Jahres in den Ruhestand, „aber wenn es danach wieder zu solchen extremen Situationen kommt, werde ich sicher mit den Kollegen leiden.“

Die neuen Absperrungen für gefährliche Arbeitsbereiche im Wald.
Die neuen Absperrungen für gefährliche Arbeitsbereiche im Wald. FOTO: Forstamt Daun / TV
Breite Bänder verringern Schäden am Waldboden.
Breite Bänder verringern Schäden am Waldboden. FOTO: Forstamt Daun / TV