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Rom war auch in Bodenbach

Bodenbach. Rund um die Gemeinde Bodenbach herrschte einst römisches Leben. Das beweisen die bisherigen Grabungen mit dem Fund einer römischen Villa, die später zur Wehranlage umgebaut wurde. Mit dem "Museum in der Landschaft" soll Besuchern die Villenanlage verdeutlicht werden. Am Sonntag, 19. Juli, wird das "Museum" offiziell eröffnet. Helmut Gassen

Bodenbach. Mit großer finanzieller Unterstützung der Ortsgemeinde Bodenbach untersuchten von 2002 bis 2013 Archäologen das Gelände rund um Bodenbach. Zum Einsatz kamen Verfahren, wie Bodenwiderstandsmessungen, Bodenradarmessungen und Geomagnetische Messungen.
Dabei stellte sich heraus, dass hier vom ersten bis zum dritten Jahrhundert nach Christus eine römische Villa stand, die im Zuge der Bedrohung durch die Germanen gegen Ende des dritten bis zu Beginn des vierten Jahrhunderts als Befestigung ausgebaut wurde und 350 nach Christus zerstört und verlassen wurde.
Eine Besonderheit der Bodenbacher Anlage ist der Nachweis von drei Verteidigungsgräben und einer Befestigungsmauer, die Parallelen in der römischen Militärarchitektur, wie den Kastellen am Limes, haben. Dieser Fund ist für die Nordwestprovinzen des Römischen Reiches (Deutschland, Belgien, Frankreich, Niederlande, Schweiz) aber einzigartig.
Mit dem Konzept "Museum in der Landschaft" geht man einen neuen Weg in der Altertumspräsentation in Rheinland-Pfalz. "Die Art, wie ein römisches Bodendenkmal jetzt hier in Bodenbach gezeigt wird, ist in Rheinland-Pfalz einmalig", sagt Günter Rätz, der das Konzept zusammen mit dem Grabungsleiter Dr. Peter Henrich vorgeschlagen hat. Ein ähnliches Konzept gibt es noch in Bayern bei einem römischen Kastell am Limes.
Ortsbürgermeister Thorsten Krämer sieht das "Museum in der Landschaft" nicht nur für Bodenbach als wichtig an. "Man sollte den Wert der Anlage nicht nur für die Gemeinde sehen, sondern überregional. Die Villa hat ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Rheinland-Pfalz, deshalb wird auch Bodenbach dadurch bekannt", sagt er.
Von den Grundmauern der Villa und der Befestigungsanlage wird der Besucher dabei jedoch nichts sehen. Die Grundmauern der Villa werden durch eine kleinwüchsige Hecke dargestellt, die Vormauer wird durch ein helles Kiesbett angedeutet, und die Sicherungsgräben werden durch bunte Gräser visualisiert. Vier lange Pfosten zeigen die vermutliche Höhe des Villengebäudes auf. Auch gibt es Informationstafeln, die aufzeigen, wie die Villenanlage vermutlich ausgesehen hat.
Keine weiteren Grabungen


Eingebunden ist das "Museum in der Landschaft" in die Geschichtsstraße der Verbandsgemeinde Kelberg und den Hochkelberg-Panoramapfad, die beide direkt in der Nähe vorbeiführen.
Nach der Grabung in der Villa im Jahre 2003 und der letzten Grabung 2010 in den Gräben vor der Villa, wurden die Funde von Bodenbach wie etwa Münzen oder eine Haarnadel aus Elfenbein ins Landesmuseum nach Trier gebracht.
"Im Moment ist keine erneute Grabung geplant, da keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Wir haben auch noch ein zweites großes Gebäude bei den geomagnetischen Untersuchungen gefunden. Das wäre wohl das Projekt, das in Zukunft Priorität hätte", erklärt Günter Rätz.
Rund 32 000 Euro sollte das "Museum in der Landschaft" kosten. Durch Eigenleistungen konnte der Betrag aber deutlich gesenkt werden. Laut Ortsbürgermeister Thorsten Krämer beträgt er rund 25 000 Euro. 65 Prozent der Kosten werden aus EU-Fördermitteln bezahlt, die Gemeinde trägt die restlichen 35 Prozent. Insgesamt hat die Gemeinde bisher, einschließlich der Kosten für das "Museum in der Landschaft", einen Betrag von 15 600 Euro in das Projekt Römervilla investiert.
Extra

Sonntag, 19. Juli: 11 Uhr Begrüßung durch Ortsbürgermeister Thorsten Krämer; Vorträge von Günter Rätz ("Museum in der Landschaft") und Dr. Peter Henrich ("Untersuchungen, Grabungen, Ergebnisse"); Männergesangverein Bodenbach mit Liedvorträgen; Einweihung durch Dechant Klaus Kohnz Ab 12 Uhr Mittagessen mit römischen Spezialitäten. Ab 13 Uhr Vortrag von Dr. Peter Henrich; Führungen an der Römischen Villa; Eifelverein Kelberg bietet ortsnahe Wanderung um Bodenbach Ab 14 Uhr musikalische Unterhaltung mit dem Musikverein Bodenbach Ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen; Rahmenprogramm (Römische Kinderspiele, Geschichten und Erzählungen für Kinder); Autoren stellen Bücher über die Römer vor. HG