| 20:40 Uhr

Neue Heimat Florinshof: Wenn das eigene Haus im Alter zu groß wird

 Noch ist nicht viel zu sehen. Doch hier soll die Wohnanlage Florinshof entstehen. Bald beginnen die Bauarbeiten.TV-Foto: Lydia Vasiliou
Noch ist nicht viel zu sehen. Doch hier soll die Wohnanlage Florinshof entstehen. Bald beginnen die Bauarbeiten.TV-Foto: Lydia Vasiliou FOTO: (e_daun )
Gillenfeld. "Gemeinsam statt einsam" ist das Motto der Genossenschaft am Pulvermaar. Ihr Ziel, ein barrierefreies Wohnprojekt in Gillenfeld umzusetzen, rückt in greifbare Nähe. In Kürze wird der Bauantrag gestellt. Anfang 2018 können die ersten Bewohner einziehen. Was sie zu diesem Schritt bewegt? Wir haben mit zwei Mitgliedern gesprochen. Lydia Vasiliou

Gillenfeld. Zwar ist es noch ein bisschen hin, aber so langsam können sich Anneliese (69 Jahre) und Adolf Bläser (72 Jahre) aus Gillenfeld Gedanken machen über einen Umzug. Raus aus dem eigenen Haus, rein in den Florinshof. "Wir haben ein viel zu großes Haus mit 27 Treppenstufen. Das wird im höheren Alter immer beschwerlicher, und wir sind froh, dass die Gemeinde so was anbietet", sagt Anneliese Bläser. "Das Haus wird bei Einzug in den Florinshof sofort verkauft."

Ihr neues Domizil wird in zentraler Lage in der Pulvermaar-Gemeinde liegen, die Grundsteinlegung für das Millionenprojekt war im September vergangenen Jahres ein Höhepunkt der 1000-Jahrfeier in Gillenfeld.
Hinter dem Vorhaben steht die "Genossenschaft am Pulvermaar", die unter dem Motto "Gemeinsam statt einsam" 2014 gegründet wurde. Eines der Ziele: den Florinshof zu verwirklichen (der TV berichtete). Hatte die Genossenschaft bei Gründung 39 Mitglieder, seien es heute weit über 100, sagt Kurt Becker, Projektleiter und Vorstandsmitglied der Genossenschaft.13 barrierefreie Wohnungen


Die Planungen sind beendet, und "Ende Januar, Anfang Februar wollen wir den Bauantrag stellen", sagt Ortsbürgermeister Karl-Heinz Schlifter. Nach dem Frühjahr sollen dann die Bauarbeiten für 13 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit, alles barrierefrei, beginnen. Ursprünglich sollte der Florinshof Ende 2017 stehen, allerdings "haben wir mindestens zwei Monate in der Planung verloren", sagt der Ortsbürgermeister.
Denn das zunächst vorgesehene Nahwärmenetz, mit dem auch das benachbarte Feuerwehrhaus hätte versorgt werden können, konnte nicht verwirklicht werden, "da wir keine Firma gefunden haben, die bereit war, das zu unterstützen." Beheizt werden die Wohnungen mit einer Größe von rund 85, 70 und 50 Quadratmetern nun mit Pellets.

Auch in der Raumplanung gab es kleine Veränderungen. War anfangs ein separater Gemeinschaftsraum vorgesehen, so wird dieser in die Räume der Caritas, die sich als Mieter der Gewerbeeinheit nun auch einen Standort in Gillenfeld sicherte, integriert. "Die Caritas stellt ihren Raum bei Büroschluss oder an den Wochenenden zur Verfügung", sagt Kurt Becker.
Fünf Wohnungen sind mittlerweile vergeben, nicht nur an Gillenfelder, "sondern auch an Interessenten aus Kelberg, Darscheid und Trautzberg", sagt Becker. Ähnliche Gründe in den Florinshof zu ziehen wie Familie Blaeser hat auch Inge Raskop aus dem Strohner Ortsteil Trautzberg. Die 80-Jährige ist alleine und hat aufgrund ihres großen Hauses und "Drumherum" den Umzug nach Gillenfeld beschlossen.

"Ich denke, es ist eine gute Entscheidung, man will ja auch nicht ständig auf die Kinder angewiesen sein", sagt Raskop. Zwar fahre sie noch Auto, "aber wie lange noch?" In Gillenfeld habe sie eine Rundum-Versorgung.
"Anfragen gibt es vor allem, wenn wir Aktionen starten, aber ich denke, die Resonanz wird sich einstellen, wenn die Bagger rollen", sagt Ortsbürgermeister Schlifter. Die geschätzten Kosten von rund 2,5 Millionen Euro für den ganzen Komplex sollen laut Projektleiter Becker nicht überschritten werden.Extra

Namensgeber für das Projekt in Gillenfeld ist das Florinsstift in Koblenz. Dem wurde 1016 von Kaiser Heinrich II. erlaubt, das Markt-, Münz- und Zollrecht in Gillenfeld auszuüben. Das wurde im vergangenen Jahr mit mehreren 1000-Jahr-Veranstaltungen gefeiert. lyv