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Landschaft
„Müssen über die Vulkane reden“ – Naturschützer kritisieren den Abbau von Lava, Basalt oder Kalk in der Eifel

Der Steinbruch am Weinberg bei Berndorf soll nach den aktuellen Planungen massiv erweitert werden und würde laut IG Eifelvulkane dann bis auf vierzig Meter an die Häuser heranreichen.
Der Steinbruch am Weinberg bei Berndorf soll nach den aktuellen Planungen massiv erweitert werden und würde laut IG Eifelvulkane dann bis auf vierzig Meter an die Häuser heranreichen. FOTO: TV / IG Eifelvulkane
Daun. Der Naturschutzbund Deutschland plädiert für eine Beschränkung des Gesteinsabbaus auf bereits vorgeschädigten Flächen, sucht aber auch den Dialog mit den Grubenbetreibern. Von Angelika Koch

Die Fronten sind verhärtet: Der Rheinische Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege (RVDL) sowie die Interessengemeinschaft (IG) Eifelvulkane sagen, dass Schluss sein muss mit einer Erweiterung der Abbauflächen von Lava, Basalt oder Kalk in der Vulkaneifel. Die Grubenbetreiber hingegen wollen weitere Flächen nutzen. Entscheiden muss die Planungsgemeinschaft Trier (der TV berichtete mehrmals). Ein Lösungsdialog sollte eine einvernehmliche Regelung finden, wo wieviel an Rohstoff künftig neu abgebaut werden darf. In der Diskussion ist ein Konzeptvorschlag des Saarbrücker Planungsbüros agl, der 1466 Hektar umfasst.

„Es ist ein hehres Ziel, jegliche weiteren Flächen zu verhindern“, findet Hans-Peter Felten aus Daun, örtlicher Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Der ist seit 2009 in die Auseinandersetzung eingebunden, hatte sich zwischenzeitlich zurückgezogen, ist aber seit einigen Wochen wieder mit von der Partie.

„Die Planungsgemeinschaft kann jedoch rein rechtlich nicht von weiteren Flächengenehmigungen absehen, das könnte nur eine politische Entscheidung auf ganz anderer Ebene sein. Von daher würden  wir sogar auf Einflussnahme im Sinne des Naturschutzes verzichten, wenn wir uns auf die Forderung nach einer Null-Lösung versteifen“, kritisiert er die Haltung von RVDL und IG Eifelvulkane.

Das Ziel im Landesentwicklungsplan, bedeutsame Bereiche für die Rohstoffsicherung zu konkretisieren und zu sichern, sei für alle Behörden verbindlich. „Wir als Nabu sind nicht gegen einen totalen Stopp. Aber so hehr das Ziel sein mag: Von heute auf morgen geht das nicht.“ Felten tritt dafür ein, mit den Grubenbetreibern und der Planungsgemeinschaft ganz konkret jede einzelne mögliche Abbaufläche zu prüfen. „Uns läuft die Zeit davon für Grundsatzdebatten. Am 10. Dezember wird entschieden.“ Die Einzelfalluntersuchung müsse nach festen Kriterien erfolgen: So solle der weitere Abbau auf „landschaftlich bereits stark vorgeschädigte Bereiche konzentriert“ sein –  selbst dann, wenn das insgesamt mehr Abbaufläche ermögliche als neue Gruben in bislang intakten Gebieten. Seine zentrale Forderung: „Es darf keinen Flickenteppich geben!“ Ein weiteres unbedingtes Muss aus Sicht des NABU: Alle Naturschutzgebiete bleiben unangetastet.

Das agl-Konzept wertet Felten als „diskussionswürdigen, aber noch verbesserungsbedürftigen Vorschlag“. Für den Nabu habe der Erhalt des einzigartigen Landschaftsbildes oberste Priorität. Beeinträchtigungen für Anwohner durch Lärm, Staub und Verkehrsbelastung seien nicht die Argumente, auf die sich der Naturschutzbund beziehen könne.

Und nicht immer könnten der Artenschutz etwa für Milane oder Wildkatzen sowie der Erhalt intakter Buchenwälder als Argumente dienen: „Wenn im betreffenden Bereich keine hohe Schutzkategorie besteht und Ausweichmöglichkeiten für die Tiere da sind, greift das nicht.“Stillgelegte Gruben könnten sich sogar zu Refugien für seltene Arten entwickeln. „Das ist natürlich kein Grund, um Gestein abzubauen“, räumt Felten ein, „aber wir müssen  besonnen sein und Kompromisse finden.“ Er hofft, dass es mit allen Beteiligten rasch zu Gesprächen kommt.

Die Natur hat sich den uralten Steinbruch im Arensberg zurückgeholt. Tiere finden dort einen Rückzugsraum.
Die Natur hat sich den uralten Steinbruch im Arensberg zurückgeholt. Tiere finden dort einen Rückzugsraum. FOTO: TV / Angelika Koch