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Stadtentwicklung
Plötzlich auch ganz neuen Ideen nicht abgeneigt

Gerolstein. Die Ratsfraktionen halten (noch) an bisherigen Plänen fürs Brunnengelände fest. Ein Tourismusangebot soll endlich erarbeitet werden.

Der TV hat die Fraktionen des Gerolsteiner Stadtrats zum Themenkomplex Brunnengelände/Sarresdorf befragt – und zwar so: Was halten Sie von der aktuellen Entwicklung? Wie sollte es Ihres Erachtens nach nun angesichts der Restriktionen durch den raumplanerischen Entscheid weitergehen? Und: Sollte der Umzug von HIT- und DM-Markt von Sarresdorf aufs Brunnengelände weiterverfolgt oder mit anderen Anbietern gesprochen oder gar eine ganz neue Strategie verfolgt werden? So lauten die Antworten:

Helmut Hauth, CDU-Fraktion: „Der Bauausschuss hat bereits im November dem Stadtrat vorgeschlagen, eine Verbindung Bebauungsplan Brunnengelände – Bebauung Sarresdorf abzulehnen. Es sind zwei selbstständige Gebiete, deren jeweilige Weiterentwicklung wichtig und von Nutzen für die Stadt ist. Der raumplanerische Entscheid hat laut Landesplanungsgesetz keine Bindungswirkung für die Stadt. Wir sind der Auffassung, dass auch ohne Änderung des Bebauungsplanes Sarresdorf die Vorgabe der Landesplanung berücksichtigt und erfüllt sind. Wir warten jetzt das Offenlegungsverfahren ab und werden danach eine sachgerechte Entscheidung treffen.

Uwe Schneider, SPD-Fraktion: „Der Stadtrat hat in einer leidenschaftlichen Debatte das Für und Wider abgewogen und dann mit Zweidrittelmehrheit (15 Ja-, 5 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen) das Thema Konversion Brunnengelände auf den Weg gebracht. Damit sich etwas entwickelt, müssen die vier Kriterien, die der Stadtrat bereits vor einem Jahr einstimmig beschlossen hat, greifen. Diese sind: Schaffung von Büroflächen (LBM), Bereitstellung von Flächen für den Einzelhandel, Bereitstellung von Flächen für einen noch zu konzeptionierenden Bereich Tourismus und Freizeit, Anbindung des Brunnengeländes an die Innenstadt.

Natürlich bereitet es uns Sorge, was im raumordnerischen Entscheid zur Umsiedlung von Betrieben von der Sarresdorfer Straße zum Brunnengelände ausgeführt wird. Wir verlassen uns aber darauf, was das Planungsbüro Firu dazu sagt: dass dieser nicht zwingend anzuwenden sei.

Was die Altstandorte auf Sarresdorf betrifft, obliegt es in erster Linie dem Projektentwickler Faco, Lösungen herbeizuführen. Ein überarbeiteter Bebauungsplan Sarresdorfer Straße würde dann auch für die Entwicklung dieses Bereichs neue Perspektiven schaffen, wie Schaffung von Parkplätzen, von Wohnraum (seniorengerechtes Wohnen mit fußläufiger Anbindung zu den Handelsflächen) und für weitere Ideen. Wenn sich nun aber neue, ganz andere Perspektiven für das Brunnengelände ergeben und der Eigentümer einwilligt, bin ich auch nicht abgeneigt.“

Tim Steen, Bündnis 90/Die Grünen: „Wir waren für eine Vertagung  des Beschlusses zur Offenlage des Bebauungsplans und haben uns, nachdem sich dafür keine Mehrheit fand, dagegen ausgesprochen. Denn: Noch immer fehlt eine schlüssige Konzeption für den Bereich Freizeit und Tourismus. Erst wenn klar ist, was da kommt und wie viel Platz dafür benötigt wird, kann auch die Fläche für den Einzelhandel festgelegt werden. Und nicht umgekehrt.

Ziel muss es sein, etwas Neues entstehen zu lassen, um so die Attraktivität Gerolsteins zu steigern. Mit einer bloßen Umsiedlung des Handels werden die Chancen dieser innerstädtischen Fläche nicht ausreichend genutzt.
Uns reicht darüber hinaus die einfache fußläufige Anbindung mit Überquerungshilfen an die Innenstadt nicht aus. Gefordert ist hier ein barrierefreier Übergang über der Bundesstraße, der die Besucher bis in die Hauptstraße führt.
Auch die im vorgeschlagenen Bebauungsplan erlaubte Ansiedlung von Textil- und Schuhfachmärkten halten wir für falsch. Sie gefährdet die bestehenden Geschäfte in der Hauptstraße. Damit wird genau das Gegenteil der von allen Seiten gewünschten Stärkung der Innenstadt erreicht.
Der raumordnerische Bescheid geht unserer Meinung nach weit über den Schutz benachbarter Städte hinaus, er schränkt die Stadtplanung in Gerolstein unzulässig ein. Insbesondere muss am jetzigen Standort des DM-Marktes auch weiterhin Einzelhandel möglich sein, damit dieser Teilbereich in Sarresdorf weiterhin funktioniert.
Falls auf eine Ablösung des Bestandschutzes für die Eigentümer der Immobilien in Sarresdorf bestanden wird, sehen wir den Projektentwickler in der Verantwortung. Wenn es ein gutes Gesamtkonzept für das ehemalige Sprudelgelände gibt – und nur dann –, sind wir zu Änderungen der Bebauungspläne in Sarresdorf bereit.“

Heinz Weber, Sprecher der FWG-Fraktion: „Was bedeutet dieser Entscheid? Jemand hatte die angeblich gute Idee: Auf dem Brunnengelände machen wir Handel. Die Landesplanung sagt: Es gibt schon so viel Handel in Gerolstein, ihr dürft das nur ganz eingeschränkt machen. Deshalb sagen wir als FWG: Lasst uns endlich über eine sinnvolle Nutzung des Geländes nachdenken ohne die Vorgabe, dass da Handel hinkommen muss!’

Wenn es aber dennoch unbedingt Handel sein soll, sollten wir mit Anbietern von Branchen sprechen, die nicht vom raumplanerische Bescheid ausgenommen werden.  Dies wären dann Neuansiedlungen, die das Gesamtangebot in Gerolstein tatsächlich erweitern würden. Das wäre gut.

Einen Umzug der bestehenden Betriebe (Hit und DM) halten wir für sehr problematisch. Der wichtigste Grund: Man muss sich mit den derzeitigen Vermietern einigen – oder auch nicht. Und beides könnte sehr teuer werden.“