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Gesundheitswesen
Das Hoffen und Bangen geht weiter

Die „Kundschaft“ für eine Geburtshilfe-Einrichtung in der Vulkaneifel ist da: Beim Babyboom liegt der Kreis bundesweit weit vorn.
Die „Kundschaft“ für eine Geburtshilfe-Einrichtung in der Vulkaneifel ist da: Beim Babyboom liegt der Kreis bundesweit weit vorn. FOTO: dpa / Waltraud Grubitzsch
Daun. Der Kreisausschuss des Kreises Vulkaneifel hat Landrat Thiel beauftragt, zu erreichen, dass die Geburtshilfeabteilung in Daun nicht wie vom Träger angekündigt am Jahresende geschlossen wird. Ziel ist ein Aufschub um ein Jahr, um ein tragfähiges Konzept für eine Geburtshilfe zu erarbeiten. Von Stephan Sartoris
Stephan Sartoris

Es lässt wohl niemand kalt,  als der werdende Vater von seinen Sorgen und Nöten berichtet, was die angekündigte Schließung der Geburtshilfe-Abteilung im Maria-Hilf-Krankenhaus Daun betrifft. „Ich war extrem geschockt, als ich das erfahren habe“, berichtet er. Seine Frau erwartet Zwillinge, die Entbindung in Daun war längst beschlossene Sache.

Dann aber verkündet das Krankenhaus vor gut einer Woche, die Station Ende des Jahres schließen zu wollen. Dass das passieren könnte, ist lange bekannt, aber nachdem die Geburtshilfe-Abteilungen in Prüm, Gerolstein und Adenau geschlossen wurden, gab es Hoffnung, dass dadurch der Standort Daun, die nun „letzte Bastion“ in der Vulkaneifel, gestärkt werde.

Als maßgeblicher Grund wurde seitens des Krankenhauses angeführt, dass die schon seit Längerem währende Suche nach Belegärzten für die Abteilung erfolglos verlaufen sei. Das Krankenhaus brauche über die derzeit zwei Belegärzte hinaus aber mindestens einen weiteren Arzt, um die Versorgung der Patientinnen, wie es der Gesetzgeber vorschreibe, auf Dauer zu gewährleisten. Von der Schließung sind 17 Hebammen in Teilzeit betroffen.

Seit der Ankündigung ist binnen kurzer Zeit eine breite Bürgerbewegung entstanden, die die Schließung nicht einfach hinnehmen will. An die 7000 Unterschriften gibt es bereits bei der Online-Petition pro Erhalt der Station, für Mittwoch ist ein Demonstrationszug durch Daun geplant.

Auch die Kommunalpolitik wird aktiv, das derzeit alles beherrschende Thema wird auf die Sitzung des Kreisausschusses gesetzt. Normaler­weise tagt das Gremium in kleiner Runde, wenn Vergaben von Bauaufträgen oder Vorbereitungen für den Kreistag anstehen. Nun aber ist der Sitzungssaal voll.

Die ursprünglichen Tagesordnungspunkte werden nach hinten geschoben, und es werden ausdrücklich auch Stellungnahmen aus dem Publikum angenommen. Das nutzen schwangere Frauen, aber auch die leitende Hebamme des Dauner Krankenhauses, Christiane Rübenach, und einer der beiden Belegärzte, Gottfried Steinle.

Es werden Fragen gestellt, von den guten Erfahrungen mit der Station in Daun berichtet und appelliert, alles zu tun, um das endgültige Aus zu verhindern. Der Geschäftsführer des Krankenhauses, Franz-Josef Jax, ist an diesem Abend Repräsentant des Trägers, der Gesellschaft der Katharinenschwestern. Er äußert Verständnis für „Wut, Enttäuschung und Verzweiflung“ wegen der Schließungsankündigung, bleibt aber in der Sache hart : „Der Beschluss ist nicht umkehrbar.“

Das wollen die Mitglieder des Ausschusses und Landrat Thiel nicht einfach hinnehmen. So wird der Verwaltungschef beauftragt, doch noch zu erreichen, dass die Geburtshilfeabteilung im Maria-Hilf-Krankenhaus in Daun nicht, wie vom Träger angekündigt, am Jahresende geschlossen wird. Er soll einen Aufschub erwirken. Sollte der beispielsweise um ein Jahr gewährt werden, solle ein tragfähiges Konzept für eine langfristige Sicherung der Geburtshilfe in der Kreisstadt erarbeitet werden.

Den Aufschub will auch die Interessengemeinschaft (IG) Geburtshilfe Daun, zudem einen Runden Tisch mit Krankenhausleitung, Politikern, Ärzten, Hebammen, Geldgebern und allen, die dazu beitragen können die Geburtshilfe zu retten. In einem Aufruf der IG heißt es: „Wir sind absolut davon überzeugt, wenn alle Beteiligten mit gutem Willen und konstruktiv an einer Lösung arbeiten, wird ein tragfähiges Konzept gefunden werden. Die Frauen im Landkreis Vulkaneifel brauchen eine Perspektive, um sich vor, während und nach der Geburt eines Kindes sicher und zuhause zu fühlen.“

Die IG lädt für heute, Mittwoch, 21. November, zu einem Protestmarsch durch die Kreisstadt ein. Los geht es um 16 Uhr, die Strecke führt vom Laurentiusplatz bis zum Krankenhaus.

Das Thema Schließung der Geburtshilfe sorgt für einen vollen Saal im Kreishaus: Landrat Heinz-Peter Thiel begrüßt die Gäste.
Das Thema Schließung der Geburtshilfe sorgt für einen vollen Saal im Kreishaus: Landrat Heinz-Peter Thiel begrüßt die Gäste. FOTO: TV / Stephan Sartoris
Christiane Rübenach, leitende Hebamme, verweist auf die Folgen der Schließung der Geburtshilfe.
Christiane Rübenach, leitende Hebamme, verweist auf die Folgen der Schließung der Geburtshilfe. FOTO: TV / Stephan Sartoris
Einer von zwei Belegärzten: Gynäkologe Gottfried Steinle spricht vor dem Kreisausschuss.
Einer von zwei Belegärzten: Gynäkologe Gottfried Steinle spricht vor dem Kreisausschuss. FOTO: TV / Stephan Sartoris