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Kultur
Auf dem Wunschzettel stehen Räume und eine „unbürokratische Stabsstelle“

Daun. Nicht nur örtliche, auch thematische Zukunftskonferenzen sind im WEGE-Prozess der Verbandsgemeinde  Daun möglich. Zum Beispiel eine zur Kultur. Und da gibt es viel zu tun, aber auch viel Engagement.

(ako) Kultur ist mehr als nur Konzerte, Ausstellungen oder Lesungen… sondern, wie die deutsche Übersetzung des ursprünglich lateinischen Begriffs verrät, sie fängt bei der Pflege von Körper und Geist an. Mit solchem Verweis auf den buchstäblichen Kulturbeutel führte Musikwissenschaftler Tim Becker in das Thema der jüngsten Zukunftskonferenz im Rahmen des WEGE-Prozesses der VG Daun ein. Ins Mehrener Bürgerhaus gekommen waren nicht nur Kulturschaffende aus der VG selbst, auch welche aus benachbarten Kommunen und Kreisen folgten der Einladung. „Die Eifel ist eine Kulturlandschaft par excellence“, betonte Becker, „hier sind die Menschen viel hungriger auf Kultur als in den übersättigten Großstädten.“ Seine erste Anregung: „Bitte werft alte Fotos und Briefe nicht weg, es soll eine Art Eifel-Archiv aufgebaut werden.“

So ein Archiv wäre prall gefüllt, denn laut Becker ist „Wir haben hier doch gar keine Kultur“ ein Vorurteil von Leuten auf dem Land gegen Leute auf dem Land. Die Zukunftskonferenz startete mit einer Sammlung von kulturellen Events und Errungenschaften in der VG Daun von 1970 bis heute. Auf zwei großen Flipcharts fanden nicht einmal alle Nennungen Platz, von der legendären Backstuw-Disco bis zur Friedhofskultur, von der Lernwerkstatt in Niederstadtfeld bis zu „Der Detze rockt“, von den Möhnen bis zu den Dauner Fototagen, vom Lampendrehen in der Kneipe „Beim Heines“ bis zu den Ortschroniken. Besonders wild wuchs die Kultur in den 1980er und 1990er Jahren, seitdem setzte eine zunehmende Professionalisierung und Konzentration auf „Leuchttürme“ ein.

Rainer Laupichler, Schauspieler und Initiator der „Eifel Kulturtage“, begrüßte diese Entwicklung. Unter anderem Vertreter von Musik- und Gesangsvereinen waren da ganz anderer Meinung. So entspann sich eine lebhafte Diskussion, teils im Plenum, teils in Kleingruppen, in der auch Fantasie nicht fehlte. Wie sieht Kultur in der Vulkaneifel 2030 aus? Vermutlich weniger realistisch war die Vision, Eifeler Platt bis dahin zur Amtssprache zu machen. Mehr Aussicht auf konkreten Erfolg hat da schon die Hoffnung, aus der leerstehenden Brotfabrik oder aus dem Bahnhof ein freies Kulturzentrum zu machen, wo sich die Generationen für die verschiedensten Aktionen treffen und Jugendliche zum Beispiel Platz zum Skaten haben.

Überhaupt: Wie können junge Menschen kulturell aktiver oder besser einbezogen werden? Und wo gibt es einen Raum, in dem sich Kulturinteressierte einfach so ohne großen Organisationsaufwand zum Austausch und für Projekte treffen können? Wo bleibt eine koordinierende Kommunikation, etwa in Form einer unbürokratischen „Stabsstelle“, angesiedelt bei der VG oder beim Kreis? Diese Themenkreise kristallisierten sich als künftig wichtige Handlungsfelder heraus, ebenso der Bedarf über die kommunalen Grenzen hinweg, sich mit weiteren Workshops und Treffen dafür zu engagieren. So könnte der WEGE-Prozess eines Tages nicht allein auf die VG Daun beschränkt sein, sondern regelrecht ansteckend wirken.

Infos zu weiteren WEGE-Zukunftskonferenzen unter www.vgv-daun.de/wege oder im WEGE-Büro bei Verena Welter und Daniel Weber, Telefon 06592/939-225 und -227.