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Infrastruktur
Der Zug ist abgefahren

Hier rührt sich schon lange nichts mehr, was den Zugverkehr angeht: Der Dauner Bahnhof ist nur noch Anlaufstelle für Radfahrer. TV-Foto: Stephan Sartoris
Hier rührt sich schon lange nichts mehr, was den Zugverkehr angeht: Der Dauner Bahnhof ist nur noch Anlaufstelle für Radfahrer. TV-Foto: Stephan Sartoris FOTO: e_daun <e_daun@volksfreund.de>+SEP+e_daun <e_daun@volksfreund.de>
Daun/Gerolstein/Ulmen. Schlechte Nachricht für Bahnfans: 27 Jahre, nachdem der Personennahverkehr auf der Eifelquerbahn zwischen Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell) und Gerolstein (Kreis Vulkaneifel) eingestellt worden ist, ist die lange diskutierte mögliche Reaktivierung auf unabsehbare Zeit auf dem Abstellgleis gelandet. Von Stephan Sartoris
Stephan Sartoris

Wer noch etwas Hoffnung gehabt haben mag, dass auf der der Eifelquerbahn zwischen Kaisersesch und Gerolstein wieder regelmäßig Züge fahren könnten, für den gibt es keine guten Nachrichten: Zwar hat das Land nicht das endgültige Aus für die seit vielen Jahren diskutierte Reaktivierung verkündet, aber praktisch aufs Abstellgleis geschoben. Ein Gutachten hatte gegeben, dass mindestens 40 Millionen Euro nötig wären, um die Strecke so auf Vordermann zu bringen, dass dort wieder regelmäßiger Personennahverkehr möglich wäre. Rechnet sich nicht, sagt das Land: „Das Land kann vor dem Hintergrund der fehlenden Wirtschaftlichkeit dieses Projekt nicht finanzieren“, schreibt Andy Becht (FDP), Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium, an den Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz-Peter Thiel. Der hatte sich mit seinem Amtskollegen Manfred Schnur (Kreis Cochem-Zell) und den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden, durch die die Strecke führt, in einer Resolution an das Land gewandt, in der die Reaktivierung gefordert wurde. Eine rein touristische Nutzung, wie es sie von 2001 bis 2012 gegeben hatte, lehnen die Verwaltungschefs ab. Das hätte etwa 24 Millionen Euro gekostet, eine Summe, die aus ihrer Sicht nicht zu verantworten ist. Ihr Vorschlag: Wenn schon, dann richtig, also 40 Millionen Euro investieren, um die Strecke wieder zu nutzen. Mehrere Argumente sprechen nach Darstellung des Landes gegen die Reaktivierung. So weist Becht darauf hin, dass es im „Verkehrskorridor, der von der Eifelquerbahn abgedeckt wird“, Verbesserungen geben werde. Dazu zähle die regionale Buslinie 500. Sie wird von Dezember 2021 an täglich und zumindest an Werktagen im Stundentakt von Cochem über Ulmen und Daun nach Gerolstein verkehren. Ebenso seien im ÖPNV-Abschnitt zwischen Ulmen und Kaisersesch „lokale Ergänzungslinien“ eingeplant.

Die Landräte und Bürgermeister wissen also nun, was Sache ist: Ein regulärer Personennahverkehr für die ganze Strecke ist vom Tisch. Ein kleine Variante wäre allerdings noch vorstellbar: regelmäßiger Bahnverkehr von Kaisersesch über Laubach nach Ulmen. Diese Teilstück ist vor einigen Jahren für rund drei Millionen Euro saniert worden.

Nun werden zunehmend Stimmen laut, die einen Radwanderweg auf einem Teil der Stecke der Bahntrasse haben wollen, vor allem im Kreis Cochem-Zell. So kann sich Thomas Kerpen, Stadtbürgermeister von Ulmen, einen Radweg nach Daun „gut vorstellen“. Der Stadtrat habe das als „einen Plan für eine alternative Nutzung“ beschlossen, „was aus unserer Sicht Chancen für Tourismus und Gastronomie bieten würden.“ Die, die lieber zweigleisig fahren — Erhalt der Gleise und eine touristische Nutzung —, bringen eine andere Option ins Spiel. „Als Alternative für die Reaktivierung und zu einem Radweg von Gerolstein nach Kaisersesch könnte eine Draisinenstrecke vorstellbar sein“, sagt Werner Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Daun. Sein Ulmener Amtskollege Alfred Steimers stellt grundsätzlich fest: Die Strecke dürfe nicht weitere 20 Jahre „so herumliegen“.